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Adiós 2021, bienvenidos 2022!

Happy New Year

Meine Güte, ist dieses Jahr schnell vorüber gegangen! Wenn wir darüber nachdenken, was wir in den vergangenen 365 Tagen erlebt haben, wird uns fast schwindlig. Zeit also, die Gedanken wieder mit einem kleinen persönlichen Jahresrückblick zu ordnen.

Neujahr 2021 in Namibia (Januar)

Am Neujahrstag 2021 sitzen wir vor unserem Mitsubishi im Süden Namibias und genießen die Einsamkeit. Es ist noch nicht klar, ob wir zügig nach Südafrika weiter reisen können, oder ob wir unsere Einreiseerlaubnis für Namibia verlängern müssen. Kaum ist das Silvesteressen verdaut, haben wir gleich eine brenzliche Situation nahe des Fish River Canyons: Ungewöhnlich starke Regenfälle ziehen über das sonst so trockene Land und in kurzer Zeit entsteht im trockenen Bachbett neben unserem Camp ein reißender Fluß. Schon bald schießt das Wasser auch unter unserem Auto durch und mit nichts als einer Unterhose bekleidet fahre ich unseren Mitsubishi aus den Fluten auf höheres Terrain. Auch alle anderen Camper können sich in Sicherheit bringen, aber am nächsten Morgen ist von der Campsite nicht mehr viel übrig. Nach all der Wüste ist uns nach etwas Grün. Da die Grenzen zu Südafrika im Januar 2021 für einen Monat zugemacht wurden, bleiben wir drei Wochen im Amanzi River Camp von Johan und Colleen am Orange River. Hier paddeln wir und atmen durch. Wie oft auf Reisen ist auch dieser „Zwangs-Stopp“ ein Geschenk. Mit Colleen und Johan gewinnen wir zwei liebe Freunde und während der Zeit im Camp kümmern wir uns auch zum ersten Mal um unser Leben nach der großen Reise: Wir kaufen eine kleine aber feine Wohnung in Stockach, die Mitte 2022 fertig werden wird. Alle Formalitäten und die Finanzierung regeln wir mit Unterstützung von Tanjas Vater über Internet, Telefon und unser immer geöffnetes Büro in Deutschland (meine liebe Mutter). Am Ende können wir den Kaufvertrag in der deutschen Botschaft in Windhoek notariell beglaubigt unterschreiben und uns auf unser Zuhause nach der Rückkehr freuen.

Viereinhalb Monate in Südafrika (Februar – Juni)

Südafrika empfängt uns Mitte Februar mit tollen Tiersichtungen im Kgalagadi Transfrontier Park. Zum ersten Mal sind wir in einem südafrikanischen Nationalpark und müssen uns zunächst an die vielen Menschen und die umfangreiche Infrastruktur gewöhnen. Das Land hat extrem viel zu bieten und ist vielfältig, wie kein zweites. Wir wandern in den Ceder- und Drakensbergen, lassen uns an der Garden Route den Wind um die Nase wehen und besuchen neben den Addo- und Kruger-Nationalparks noch viele kleinere und größere Parks im ganzen Land. Vor der Küste KwaZulu-Natals springen wir in die Fluten und gehen zum ersten Mal Tauchen seit dem roten Meer. Wir erkunden Kapstadt und schließen hier, am Kap der guten Hoffnung, formal unsere Expedition „Stockach – Kairo – Kapstadt“ ab. Was für ein bewegender Moment. Immer wieder treffen wir nette Leute unterwegs: Colleen und Johan lassen uns bei sich in Kapstadt wohnen und Kevin und Nathalie laden uns zu einem tollen Abend in Port Alfred ein. Auch andere Reisende sind noch immer in Südafrika unterwegs, obwohl das Land in vielen Ländern noch als „Virusvariantengebiet“ eingestuft ist. Kristina und Amos mit ihrem Hilux treffen wir immer wieder zwischen Namibia und Mosambik und wir verbringen schöne Zeiten gemeinsam im Kruger-Nationalpark und an der Küste des Indischen Ozeans. Steffen und Maike starten im Dezember 2020 zu einem dreimonatigen Kurz-Sabbatical in einer Zeit, wo das Wort „Fernreise“ bei deutschen Politikern Schnappatmung auslöst. Sie werden mit einer tollen Zeit in diesem gastfreundlichen Land und mit unserer Gesellschaft belohnt ;-).

