Popayan, San Agustin

Popayan, Desierto Tatacoa, Rivera, San Agustin 28.10. – 05.11.2013

Der Weg nach Popayan war richtig gut ausgebaut und wir kamen schneller voran, als erwartet. Bereits nachmittags um kurz nach zwei konnten wir unser Zimmer im „Hostal Trail“ beziehen. Zur Feier des Tages hatten wir uns ein privates Zimmer mit Bad gegönnt. Das Auto war sicher auf einem Parkplatz in der Nähe abgestellt, nachdem wir uns zuvor durch ein Gewirr an aufgerissenen Strassen gekämpft hatten – wie daheim in Deutschland wird wohl auch hier noch zum Ende des Jahres in den Strassenbau investiert.
Das historische Zentrum Popayans ist nicht allzu groß und wir machten uns gleich am ersten Tag auf zu einer Stadtbegehung. Als erstes musste aber ein gutes Mittagessen her. Das fanden wir in Form des italienischen Restaurantes „Italiano“, wo es für wenig Geld ein hervorragendes Mittagsmenü gibt. Danach wollten wir den Sitz unserer Sonnenbrillen in einer Optikerwerkstatt etwas anpassen lassen. Keine so gute Idee: Der freundliche Optiker ist wohl mit seinem Heissluftgebläse etwas verrutscht und hat Tanja ein Glas der teuren Brille ruiniert. Leider haben wir das zu spät gemerkt. Immerhin konnte ich mir dort noch eine neue Alltagsbrille für ca. 20 Euro anfertigen lassen, die auch tatsächlich nach einem Tag fertig war und meine defekte Brille (irgendeine der sauteuren Beschichtungen hatte sich komplett abgelöst) ersetzt. Endlich wieder freie Sicht! An dieser Stelle möchte ich mal anmerken, was für eine miese Qualität man heute für einige 100 Euro beim deutschen Optiker bekommt!
Der zweite Tag in Popayan war besonders schön. Zum einen, weil Tanja Geburtstag hatte und zum anderen, da wir die Fundacion Florecer besuchten, eine Tagesstätte für geistig behinderte Kinder, in der Tanjas Schwester Yvonne für einige Monate gearbeitet hat. Finanziert wird die Einrichtung u.a. von Spenden, die in Deutschland gesammelt werden. Es ist sehr schön zu sehen, wie man sich dort um die Jungen und Mädchen kümmert, für die es hier sonst leider kaum einen Platz in der Gesellschaft gibt. Auch die Kinder haben sich sehr über den Besuch gefreut und wir haben gemeinsam gespielt und gelacht. Nachmittags war dann noch ein Besuch bei Yvonnes ehemaligen Vermieterinnen angesagt. Carmenza und Gloria leben am Rand von Popayan in einem netten Haus und wir hatten das Vergnügen, ausgiebig mit den beiden Damen Kaffee zu trinken.
Von Popayan führte uns der Weg über die Berge in Richtung San Agustin. In den Gebieten hier im Süden waren in der Vergangenheit lange Zeit die Guerilla-Organisationen aktiv. Wir haben uns deshalb immer vor Fahrtbeginn über die aktuelle Sicherheitslage informiert. Es scheint aber so, als ob sich hier in Kolumbien viel verändert hat. Die Guerilleros haben wenig bis keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung, auch nicht bei den Indigenas und den Kleinbauern. Das verwundert nicht, denn sie stehen nicht mehr für Freiheitskampf sondern sind vielmehr auch nichts anderes als organisierte Kriminelle. Das freundliche San Agustin streiften wir aber zunächst nur kurz zum Mittagessen, um dann unsere Reise weiter Richtung Norden fort zu setzen. Über Rivera und Neiva gelangten wir nach einem langen Fahrtag in die Desierto Tatacoa, eine kleine Wüste zwischen den Andenkordilleren. Hier platzierten wir uns gegenüber einer kleinen Sternenwarte auf einer Anhöhe. Da es bereits bei unserer Ankunft fast dunkel war, war der Plan, ein Lagerfeuer zu machen und den hier besonders schönen Sternenhimmel zu bewundern. Leider wurde nichts daraus. Von allen Seiten zogen Gewitter auf, die uns mit heftigen Sturmböhen dazu zwangen, das Zelt zusammen zu klappen und im Auto Schutz zu suchen.
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Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, trauten wir uns bei kräftigem Regen wieder zurück ins Zelt. Die Nachtruhe wurde dann aber leider von einem erneuten Gewitter unterbrochen, so dass wir wieder für eine Stunde ins Auto umziehen mussten. Der lehmige Boden, auf dem wir standen, hatte sich zwischenzeitlich ordentlich aufgeweicht und mit jedem Schritt wurden unsere Schuhe ein paar Kilo schwerer. Als wir dann am nächsten Morgen von der Sonne geweckt wurden, herrschte ein respektables Saunaklima und wir hatten eigentlich schon keinen Bock mehr auf diesen Ort. (Im Nachhinein haben wir erfahren, dass das der erste Regen seit 6 Monaten war) Also noch schnell die obligatorische Auto-Runde durch die Wüste und dann wieder ab nach Süden in Richtung Rivera. Der Ort ist bekannt für seine Thermalbäder und diese wollten wir aufsuchen. Beim Einkaufen in Neiva bemerkten wir dann allerdings, dass unsere Essensvorräte von einer interessanten Käferart befallen und bereits zu großen Teilen aufgegessen waren. Also war den Nachmittag über Hausputz angesagt und das Baden wurde auf den nächsten Morgen verschoben.
Das Bad „Los Angeles“, dass wir uns ausgesucht hatten, war wirklich traumhaft. Die natürliche Thermalquelle war schön eingefasst und wir konnten auch noch richtig reichhaltig zu Mittag essen, ehe es wieder Richtung Süden und nach San Agustin ging.
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Die San Agustin – Kultur erlebte Ihren Höhepunkt zwischen 200 v. Chr und 800 n. Chr. Sie ist bekannt für Ihre monumentalen Steinskulpturen, die im archäologischen Park von San Agustin und an unterschiedlichen Orten um das Städchen herum besichtigt werden können. Wirklich sehr schön. Der Campingplatz vor Ort wird von einer sehr netten Familie geführt und wir entscheiden uns, von hier aus auch noch eine Reittour zu buchen. Hoch zu Pferd ging es im zum Teil wilden Galopp 3,5 Stunden in die Berge und zu einigen versteckt liegenden Ausgrabungsstätten. Wirklich eine schöne Erfahrung.
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Morgen wird uns der Weg wieder nach Süden führen. Wir haben vor, von San Agustin aus den direkten Weg über Mocoa nach Pasto zu fahren. Eine abenteuerliche Bergstrecke die wir aber nur wählen, wenn sie in einigermassen gutem Zustand ist.

Ein Kommentar zu “Popayan, San Agustin

  1. Honi

    Hi ihr zwei,
    endlich hab ich mal wieder kurz Zeit gefunden um eure Homepage anzuschaun.
    Hoffe euch geht es gut und ihr genießt die Zeit.
    Die Bilder und die Eindrücke sind echt der Hammer.
    Macht´s gut.
    Bussi und Drücker Honi

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