AfrikaÄthiopienReisenWorldtrip 2019

Äthiopien: Wunderschöne Landschaften und Grenzerfahrungen

Äthiopien Awash Falls

Helau! Helau! Ja sind denn hier alle schon im Dezember jeck? Aber anders, als der Ausruf vieler Kinder und Jugendlicher vermuten lassen würde, werfen die Jecken hier nicht mit Kamelle sonder im Gegenteil, sie wollen „Money“, „Pen“, „Candy“ oder „Football“ von uns. Wenn dann plötzlich eine Gruppe Kids vorbei läuft, die Mädels mit Armin das typische Begrüßungsritual durchführt (Schulterbump rechts) und mir einfach einen Kuss auf die Backe drücken, sieht die Welt schon wieder anders aus. Verrückte Welt in Äthiopien :-).

Route

Unsere Route führte uns von Gondar an den Tana-See. Von dort fuhren wir auf dem „Chinese Highway“, Highway deshalb, weil man sich auf einer Höhe von 2.500 – 3.200 Metern Höhe befindet, nach Lalibela. Die nächste Wegstrecke führte in die nette Stadt Dessie, die als Zwischenstopp ideal ist. Tolle Ausblicke kann man auf der Fahrt von Dessi bis nach Mille genießen. Im Lower Valley des Awash Rivers geht es dann südlich bis in den Awash Nationalpark. Diese Gegend ist gänzlich ärmer und man hat bei der Durchfahrt auch kein gutes Gefühl. Hier flog dann auch mal eine Plastikflasche an unser Auto, mit lautem Fluchen untermalt. Vom Awash NP ging der Weg für uns in die Hauptstadt Addis Abeba. Leider fuhren wir diese zwar in unserem Auto, aber auf dem Rücken eines Abschleppwagens, was eine sehr emotionale Angelegenheit war. Von Addis ging es dann über den Lake Langano in Richtung Moyale, wo wir die Grenze nach Kenia überquerten.

Insgesamt sind wir 2385 km gefahren.

Overlanding in Äthiopien

„Youyouyou…give me money“ verfolgt den Overlander durch Äthiopien und auch wenn es immer wieder herzlich winkende Kinder am Straßenrand gibt und nette Begegnung, bleibt trotzdem ein gewisser Beigeschmack zurück. Wir Ferenchi, die weißen Ausländer, sind Geldkühe mit prallem Euter, die ordentlich abgemolken werden müssen. Das passiert im Kleinen (Gemüsekauf und Tuk-Tuk-Fahrt in Gondar) oder im Großen (Eintritte, zum Beispiel in Lalibela) und man hat das Gefühl, immer auf der Hut sein zu müssen, um nicht betrogen zu werden.

ABER und das schreibe ich extra groß, haben wir auch große Gastfreundschaft und Hilfe in Äthiopien erfahren und gerade diese Menschen finden es überhaupt nicht gut, was für eine Bettelkultur sich hier verfestigt hat und mit welcher Aggressivität man sich den erkennbaren Touristen nähert. Das problematischste an der Sache: Bringen die Kids beim Betteln Geld nach Hause, werden sie nicht mehr in die Schule geschickt. Auch sieht man gerade in den ländlichen Gegenden viele Kinder, die mit dem Vieh umherwandern und eben nicht die Schulbank drücken.

Das ist auch Äthiopien: Wunderbare Bergstraßen, die einen nicht selten auf über 3000 Meter hinauf tragen und die vielen Menschen, die einem mit Interesse und Respekt begegnen. Gerade in den weniger touristisch erschlossenen Regionen und Städten sind die Menschen freundlich und hilfsbereit. Das trifft auch oder gerade auf die Landesteile zu, die muslimisch geprägt sind. Ein gutes Beispiel ist die sympathische Stadt Dessie, eigentlich nur ein Übernachtungsstopp: Wir besuchten diverse Läden und Restaurants und immer wurden wir nett und hilfsbereit behandelt. Es gab kein Starren, Betteln oder Betrugsversuch. Stattdessen nette Gespräche und gemeinsames Essen.

In Äthiopien gibt es leider keine ausgeprägte Camping-Kultur und man muss gegebenenfalls öfter als angenehm in irgendwelchen Motel-Innenhöfen übernachten. Entsprechend sinnvoll ist es, etwas mehr Zeit in die Routenplanung zu investieren, um an schönen Orten übernachten zu können. Denn eines ist leider auch klar: Es ist schwierig bis unmöglich, in dem dicht besiedelten Land frei zu stehen.