Unser Mitsubishi zeigt sich zunehmend angestrengt von Afrika. Mal läuft er gut, dann wieder schlechter mit komischen Vibrationen und Leistungsverlust, dessen Ursprung niemand findet. Als wir von Upington die lange Strecke in die Cederberge fahren, verlieren wir kräftig Öl. Der Dichtring an einer der Ausgleichswellen des Motors hat den Geist aufgegeben und um diesen zu wechseln, muss der Kühler raus und die zwei Zahnriemen ausgebaut werden. Diese werden vorsichtshalber frühzeitig ausgewechselt. Aus dem Getriebe kommen in den darauffolgenden Wochen auch komische Geräusche. Bei Ivor, einem sehr bemühten Getriebespezialisten in Port Elizabeth, werden Haupt- und Verteilergetriebe ausgebaut, geöffnet und ein defektes Hauptlager getauscht. Einen Grund für das bisweilen komische Laufverhalten finden wir hier aber auch nicht. Nach dem Kruger Nationalpark müssen wir dann auch noch zum zweiten Mal die Lichtmaschine wechseln.

Insgesamt verbringen wir viereinhalb Monate in Südafrika, da unsere Aufenthaltsgenehmigung aufgrund des „State of Emergency“ automatisch verlängert wird. Als wir dann Ende Juni nach Mosambik ausreisen, sehen die Herrschaften an der Grenze dies allerdings anders. Man wirft uns vor, dass wir vorsätzlich länger geblieben sind, als eigentlich vorgesehen. Stimmt, da wir (und alle anderen Ausländer, die vor Mitte März eingereist sind) dafür die Erlaubnis der südafrikanischen Regierung haben. Als wir dann die entsprechende „Government Gazette“ in gedruckter Form hervorholen, in der wir die relevanten Paragraphen bereits mit dem Textmarker angeleuchtet haben, dreht die Frau von der Immigration richtiggehend durch. Immerhin behält die Chefin des Immigration Office die Nerven und wir bekommen unseren Stempel für die Ausreise mit dem Zusatzvermerk „Covid 19“. Dies war die unangenehmste „Grenzerfahrung“ auf der ganzen bisherigen Reise.

Immer am Meer entlang in Mosambik (Juni – Juli)

Mosambik fühlt sich wieder wild und ursprünglich an. Wir genießen den Trubel auf den Straßen und die schönen Strände am indischen Ozean. In Tofo machen wir eine enttäuschende Walhai-Safari, da die Sicht so schlecht ist, dass wir die Tiere nur als Schatten erahnen können. Hier treffen wir Vicky und Tino aus der Schweiz und erleben gemeinsam das Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen England. Ausgerechnet in einer von Engländern geführten Bar. Über den einsamen Strand von Morrungulo fahren wir die Küste hoch ins wunderschöne Vilankulos, unserem nördlichsten Punkt an der Küste Mosambiks. Wir entschließen uns, wieder in Richtung Süden zu fahren, da die Grenzen zu Simbabwe leider noch immer nicht geöffnet wurden. Am Kosi Bay Grenzposten zu Südafrika wollen wir unser Visum für Mosambik erneuern, scheitern aber nach mehreren Anläufen und geben auf. Man möchte uns nicht länger als 30 Tage in diesem schönen Land haben. Etwas enttäuscht reisen wir wieder nach Südafrika ein und bekommen problemlos weitere 30 Tage. Mit unserem angeschlagenen Auto wollen wir nicht mehr in die abgelegen Orte Botswanas fahren, zu groß erscheint uns das Risiko einer kapitalen Panne. Aber was sollen wir tun? Wir überführen unseren Mitsubishi in einer vorerst letzten Kraftanstrengung durch das gesamte Südafrika nach Kapstadt. Es ist Mitte Juli und im südafrikanischen „Highveld“ wird es mit bis zu -8 Grad richtig unangenehm kalt. Das sind wir nicht mehr gewohnt und der Mitsubishi auch nicht. Da offensichtlich keine der Glühkerzen mehr funktioniert, ist an einen Motorstart morgens nicht zu denken. Nach tiefem Wühlen in der Ersatzteilkiste finde ich noch genau eine neue Kerze. Diese macht den Unterschied und die Maschine erwacht hustend und rauchend zum Leben.

