Lago Titicaca & Lauca NP (Chile)

(Bilder wie immer unten)
Heute kommt unser erster Bericht aus Bolivien und wir freuen uns euch wieder erzählen zu können, was wir so erlebt haben.
Die Einreise, welche am Lago Titicaca stattfand, war wirklich sehr fix. Nach knapp einer halben Stunde waren wir „abgefertigt“ und durften einreisen. Als wir dann aber durch die geöffnete Schranke fuhren, stoppte uns ein wild winkender Polizist. Er meinte, wir können doch nicht ohne seine „Genehmigung“ einfach los fahren, wir müssen doch die Polizei hier im Land respektieren etc. Wir merkten aber gleich, dass es hier wohl eher um einen Machtkampf zwischen Grenzbeamten und Polizisten
geht und versicherten dem Herrn, dass wir die Polizei natürlich ernst nehmen. Unser Einfuhrdokument fürs Auto wurde gestempelt und alle waren friedlich.
Ein paar Minuten später kamen wir im Örtchen Copacabana am Lago Titicaca an. Nach kurzer Stellplatzsuche, entschieden wir uns im Garten des Hotels „Onkel Inn“ zu campen, mit Blick auf den See.
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Hier verbrachten wir 2 gemütliche Tage. Da es hier auf knapp 4000 Meter aber ziemlich frisch ist, beschlossen wir weiter in die Yungnas zu fahren. Die Yungnas liegen auf 1.700 m und hier beginnt das Amazonastiefland. Um aber nach Coroico zu kommen, mussten wir durch La Paz fahren – puhh da werden Alpträume wahr. Und als wir dachten wir hätten es geschafft, mussten wir noch einen Kontrollposten passieren. Polizeikontrollen sind wir ja gewohnt, aber das war seit Mittelamerika mal wieder die erste richtig unangenehme. Zeigten wir doch seit Mittelamerika immer Kopien von unseren Dokumenten ohne Einwand, war jetzt der Zeitpunkt gekommen wo der Herr Polizist uns das sehr übel nahm. Da Armin ihm aber sofort sagte, dass es sich hier um eine Führerscheinkopie handelte, waren wir nicht bereit darauf einzugehen und Strafe zu zahlen. Dann ging noch ein wahrer Kontrollwahn los. Die Herren wollten Warndreieck, Feuerlöscher und Verbandskasten sehen. Kein Problem, in den Untiefen unseres Autos haben wir diese Utensilien alle und so ging es ans ausladen. Man fragt sich nur, wo haben denn die Einheimischen ihren Feuerlöscher, Warndreick und Verbandskasten? Denn auf Unfälle oder stehengebliebende Autos und LKW wird entweder gar nicht hingewiesen oder es liegen kurz vor dem Unfallort ein paar größere Steine auf der Fahrbahn. Ich erklärte den „netten“ Herren, dass wir alles geforderte gezeigt haben. Den ständigen Wortlaut, dass „Multa“ (Strafe) fällig ist, ingnorierten wir geflissentlich. Den kopierten Führerschein überliessen wir den Herren dann zwecks Andenken, haben wir doch Laminierfolie dabei um uns einen Neuen zu basteln :). Naja wir ärgerten uns nochmals kurz und weiter gind die Fahrt. In den Yungnas angekommen, stellten wir unser Auto am Hostal Sol y Luna ab, welches wunderschön oberhalb von Coroica liegt. Wir liessen uns leckeres Essen schmecken und genossen den Ausblick in den Dschungel. Am nächsten Tag war ausruhen angesagt. Leider fing es dann gegen Mittag auch an zu regnen und das hielt bis in den Nachmittag hinein an. Regen an Silvester schmeckte uns gar nicht und deshalb nutzen wir die Chance und packten unsere Sachen, als es am frühen Nachmittag aufriss. Wir wollten aber nicht auf „normalem“ Weg zurück nach La Paz, nein wir wollten die Straße des Todes, den „Camino de Muerte“ fahren.