Auch ist es ratsam, sich die geplante Wegstrecke im Hinblick auf Straßenqualität, Sicherheitszustand und Topografie vor dem Losfahren anzuschauen. Man ist auch mal für 250 km acht Stunden lang unterwegs. Die Straße teilt man sich nämlich mit Menschen, Eselgespannen, Ziegen, Kühen, Kamelen und Affen. Und nicht jeder Verkehrsteilnehmer springt erschrocken beiseite wenn sich ein Fahrzeug nähert oder vorbeifahren möchte.

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten

Gondar

Der Gemp – kaiserliches Palastareal

Das Areal des Gemp ist 7 Hektar groß und liegt im Zentrum von Gondar. In diesem Areal wurden im 17. und 18. Jahrhundert diverse Paläste von den jeweilig amtierenden Äthiopischen Kaisern gebaut. Viele dieser Bauwerke sind heute Ruinen, die in einer schönen grünen Parkanlage liegen. Es lohnt sich, mit einem Reiseführer bewaffnet durch das Gelände zu schlendern und sich in die alte Zeit zurück zu versetzen. Ein Teil der Gebäude wurde 1942 im zweiten Weltkrieg durch britische Fliegerbomben beschädigt, als man die italienische Besatzungsmacht vertreiben wollte. Was später dann auch gelang.

Eintritt: 200 Bir pro Person (ca. 5,80 €)

Bad des Fasilidas

Kaiser Fasilidas lies sich einige Kilometer vom Gemp-Areal entfernt ein kleines Wasserschloss errichten, welches als „Sommerresidenz“ genutzt wurde. Das auf steinernen Stützpfeilern errichtete Gebäude steht in einem Becken, welches mit Wasser gefüllt werden kann. Die Legende besagt, das der Kaiser gerne von seinem Balkon aus in das kühle Wasser gesprungen ist. Das Becken ist heute meistens leer, es wird nur zum äthiopischen Tauffest am 19. Januar mit Wasser gefüllt.

Auch dieses urige Gebäude liegt in einer kleinen Parkanlage, die Mauern sind mit den Wurzeln uralter Bäume bewachsen. Ein mystischer und schöner Ort.

Eintritt: Inklusive beim Erwerb des Gemp-Eintrittstickets. Es empfiehlt sich, ein Tuk-Tuk (wird hier Bajaj genannt, nach dem weltgrößten Hersteller von Tuk-Tuks aus Indien) zu nehmen, ca. 10-20 Bir pro Person.

Kirche Debre Beran Selassie

Ein Wort vorweg an alle Frauen und sexuell aktiven Paare: Wer menstruiert oder am gleichen oder vorangegangenen Tag Sex hatte, der kommt hier nicht rein! Zum Glück wird das aber nicht kontrolliert ;-). Außerdem dürfen Frauen nur den Nebeneingang benutzen, niemals den Haupteingang. Jeder darf sich selber überlegen, welches Frauenbild dieser „Richtlinie“ zugrunde liegt und ganz ehrlich, auch wenn man nur zu Gast ist, muss man so was nicht gut finden.

Äthiopien Gondar Aushang
Äthiopien Gondar Aushang

Die längliche, recht kleine Kirche ist aufgrund ihrer herrlichen Malereien wirklich einen Besuch wert. Sie wurde 1896 eingeweiht, nachdem der runde Vorgängerbau zerstört wurde. Die Malereien zeigen Motive, die auch in vielen katholischen oder orthodoxen Kirchen in anderen Teilen der Welt gezeigt werden. Im Mittelpunkt steht die Geschichte Jesu, es werden aber auch die Schicksale einiger Heiliger gezeigt. Spannend ist die Art der Malerei, die sich deutlich von den in Europa bekannten Stilrichtungen unterscheidet.

Etwas befremdlich war, dass in der recht kleinen Kirche ein Mönch saß, der Tanja ununterbrochen angestarrt hat, bis er nach ca. einer halben Stunden eingeschlafen ist.

Eintritt: 200 Bir pro Person (ca. 5,80 €)

Lake Tana

Der Tana-See ist ziemlich groß und bekannt als Quelle des blauen Nil. Ebenso lockt er wegen seiner Ortschaften mit historischen Kirchen und im Süden mit seiner Nähe zu den „Blue Nile Falls“.

