Amazonas

Ecuador Amazonas 07.11. – 12.11.2013

Seit langer Zeit mal wieder ein Grenzübertritt! Es ist irgendwie immer ein komisches Gefühl den Abend vorher: Wird morgen alles gut gehen? Haben wir alle nötigen Papiere und Kopien? Werden wir uns wieder gegen Schikane und Korruption wehren müssen? Der Grenzübergang Rumichaca zwischen Kolumbien und Ecuador liegt zwischen Ipiales und Tulcan und die Gebäude sind sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite gut ausgebaut und modern. Die Ausreise ging einfach von Statten und inklusive Geldwechsel waren wir nach ca. 15 min aus Kolumbien ausgereist. Über die Brücke ging es dann zur Ecuadorianischen Immigration. Kurz die Besucherkarte ausgefüllt und 10 min in der Schlange gestanden und wir hatten unseren Stempel für 90 Tage. Dann zur Aduana, um die Einreisepapiere für den Wagen zu holen. Der nette Mann meinte, das Telefon und das Internet sind ausgefallen, wir sollen erstmal alle Kopien besorgen und dann wieder kommen. Gesagt-getan, 5 min später sind wir wieder da und natürlich geht noch immer nichts. Jetzt ist Warten angesagt und das, obwohl wir nach Lago Agrio müssen, da von dort unsere Tour in das Cuyabeno Naturschutzgebiet startet. Mit uns finden sich ein paar Leidensgenossen ein aber alles in allem wollen an diesem Morgen wohl nur 3 Leute ihr Auto nach Ecuador einführen. Hinter dem Haus werden neue Telefonleitungen gelegt und wir werden gebeten, bis 14 oder 15 Uhr zu warten. Klasse, dann wäre alles gelaufen. Wir würden es nicht mehr bis Lago Agrio schaffen und unsere Tour wäre dahin. Wir sind schon kurz davor, den Tourveranstalter anzurufen, da kommt gegen 12 Uhr die frohe Kunde, dass jetzt doch wieder alles Systeme laufen. Also schnell hin, Kopien abgeben, dem netten Herren von der Aduana bei der Computereingabe helfen und 30 min später sind wir wieder „on the road“. Jetzt geht es ab Richtung Osten. Aber welche Route ist die schnellste? Schließlich wollten wir auch in Ecuador nicht bei Nacht fahren. Wir entschieden uns nach einigen Gesprächen mit den Einheimischen für den direkten Weg entlang der Kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze. Man fährt zunächst die Panamericana Richtung Quito und biegt dann, ca. 20 km hinter Tulcán bei Julio Andrade Richtung Osten ab. Die Straße ist zunächst super asphaltiert, biegt dann allerdings an einem Militärposten auf eine Schotterstrasse ab. Da dies noch immer Guerilla-Rückzugsgebiet ist, wird jeder Wagen vom Militär registriert und untersucht. Die Herren sind sehr freundlich, wie auch schon zuvor in Kolumbien. Dann kommt der herrliche Teil. Am Südhang des Grenzflusses fällt die Strecke über gut 60 km von über 3000 m auf ca. 500 m ab. Man hat einen wunderschönen Blick ins Tal und sieht ausser den Dörfchen Santa Barbara und La Bonita vor allem eines: Urwald so weit das Auge reicht! Wir mussten aber richtig Gas geben, was zwar leider einem Huhn das Leben kostete, uns allerdings tatsächlich noch vor Einbruch der Dämmerung nach Lago Agrio gebracht hat. Dieser Ort existiert nur, weil hier im Dschungel nach Öl gebohrt wird. So gerne wir auch für 1,50 Dollar pro Gallone! tanken, so schade ist es, wie dieses Geschäft die Natur nachhaltig zerstört.