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Früher war diese 27 km lange Schotterstrasse die einzige Straße, welche La Paz und die im Tal liegenden Städte verband. Jährlich gab es hunderte Unfalltote. Heute ist die Straße wirklich sehr gut zu befahren, da man kein Lastverkehr mehr hat und auch kaum normale PKW’s trifft. Einzig und allein trifft man Montainbikefahrer die sich hier in geführten Touren von La Paz nach unten stürzen. Einige kamen uns noch entgegen und da hier Linksverkehr für den Bergauffahrenden gilt, sprangen manche ziemlich erschrocken in den Graben – allemals besser als in den Abgrund zu fahren. Das hört sich aber alles schlimmer an als es ist. Die Strecke machte unheimlich Spass, war aber nicht wirklich gefährlich. In La Paz im unter Campern bekannten Hotel Oberland angekommen, trafen wir 2 Deutsche Pärchen, die wir bereits in Cusco kennen gelernt hatten. Im Hotel Oberland gab es ein Silvesterfondue und wir verbrachten einen sehr lustigen Silvesterabend mit gutem Essen und netter Unterhaltung. Danke Helga + Wolfgang + Helga + Thorsten – wir haben viel gelacht, tärähhh ;).
Am nächsten Tag war trotz Katers aber kein Ausruhen angesagt, denn Armin lag die meiste Zeit unterm Auto, musste er doch den Benzinfilter wechseln und den schlechten Sprit, den wir beim letzen Mal tanken in Peru an unser Auto verfüttert hatten, ablassen. Was für eine Sauerrei…
Am nächsten Tag ging es für uns schon weiter, wir hatten einen Abstecher nach Chile in den Lauca Nationalpark geplant. Bevor wir aber Kilometer machen konnten musste noch getankt werden. Kein Problem, denkt jeder der noch nichts über das Tanken in Bolivien gelesen hat. Der bolivianische Staat hat sich etwas ganz besonderes für den „Extranjero“ einfallen lassen. Der „Ausländer“ muss nämlich den 3-fachen Preis für den Sprit bezahlen. Das Alleine wäre ärgerlich aber nicht das Problem. Dieses liegt vielmehr darin, dass die Tankstellen eine gesonderte und aufwendige Art der Abrechnung für das „mehrverdiente“ Geld machen müssen und darauf oft einfach keine Lust haben. Damit kein Schmu betrieben wird, sind mittlerweile an den meisten Tankstellen Kameras installiert, da sonst der Tankbetreiber für die Touristen einen höheren (im Vorfeld auszuhandelnden) Preis verlangt, den Gewinn aber in die eigene Tasche steckt. Nun aber weiter in der Geschichte, gleich um die Ecke gibt es eine Tankstelle, die Touristen (natürlich zum Touristenpreis) Benzin verkauft. Dort angekommen gab es aber kein Sprit für uns. Warum? Tja, weil der höhere Spritpreis immer am Anfang eines Monats neu festgelegt wird und am 02.01 morgens dieser Preis noch nicht feststand. Nach viel Diskussion fuhren wir ziemlich besorgt weiter. Aber wir sind ja recht erfinderisch und so parkten unser Auto bei der nächsten Tankstelle außer Reichweite der Kamaras und fragten ganz höfflich, ob sie uns unsere Kanister füllen würden. Die Antwort war: JA – Und so waren wir eine zeitlang beschäftigt, uns die Kanister füllen zu lassen und dann ins Auto zu kippen. Das tolle daran, für zahlten 0,30 € pro Liter, das passt. Kurz vor der Grenze zu Chile wollten wir das Spielchen mit dem Kanister nochmals machen, da wir schon wieder 332 km gefahren waren. Diese Herr weigerte sich aber uns Sprit zu geben, weder auf die offizielle noch auf die unoffizielle Art. Also ging es weiter zur Grenze.

Die Grenze zwischen Bolivien und Chile ist eine der höchsten der Welt. Zunächst war undurchsichtig, was wir an welchem Grenzposten zu tun hatten. Auf der Bolivianischen Seite konnten wir nur unser Importdokument für das Auto abgeben und dann im „Niemandsland“ hinauf zur Chilenischen Seite fahren, wo auch die Bolivianische Migracion untergebracht ist. Einen Stempel später waren wir aus Bolivien ausgereist. Die Einreise nach Chile war dann im wahrsten Sinne des Wortes ein Kraftakt. Auf fast 4700 m wurden wir aufgefordert, sämtliche Kisten aus unserem Auto zu räumen und durch den (wohl brandneuen) Röntgen-Scanner zu schieben. Das sind einige Kisten! Uns war klar, dass wir keine frischen Lebensmittel nach Chile einführen dürfen und entsprechend hatten wir diesbezüglich keine Probleme. Dennoch, dieser Grenzübertritt war sehr streng und mit dem Ausstellen aller Dokumente hat das Prozedere um die 2,5 Stunden gedauert.