Wir verbrachten einige Zeit im Norden des Tana See, in Tim and Kim‘s Village. Diese Oase der Ruhe hat nun (Dez. 2019) wieder geöffnet und wird von Kim und Ihrem Mann liebevoll betrieben. Es lohnt sich, nach oder vor dem Grenzübertritt hier ein paar Tage die Füße hoch zu legen. Wir taten dies gerne, wenn auch nicht ganz freiwillig: Ich (Armin) hatte mir in Ägypten eine üble Darminfektion zugezogen, die nach nunmehr vier Wochen noch immer nicht weg ist und bisweilen mit Fieber wieder aufflammt. Reisen ist nicht immer eitel Sonnenschein, das sollten wir in den nächsten Tage auch noch schmerzhafter zu spüren bekommen.

Lalibela

Die Stadt Lalibela liegt auf ca. 2500 Metern und ist weltbekannt für seine monolithischen Kirchen, die in die rote Basaltlava gehauen wurden. Mit dem Bau der Kirchen wurde während der Regentschaft Gebra Maskal Lalibelas (12. / 13. Jahrhundert) begonnen. Der Erzählung nach war König Lalibela zuvor für 13 Jahre in das heilige Land gereist. Nach seiner Rückkehr begann er mit dem Bau der Kirchen, unterstützt von Engeln (und zehntausenden von Arbeitern). Die Stadt Lalibela heißt deshalb auch Neu-Jerusalem und ist ein wichtiger Wallfahrtsort für alle äthiopisch-orthodoxen Christen. Insbesondere zur orthodoxen Weihnacht (07. Januar 2020) werden hunderttausende Pilger in der Stadt erwartet.

Die elf Kirchen in Lalibela sind wirklich sehr sehenswert und ein echtes „Muss“ bei einer Reise nach Äthiopien.

Eintritt: 50 US-Dollar pro Person und obligatorischer Guide (ca. 30 US-Dollar). Tickets und Guide können z.B. direkt über das Tukul Village Hotel organisiert werden, in dem auch Camping möglich ist. Das Ticket ist fünf Tage lang gültig und man braucht nur für den ersten Tag einen Guide.

Fahrt von Lalibela über Dessie nach Awash

Für diese Strecke benötigt man zwei Fahrtage. Die erste Etappe führt auf Piste von Lalibela weg Richtung Dilb. Diese schöne Route schlängelt sich durch ländliche Regionen und trifft in Dilb wieder auf den Asphalt. Über Weldiya geht es auf die Nationalstraße 2 und durch bergiges Gebiet, bisweilen über 3200 Meter, weiter südwärts bis nach Dessie. Diese Stadt bietet sich an, um die Vorräte aufzufüllen und einen Übernachtungsstopp einzulegen. Wenn man dann früh morgens startet, kann man in einem Tag von Dessie über Kombolcha Richtung Mille fahren und von dort weiter auf der Nationalstraße 1 über Gewane Richtung Awash Nationalpark. Zwischen Kombolcha und Mille verlässt man das Hochland und fährt hinab in die Ebenen der Danakil. Man kommt auf Asphalt gut voran, auch wenn hier viel LKW-Verkehr stattfindet. Die Menschen sind offensichtlich recht arm in dieser Gegend und es kommt immer wieder zu Spannungen. Beim Tanken in Awash sagte der Tankwart: „No peace in Ethiopia“ – er sah nicht besonders optimistisch aus.

Awash National Park

Doho Lodge und heiße Quellen

Die Doho Lodge wurde 2015 gebaut und ist derzeit nur mit einem stabilen Auto zu erreichen, da die Piste zur Lodge nicht ganz einfach zu befahren ist. Dort angekommen, kann man zur Entspannung gleich mal in einen der Hotpools springen. Die Filwoha Quellen werden durch den Fantale Vulkan erwärmt und während man genüsslich im 40 Grad warmen Wasser planscht, schaut man auf den Awash-Fluss. Einfach herrlich.

Abends haben wir dann noch den Manager der Lodge (ihm gehört auch die Awash Falls Lodge) kennengelernt. Wir haben sehr freundliche Gespräche geführt und wurden abends, zu der für in Äthiopien bekannten Kaffee-Zeremonie, eingeladen. Diese wird später nochmals genau erklärt.