In Stellenbosch bereiten wir dann unseren Auszug aus unserem kleinen Zuhause vor, in dem wir für zwei Jahre gelebt haben. Wir treffen hier auf Michael und Michaela mit ihrem weißen Landy und die netten Gespräche lenken uns ein wenig von dem traurigen Abschied ab. Am ersten August lagern wir den Mitsubishi auf dem Gelände der „African Overlanders“ außerhalb von Stellenbosch ein. Duncan, der Chef, wird den Wagen im kommenden Frühjahr nach Rotterdam verschiffen, von wo aus wir ihn nach unserer Rückkehr nach Europa abholen werden.

Die Safari geht weiter: Botswana und Kaokoveld mit dem Mietcamper (August – September)

Wieder dürfen wir bei Colleen und Johan in Kapstadt wohnen, bis unser Flieger nach Windhoek geht. Hier haben wir nämlich bei Stefan und Esme von „African Sun Car Hire“ einen komplett ausgestatteten Toyota Hilux mit Dachzelt gemietet. Von Windhoek geht es direkt nach Botswana, wo wir die Zentralkalahari, die Makgadikgadi- und Nxai-Pans, das Khama Rhino Sanctuary und natürlich die Moremi- und Chobe Nationalparks besuchen. Der Flug über das Okawango-Delta ist für uns ein lange erträumtes Highlight und wird endlich Wirklichkeit. Da wir noch etwas Zeit haben, schließen wir noch eine Runde durch das nördliche Namibia und das Koakoveld an. Wir freuen uns über ein Treffen mit Thomas West und Ralf Wortmann am Ausgang des Caprivi-Streifens und verabschieden uns dann in die Einsamkeit. Hier im hohen Nordwesten Namibias gefällt es uns sehr gut. Wir fahren das Marienfluss-Tal hinauf bis an die Grenze zu Angola und genießen es, dass uns Namibia noch einmal so sehr in seinen Bann zieht.

Sansibar und Abschied von Afrika (September – Oktober)

Als wir Ende September den Wagen bei Stefan abgeben, geht für uns die Ära des wirklichen „Overlandings“ zu Ende. Wir steigen in den Flieger und kommen nach einem Übernachtungs-Stopp in Addis Abeba auf Sansibar an. Die Insel im Indischen Ozean vor der Küste Tansanias ist für uns „Urlaub vom Reisen“ und auch Urlaub von Corona. Diesem globalen Thema kann man wohl nur in Tansania vollständig entgehen und es fühlt sich gut an, ungefilterte Tropenluft zu atmen. Die Bundestagswahl geht vorüber, ohne dass wir unsere Stimme abgeben können. Briefwahl ist hier in Afrika keine Option und eine digitale Alternative gibt es ja leider nicht.

Der Aufenthalt auf Sansibar ist entspannend: Wir baden viel, tauchen, machen Yoga und gehen Laufen. Tanja investiert viel Zeit in eine Online-Fortbildung, da sie ab Januar 2022 zunächst von unterwegs wieder arbeiten wird. Die Reise nach Sansibar ist aber auch eine Zäsur in unserer Reise, denn es ist der Abschied von Afrika.

Da wir kein eigenes Auto mehr dabei haben, sind wir bei der Wahl des nächsten Reiseziels frei. Früh war für uns klar, dass wir nicht im Herbst nach Europa zurückkehren möchten, denn der nächste Lockdown kommt bestimmt.