Etwas gestresst ging es dann direkt in den Lauca Nationalpark. Wir hatten viel über die Landschaft hier gelesen aber eine richtige Vorstellung davon, wie atemberaubend es hier aussieht, hatten wir nicht. Zwischen der weiten Pampa und den (zum Teil dampfenden) Vulkanen, suchten wir uns einen wilden, windgeschützten Platz für die Nacht.
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Atemberaubend waren dann auch die Temperaturen, die nach dem Sonnenuntergang auf über 4300 m schnell unter Null fielen. Zum Glück haben wir die guten Daunenschlafsäcke, die uns zuverlässig warmhalten. Als wir dann nachts raus müssen, eröffnet sich uns ein Ausblick auf den südlichen Sternenhimmel, den wir so schnell nicht vergessen werden. Als wir morgens von der Sonne geweckt werden, ist das Kondenswasser im Zelt komplett gefroren und auch in der Trinkflasche ist ein Eisblock!
Unsere Tour durch den Park beginnt mit der Fahrt in den netten Ort Putre, wo wir ein paar Dollar gegen Chilenische Peso wechseln und beim lokalen „Benzin-Wucherer“ 40 Liter Super zu 1,77 Euro den Liter aus Kanistern kaufen. Eine offizielle Tankstelle gibt es nicht. Frisch gestärkt nach einem Mittagessen machen wir eine kleine Rundwanderung, wo wir Vicunas, die seltenste Art der Südamerikanischen Kamele und vor allem die putzigen Bergviscachas, sehen. Diese „Hasenmäuse“ sind sprungkräftig und sehen aus wie Kaninchen mit einem langen Schwanz.
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Nach einer Rundfahrt durch den Park verbringen wir die Nacht wieder an unserem bewährten Platz mit Blick auf die Vulkane. Da es bedeckt ist, sind die Temperaturen angenehmer und wir starten am darauffolgenden Tag die Rückreise nach Bolivien. Die Ausreise aus Chile erfolgt recht reibungslos, nachdem wir an einem kilometerlangen LKW-Stau vorbeigefahren sind. Auf der Bolivianischen Seite geht es auch recht gut voran, wenn auch gewohnt umständlich. Die Fahrzeugeinfuhr erfolgt diesmal manuell, da es an dem Grenzposten kein Internet gibt. Wir sollen mit dem Papier in einen Copyshop im nahegelegenen Ort gehen, wo wir unsere Fahrzeugdaten via PC eintragen und in die offizielle Zolldatenbank hochladen lassen sollen. Im Ort ist Stromausfall und ich fühle mich schon an den Grenzübertritt nach Ecuador erinnert. Dann finden wir ein Mädchen mit Smartphone, das auch noch einen Zugang zur Zolldatenbank hat. Für 10 Bolivianos trägt sie alle Daten online ein und läd diese hoch. Wir bekommen unsere Einfuhrnummer und können uns nun im Zollgebäude das offizielle Dokument ausstellen lassen. Ein Mädchen mit Smartphone macht also den Job der Zollbeamten. Diese setzen nur noch den Stempel dazu und wir sind wieder zurück in Bolivien.
Auf dem Rückweg nach La Paz – die Stadt werden wir die nächsten Tag ansehen – schaffen wir es endlich, an einer Tankstelle ohne Kameraüberwachung unser Auto aufzutanken. Ich verhandle schlecht und wir kaufen den Sprit zum doppelten Preis der Lokalbevölkerung (die Differenz geht an den Tankwart). Mit 8 Bolivianos pro Liter kommen wir aber immernoch deutlich günstiger weg, als wenn wir den offiziellen Touri-Preis bezahlt hätten. Die schwarz verdienten ca. 18 Euro teilt sich der Tankwart augenblicklich mit dem hinzugeeilten Polizisten, der dann auch gerne über diese „Unregelmäßigkeit“ hinweg sieht. So hat jeder was davon und alle sind gut gelaunt. Zurück in unserem „Hotel Oberland“ in La Paz gehen wir erst einmal lecker essen. Bolivien ist nicht immer einfach aber die Menschen sind freundlich (mit Ausnahme einiger Polizisten) und die Landschaft wunderschön. Das Essen ist lecker und so günstig, dass zumindest wir nicht auf die Idee kommen, selber zu kochen.

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