Wir haben für die Übernachtung 15 US-Dollar gezahlt, Hotpools inklusive.

Awash Falls Lodge

Die Awash Falls Lodge liegt im Awash National Park. Um zur Lodge zu kommen, muss Parkreintritt von 100 Birr (ca. 2,90 €) pro Person gezahlt werden.

Die Lodge liegt, wie der Name schon sagt, direkt an den Awash Falls.

Das wohlverdiente Feierabendbier nimmt man mit Blick auf die Wasserfälle ein, um einen herum springen Äffchen und im Wasser schnappen die Krokodile nach Fischen. Oh ja, wir sind in Afrika angekommen.

Preis pro Nacht ist 15 US-Dollar ohne Nutzen der Sanitäranlagen, 20 US-Dollar inklusive.

Lake Langano

Südlich von Addis führt der Expressway, eine von China gebaute 6-spurige Mautstraße, Richtung Adama. In Mojo fährt man von dort auf einer dicht befahrenen Straße weiter südlich Richtung Lake Langano. Insbesondere für diese Strecke sollte man entsprechend Zeit einplanen, da man nur langsam voran kommt. Die Region, in der der See liegt, ist vulkanisch aktiv. Der See selber hat einen hohen Sodagehalt, was dazu führt, dass keine Bilharziose-Gefahr besteht. Das Wasser ist rötlich-bräunlich und sieht auf den ersten Blick nicht sehr einladend aus. Man kann aber herrlich baden, das Wasser ist sehr weich und fühlt sich etwas seifig an. Angeblich ist es sehr gut zu Haut und Haaren und auch wir haben es sehr genossen, in die Fluten zu springen.

Übernachtet haben wir auf einem ganz einfachen, lokal geführten Campingplatz. Duschen gibt es nicht (der See ist ja da) aber eine long-drop Toilette. Ausgeschildert ist der Platz nicht richtig, man folgt dem Wegweiser zur „Africa Vacation Lodge“ und fährt vor deren Eingang rechts weiter. Genauer Standort siehe Route.

Am Lake Langano verbrachten wir einen schönen Silvesterabend mit unseren Reisefreunden Didi und Dani (www.dieda-unterwegs.net) und einer netten italienischen Reisegruppe. Vielen Dank für den schönen Abend nach der stressigen Zeit in Addis.

Motorschaden und Reparatur in Addis Abeba

Direkt nachdem wir den Awash Nationalpark verlassen hatten und uns aufmachen wollten Richtung Süden, begann unser Fahrzeugdrama. Wenn man eine lange Reise mit dem Auto macht, überprüft man jeden Tag vor dem Abfahren die Öl- und Kühlwasserstand und macht eine kleine Sichtprüfung im Motorraum. Morgens war alles ok gewesen. Zwei Stunden später nichts mehr.

1. Akt: Liegenbleiben hinter Awash

Dann, auf der vielbefahrenen Straße zwischen Awash und Adama, waren aus dem Motor „Klackergeräusche“ zu vernehmen. Sofort „Alarmstimmung“ im Auto und rechts ran gefahren. Zu sehen war natürlich nichts, ich habe zuerst auf einen Schaden im Zylinderkopf getippt und noch schnell einen „Busch-Ölwechsel“ gemacht, wohl wissend, dass dies die Misere nicht viel besser machen wird. Freundlicherweise hielt Liben Chane, ein lokaler Tour-Operator, mit seinem Landcruiser bei uns an und wir tauschten Telefonnummern aus, falls wir nicht mehr weiter kommen.

Wir hatten uns zwischenzeitlich entschieden, ins 180 km entfernte Addis Abeba zu fahren, um das Auto reparieren zu lassen. Tatsächlich sollten wir nur ca. 10 km weiter kommen: Die Geräusche wurden wieder schlimmer und an einer Steigung fuhr ich von der Straße runter und so wie der Wagen nur noch im Standgas war, ging der Motor fest. Ende der Fahrt.

Ich konnte Liben telefonisch erreichen und nach einigen Telefonaten organisierte er für uns einen Abschleppwagen aus Addis Abeba. Dieser würde 3-4 Stunden unterwegs sein, bis er uns aufladen und in die Hauptstadt bringen könnte. Wir warteten also am Straßenrand, wimmelten aufdringliche Polizisten ab, die auch noch Geld für unsere Sicherheit wollten (was sie nicht bekamen) und warteten mit blank liegenden Nerven. Gegen 16:30 Uhr (5 Stunden später) kam der Abschleppwagen. Wir wurden huckepack genommen und langsam ging es Richtung Addis, die Hauptstadt, die wir eigentlich gar nicht besuchen wollten. Gegen 19:30 Uhr wurden wir abgeladen in Yosephs Garage, wo wir freundlich willkommen geheißen wurden und auch im Auto schlafen konnten. Erschöpft und voller Sorge fielen wir ins Bett.

