Hallo und Tschüß – von El Salvador durch Honduras nach Nicaragua in 9 Stunden!

Korruption, penetrante Grenzhelfer, die Dokumente verschwinden lassen und nur gegen Bezahlung wieder rausrücken, Chaos, Schikane, Kinderhorden und Polizisten, die sich auf 120 km Panamericana in Honduras bei 14 Checkpoints immer wieder neue Phantasie – Strafzettel ausdenken. Das hatten wir gehört und damit hatten wir gerechnet, als wir heute morgen um 5:39 Uhr in San Miguel (El Salvador) in Richtung der Grenze nach Honduras aufgebrochen sind. Die Realität sah zum Glück nicht ganz so drastisch aus. Am ersten Grenzübertritt El Amatillo war es morgens um 7 noch recht verschlafen. Ein paar Grenzhelfer waren höflich aber bestimmt schnell abgewimmelt und dann sogar kostenlos hilfsbereit. Die Dame vom Zoll bat uns ins klimatisierte Büro, wo sie dann in Ruhe unsere Fahrzeugeinfuhr abwickelte. Jeder war hilfsbereit, kaum einer aufdringlich. Mr. Pumpgun, der Wachmann der Bank, brachte mich sogar persönlich zu einem vertrauenswürdigen Geldwechsler. Um 9 Uhr war alles erledigt und wir nach Honduras eingereist. Erstaunlich.

Jetzt die Horrorstrecke durch Honduras. Nur gut 130 km auf dem kürzesten Weg durch Honduras, allerdings als Freiwild für korrupte Bullen. Schnell die Cola trinken, bevor sie uns genommen wird. Soweit die Erwartung. Insgesamt kamen wir auf der Panamericana an 6 Checkpoints vorbei, KEINER hat uns angehalten. Zwischendurch mussten wir einmal eine Kinderhorde abwehren, die an einem Tope (Ihr erinnert euch) unser Auto bestürmte. Kurz die Faust gezeigt und ordentlich auf deutsch geschimpft, war das auch abgehakt. Nach knapp 2,5 Stunden waren wir dann an der Grenze zu Nicaragua in Rio Guasaule. Eine wirklich tolle und hilfreiche Website (mehr dazu in Kürze) beschreibt diesen Ort als „bombed out wasteland“. Aber was sehen unsere Augen: brandneue Grenzgebäude in Honduras. Ab ins klimatisierte Büro und nach 15 min ist die Ausreise für Mensch und Auto erledigt.
Dann ab nach Nicaragua: Kurz mit Unterstützung eines hilfreichen Jungen das Auto desinfizieren lassen (da gibt es dann auch zurecht eine kleine Propina). Vor der Immigration wartet ein zwilichtiger Typ und will uns anquatschen. Als ich zurücksetze klopft er uns kräftig auf die Motorhaube. Mein Blutdruck schnellt hoch: Ist der Typ lebensmüde? Als ich mit rotem Kopf das Fenster runter lasse, gibt er sich per Ausweis als ein Mitarbeiter der Landwirtschaftsbehörde aus, stellt unsinnige Fragen und beschwert sich über mein rüdes Verhalten. Tanja gibt den charmanten Part und wir lassen den Typ stehen. Ob das ein Offizieller oder ein Betrüger war, werden wir wohl nie erfahren.
Die freundlichen Grenzbeamten der Immigration und vom Zoll erledigen alles zügig und nach 1:15 Stunden sind wir in Honduras. Es ist 12:39 Uhr und wir machen uns auf die letzte Etappe nach Leon. Nach ein paar Kilometern der erste Checkpoint. Ein netter Beamter, etwas Smalltalk über das schöne Nicaragua, unsere Papiere will niemand sehen. Dann die offene Frage: ob wir nicht ein „Geschenkchen“ hätten, eine Cola zum Beispiel. Da wir die einzige Cola im Kühlschrank selber trinken wollen, gibt’s zwei Bier für die Herren. Nach einem Handschlag geht’s weiter. Es folgt eine weitere, völlig korrekte Polizeikontrolle und nach gut zwei Stunden sind wir in unserem schönen Hostel in Leon. 14:45 Uhr, jetzt erstmal Essen gehen, was für ein Tag!

Fazit: Wir waren heute mit Hilfe einiger Reisenden vor uns gut vorbereitet (unzählige Kopien von Dokumenten etc.) , vielen Dank dafür! Wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Umstände haben sich innerhalb der letzten Jahre deutlich verbessert. Wir haben zudem Glück gehabt.

Also, wer immer diesen Trip wagt: Keine Angst, es ist gut zu schaffen. Bereitet euch aber vor. Die Strecke ist wunderschön und wir geben gerne Tips!

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