Wir beziehen unser Quartier in der nicht wirklich schönen Stadt und essen im D’Mario das „worst dinner ever“. Nach einem spannenden Tag fallen wir beide ins Bett. Der neue Tag beginnt mit damit, dass wir uns mit den anderen Touristen treffen, die auch in das Naturschutzgebiet wollen. Ausgerechnet am D’Mario ist der Treffpunkt aber das Frühstück ist zumindest besser als das Abendessen. Die Fahrer der unterschiedlichen Jungle Lodges holen eine Gruppe nach der anderen ab und wir folgen mit insgesamt 10 Leuten dem Fahrer der „Siona Lodge“. Der Kleinbus bringt uns in 1,5h weiter östlich zur Brücke am Rio Cuyabeno, wo nach einem Mittagessen die Bootsfahrt in den Dschungel des Amazonasbeckens beginnt. Nach weiteren 2 Stunden erreichen wir versteckt im Urwald unsere Lodge, die aus mehreren mit Palmblättern gedeckten Cabanas besteht. Wir beziehen unsere Zimmer und lernen unseren Guide Luis kennen, der uns in den kommenden Tagen den Urwald und seine Tier- und Pflanzenwelt näherbringen wird. Gleich am ersten Abend fahren wir mit dem Boot zur großen Lagune, baden dort und geniessen einen herrlichen Sonnenuntergang. Da die Gruppe sehr nett ist, geht der Abend gemütlich mit ein paar Bier zu Ende. Der zweite Tag beginnt mit einem „Jungle-Walk“, bei dem wir in 3 Stunden den Urwald zu Fuss erkunden. Wir lernen viel über die Heilpflanzen des Urwaldes und ihren Einsatz und können uns an einigen bizarren Kreaturen erfreuen. Gegen späteren Nachmittag fahren wir wieder auf die Lagune hinaus, um dann im Schutz der Dunkelheit nach Kaimanen Ausschau zu halten. Einige der Tiere sieht man aus der Distanz und einen Baby-Kaiman auch ganz aus der Nähe. Der dritte Tag steht im Zeichen des „Ethnic-Tourism“. Wir besuchen eine lokale Gemeinde von Indigenas, die hier im Dschungel leben. Sowohl Tanja als auch ich sind misstrauisch, was von solchen Veranstaltungen zu halten ist. Immerhin zeigt uns unser Guide Luis auch die Schattenseiten des Lebens am Rande der Zivilisation: Wenig Bildung, Armut und „fehlgeleitete“ Hilfe von aussen. Wir backen gemeinsam Yucca-Brot und besuchen zum Abschluss noch einen Schamanen, der interessant von seiner Arbeit berichtet (Er genehmigt sich zur Diagnose jeden Tag halluzinogene Drinks). Da die Gemeinde über 2 Stunden mit dem Boot von der Lodge entfernt ist, sehen wir auch auf dem Weg wieder sehr viele Tiere. Vor dem Abendessen machen wir noch eine kleine Nachtwanderung in der Nähe der Unterkunft – gruselig. Den letzten Tag beginnen wir in aller Frühe mit einer Tour zur Vogelbeobachtung. Welche Tiere wir gesehen haben, ist den Fotos zu entnehmen – für Euch Ornithologen ist das sicher kein Problem :). Auf dem Rückweg nach Lago Agrio sehen wir dann auch noch den rosa Flussdelfin, eine Besonderheit im Amazonas.

Eigentlich wollen wir noch eine Nacht in Lago Agrio bleiben. Da wir uns aber innerhalb der Gruppe so gut verstehen, beschliessen wir, Richtung Papallacta aufzubrechen und noch einen gemeinsamen Tag in den natürlichen Thermen dort zu verbringen. Nach 4 kurvenreichen Stunden kommen wir auf 3.500 m Höhe an. Wir genissen das heisse Wasser, schlafen in bequemen Betten und brechen erst am darauffolgenden Tag wieder auf in Richtung Tena, wo wir uns ins Wildwasser-Rafting stürzen wollen.

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