Akt 2: Gastfreundschaft und Fehlersuche

Yosephs Werkstatt liegt im Innenhof eines „Compounds“, der sich aus zwei Wohnhäusern, der Werkstatt und einigen Parkplätzen für die fahrenden und zu reparierenden Fahrzeuge zusammensetzt. Neben zwei Familien leben hier auch noch zwei Hausmädchen und nachts schläft ein „Nachtwächter“ hier, der sonst keine Bleibe hat. Yoseph und seine Familie sind ein gutes Beispiel für eine Mittelschicht, die verzweifelt gegen den sozialen Abstieg kämpft. Seit Monaten gibt es kein fließendes Wasser mehr und die Stromversorgung ist so unterdimensioniert, dass nur noch 140 von 220 Volt an den Steckdosen ankommen. Größere Elektrogeräte wie Trennschleifer oder Kompressor können nicht mehr betrieben werden. Dennoch sind alle sehr gastfreundlich, wir können im Compound in unserem Camper wohnen und häufig nehmen wir an den Mahlzeiten und den Kaffeezeremonien teil. Ohne diesen sozialen Anschluss wäre wohl vor allem Tanja fast verrückt geworden.

Yoseph, sein Mechaniker Fukru und ich gingen sofort an die Fehlersuche. Nach und nach wurde untersucht, welche Teile noch gangbar sind und wo die Blockade liegt. Leider wurde schnell klar, dass das Problem tief im Motorblock liegt, der Zylinderkopf mit dem Ventiltrieb war unauffällig. Zylinderkopf und Motorblock wurden getrennt und der Motor mit Hilfe eines mechanischen Flaschenzugs und der Kraft von 4 Männern aus dem Fahrzeug gewuchtet. Danach wurde das Aggregat komplett zerlegt und der Fehler gefunden: Defektes Pleuellager am ersten Zylinder. Die Lagerschalen hatten sich aufgelöst, das Pleuel war an der Kurbelwelle fest gefressen. Es war Heiligabend. Wir hätten uns nicht mieser fühlen können.

Akt 3: Ersatzteilbeschaffung und chinesische Werkzeugmaschinen

Nachdem der Fehler gefunden war, ging es um die Behebung. Der leere Motorblock und die Kurbelwelle wurden mit Waschbenzin und Hochdruckreiniger in einer Autowasch-Station an der Ecke gereinigt. Für uns Europäer unglaublich. Danach ging es mit der Kurbelwelle und dem angefressenen Pleuel zum befreundeten „Machine-Shop“. Hier stapelten sich bereits die Motorteile. Auf italienischen Honmaschinen aus den Fünfzigerjahren wurden Zylinder-Laufbuchsen frisch gemacht und mit einer chinesischen CNC-Drehbank wurden Kurbelwellen bearbeitet. So auch unsere. Die Maschine war unter den Spänen kaum zu sehen.

Abends hatten wir dann die Teile wieder und sogar Übermaß-Lagerschalen für die Pleuellager und neue Schalen für die Kurbelwellen-Hauptlager waren in Addis aufzutreiben. Viel teurer als daheim, aber immerhin. Hoffnung keimte auf.

Akt 4: Motormontage

Auf dem guten alten Stahltisch mit Karton-Unterlage montierten wir dann den Rumpfmotor wieder zusammen. Ich konzentrierte mich darauf, das Montagehandbuch zu zitieren, auf Sauberkeit zu achten und den allzu brutalen Einsatz des Hammers zu verhindern. Tatsächlich passten die überarbeiteten Teile zusammen. Alles hatte das benötigte Spiel und Yoseph zauberte sogar einen guten Drehmomentschlüssel hervor, der besser als mein günstiges Amazon-Model war. Es wurden die Ölpumpe und andere Anbauteile montiert und der Motor wieder mit vier Männern in den Wagen gehoben. Danach ging es daran, den Zylinderkopf zu montieren. Zum Glück hatte ich einen kompletten Motor-Dichtungssatz und neue Zylinderkopfschrauben von Zuhause mitgebracht. Das Aufsetzen des Kopfes erfolgte wieder sehr robust und ich hatte alle Hände voll zu tun, um Schmutz von der empfindlichen Dichtfläche fern zu halten und die Teile zueinander auszurichten. Dann wurden die Schrauben in drei Etappen in der geforderten Reihenfolge mit dem geforderten Drehmoment angezogen. Ich fürchte (heute, eine gute Woche und 1600 km später) die Kopfdichtung hält nicht richtig dicht, denn es blubbert im Kühler. Die Zylinderkopfdichtung ist leider ein kritisches Teil beim 4D56 Mitsubishi-Diesel.