Auf nach Mittelamerika! (Oktober – Dezember)

Wir beide mögen Lateinamerika sehr und hatten die Zeit dort während unserer Panamericana-Reise intensiv genossen. Da wir nicht ständig Angst vor veränderten Einreisebestimmungen haben wollen und uns auch in den Reiseländern möglichst frei bewegen möchten, fällt unsere Wahl auf Panama, Costa Rica und Mexiko. Wir fliegen von Sansibar über Katar und Madrid nach Panama, wo wir die Inselwelt von Bocas del Toro besuchen und Tanja und Aris kennenlernen, mit denen wir einige Zeit gemeinsam reisen. Auf dem Landweg geht es nach Costa Rica, wo wir uns innerhalb von sechs Wochen all die wunderbaren Naturschauspiele ansehen, die wir bei unserem letzten Aufenthalt nicht besuchen konnten. Anfang Dezember bringt uns dann der Flieger auf die Baja California / Mexiko. Zum zweiten Mal versuchen wir die Walhaie zu sehen und haben endlich Glück: Wir können zweimal mit den friedlichen Riesen schnorcheln. Es gefällt uns gut in Mexiko. Die Menschen sind freundlich, das Essen super lecker und das Klima jetzt im Winter ist sehr angenehm. Weihnachten und Neujahr verbringen wir in Puerto Escondido an der Pazifikküste. Jetzt beginnt der letzte Abschnitt unserer Reise, Tanja arbeitet halbtags ab Januar und Mitte März geht der Flieger dann zurück nach Deutschland. Hoffentlich kommen wir in ein Land zurück, das unsere auf Reisen gesammelte Wärme und Zuversicht erwidert. Alles andere würde uns wirklich traurig machen.

Wir wünschen euch allen ein glückliches und gesundes neues Jahr 2022. Danke, dass ihr so treue Leser seid!

Herzliche Grüße, Armin und Tanja

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8 comments

  1. Hallo Ihr Beide,
    wie immer sehr schön geschrieben.
    Wir wünschen Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2022, bleibt gesund und kommt wieder gut an in Deutschland.

    Liebe Grüße Ulrika und Heinz

    1. Hallo Ihr Zwei, vielen Dank für die guten Wünsche und danke, dass ihr so treue Leser unseres Blogs seid! Wir wünschen euch auch ein gutes neues Jahr 2022 mit viel Gesundheit, Glück und Zufriedenheit. Lieber Grüße, Armin und Tanja

  2. Guten Morgen ihr beiden ☺️, mit dem was ihr in diesem Jahr erlebt habt könnte man einen Abenteuerroman füllen. Nur wenige Menschen können auf so viele tiefe bewegende, spannende, erfüllende und unvergessliche Naturschauspiele zurückblicken… und ich freue mich riesig, dass ich Euch nächstes Jahr in den letzten Wochen eurer Reise begleiten darf.
    Fühlt euch umarmt und herzliche Grüße aus der kalten, nassen und dauergrauen Heimat ✨❤️

    1. Hallo liebe Susanne, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Wir freuen uns schon sehr, dich in den kommenden Wochen bei uns zu haben. Soviel sei verraten: Wir haben schon eine tolle Route durch Mexiko geplant und du wirst Sonne und Meer voll genießen können. Happy New Year, Armin und Tanja

  3. Hallo ihr beiden,
    das ist wie immer ein sehr interessanter, gut geschriebener Bericht. Ich bin hin und her gerissen, zwischen ( ein bisschen Neid ) und viel Freude für euch. Es ist gigantisch was ihr in diesem Jahr erlebt habt. Die meisten Menschen können das über ihr ganzes Leben lang nicht annähernd sehen.
    Wünsche euch für die finalen Monate weiterhin schöne Abenteuer.
    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang, 2021 war ein unglaubliches Abenteuer und wir haben so viel erlebt! 2022 wird auch wieder spannend, wenn auch auf andere Weise. Dir wünschen wir von Herzen alles Gute für 2022. Irgendetwas sagt mir, dass dein neues Jahr auch spannend wird. Liebe Grüße, Armin und Tanja

  4. Hallo Armin und Tanja,

    das ist wirklich etwas tolles, was ihr da in den letzten 2 Jahren erlebt habt. Bin richtig neidisch. Geniesst die noch verbleibende Zeit bevor der „Alltag“ euch sicher bald wieder voll im Griff hat.

    Happy New Year und weiterhin alles Gute

    Udo

    1. Hallo Udo, vielen Dank für deinen lieben Kommentar und die guten Wünsche. Wir haben wirklich unendlich viel erlebt. Aber das Leben ist immer spannend und wenn wir Mitte März nach Hause kommen, beginnt wieder ein neuer Abschnitt. Happy New Year und alles Gute, Armin und Tanja

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