Akt 5: Timing und Erstlauf

Die Zahnriemen wurden eingezogen und gespannt, was nicht ganz problemlos und konfliktfrei war. Ich denke aber zum Schluss hat alles gepasst. Nach der Montage der Nebenaggregate und der Einspritzpumpe wurden Flüssigkeiten aufgefüllt und der Erstlauf stand bevor. Erleichterung: Der Anlasser dreht den Motor sauber durch und nach ein paar Umdrehungen beginnt die Maschine zu laufen. Zunächst etwas holprig, dann immer runder. Hurra, er läuft wieder! Allerdings tropfte noch ziemlich viel Öl, was aber am nächsten Tag behoben werden konnte.

Akt 6: Probefahrt und Abschluss

Eine ordentlich lange Probefahrt stand bevor, schließlich musste getestet werden, ob die Reparatur auch dauerhaft hält. Nach 70 km in und um das in 2.300 Meter Höher gelegene Addis Abeba war soweit alles unauffällig. Auch bei Yoseph fiel eine große Anstrengung ab und kurz vor Zuhause mussten wir uns unbedingt jeweils zwei frisch Gezapfte gönnen. Hatte ich erwähnt, dass Äthiopien eine vorbildliche Bierkultur hat?

Akt 7: Abschied

Nach sieben Nächten und sechs vollen Arbeitstagen konnten wir Yosephs Werkstatt wieder verlassen, die viel mehr für uns war als nur ein „Arbeitsraum“. Wir lebten hier gemeinsam mit der Familie und den Hausmädchen und konnten miterleben, wie schwierig das echte Leben hier in Äthiopien ist. Es wird von der Hand in den Mund gelebt. Wenn Geld rein kommt (wie durch unseren Zwischenfall), wird es ausgegeben für die Schulbildung der Kinder, das schmale Gehalt der Angestellten oder Auto- und Werkstattinvestitionen. Nichts kann abschließend repariert oder neu gekauft werden – es ist einfach kein Erspartes da. Dennoch gehen die Menschen in der Regel positiv durchs Leben. Nur wenn man etwas tiefer bohrt merkt man, dass die Hoffnung sehr dünn ist: „We are living here in misery and there is not much hope for change“.

Wir sind dankbar und es hat uns tief berührt, am Alltag von Yosephs Familie teilnehmen zu können. Wir haben viele Themen angesprochen, unter anderem auch die aktuellen groß angelegten Investitionen Chinas in Ostafrika. Aber das ist eine eigene Geschichte moderner Kolonialisierung.

Kurzer Nachtrag: Einige hundert Kilometer hinter Addis brach eine wohl vorgeschädigte Kühlwasserverbindung, was zu einem schnellen und vollständigen Kühlwasserverlust führte. Zum Glück habe ich den Fehler zügig bemerkt. Das Leck konnte vor Ort in einer einstündigen OP mit 20 Zuschauern am Straßenrand geschlossen werden. Ich hoffe der Zylinderkopf und seine Dichtung haben durch die kurzzeitige Hitzeeinwirkung keinen Schaden genommen.

Essen & Trinken

Injera

Mein absolutes Lieblingsgericht ist Injera. Es handelt sich um einen Sauerteigfladen auf einer runden Tonplatte mit vielen Leckereien drauf. Wir hatten immer die vegetarische Variante gewählt. Folgende Köstlichkeiten waren auf der Platte zu finden:

  • rote Linsen
  • gelbe Linsen
  • Kichererbsenpüree
  • gekochte Rote Beete
  • Kartoffelpüree
  • Reis
  • Spinat
  • Kartoffelstücke

Die meisten Zutaten sind dann auch etwas scharf gewürzt.

Man nimmt dann ein Stückchen Sauerteigfladen in die Hand und greift damit die Leckereien direkt auf und ab in den Mund. Mmhhh

Äthiopien Injera
Äthiopien Injera

Kaffee-Zeremonie

Die Kaffee-Zeremonie wird an einem speziellen Ort durchgeführt, meist handelt es sich um einen kleinen Schrein oder ein kleines Hüttchen. Der Boden wird mit langen Grashalmen ausgekleidet. Die Zeremonie-Meisterin trägt traditionelle Kleidung, passend zu der Wichtigkeit der Zeremonie. Nun gibt es kleines offenes Feuer um Holzkohle zu erhitzen. In einer Pfanne werden nun über der Holzkohle die Kaffeebohnen geröstet. Damit die Bohnen nicht anbrennen wird die Pfanne immer hin und her bewegt. Dadurch löst sich dann die Schale langsam von den Bohnen ab und die Röstaromen entfalten sich. Sind die Bohnen schwarz angeröstet, werden diese in einem Mörser zerstoßen, was Kraft und Ausdauer erfordert.

In der Zwischenzeit wurde in einer Kanne aus Ton (Jebena) Wasser erhitzt. Nun wird das gemahlene Kaffeepulver sorgsam eingerührt. Die gemahlene Bohnen werden aufgekocht und 2 – 3 Mal in ein anderes Gefäß gegossen und dann wieder in die Tonkanne zurück geleert. Der Geschmack der Bohne soll sich so besser entfalten. Die Kanne darf nicht überkochen, das gilt als Omen für schlechten Kaffee. Nun wird jedem Gast das köstliche Gebräu schwungvoll eingeschenkt. Die Äthiopier mischen noch kräftig Zucker rein, niemals Milch.

Zum Kaffee wird dann Popcorn serviert und es wird für Weihrauchduft gesorgt.

Jetzt heißt es GENIESSEN!

Die Mönche dürfen keinen Kaffee trinken, da sie nicht zu Klatsch und Tratsch verleitet werden sollen.

Leckere Biersorten

  • Dashen Bier aus der Gegend von Gondar, unser Favorit
  • St. George Bier aus Addis
  • Habesha Bier aus Addis, international bekannt
Äthiopien Bier
Äthiopien Bier

Empfohlene Restaurants

Four Sisters in Gondar

Dieses Restaurant in Gondar hat super leckere Injera. Obwohl es das sicherlich ein recht touristisches Restaurant ist, haben wir uns sehr wohl gefühlt. Und preislich liegen die Speisen immer noch im Rahmen.

Trattoria Gusto in Addis Abeba

In diesem Restaurant haben wir unser Weihnachtsessen nachgeholt. Es gab leckeren Caprese-Salat, tolle Pizza und dazu ein paar Bier. Ein ziemlich westliches Plätzchen aber es tat gut, auch mal unter Expats (meistens von irgendwelchen NGOs) zu sitzen und sich zu entspannen.

Unsere schönsten Übernachtungsplätze

Tim und Kim‘s Village am Tana-See

Diese Oase der Ruhe liegt ca. 1,5 Stunden Autofahrt von Gondar entfernt. Mittlerweile ist die Straße bis auf den letzten Kilometer geteert und die Anreise ein schnelles Kinderspiel.

Das ‚Village‘ existiert seit 12 Jahren und wird von Kim und ihrem äthiopischen Mann mit Herzblut betrieben. Alles ist top gepflegt und die Campingplätze unter einem riesigen alten Baum mit Blick auf den Tana-See sind herrlich. Hier sollte man auf jeden Fall einen Stopp vor oder nach dem Grenzübertritt zum Sudan einlegen.

Doho Lodge im Awash NP

Sehr schöne, einfache Lodge, in der auch gecampt werden kann. Inklusive ist der Besuch der heißen Quellen, die hier in unterschiedlichen Bädern eingefasst sind. Wunderbar zur Entspannung.

International Camping Lake Langano

Nicht ausgeschildert, handelt es sich hier bei um einen ganz einfachen, lokal geführten Campingplatz direkt am See. Man kann hier für 300 Bir stehen und eine ruhige Zeit am See genießen, der trotz der Farbe zum Baden einlädt.

Grenzübertritt

Visum

Die Visa für Äthiopien hatten wir uns schon in Kairo besorgt. Gültigkeit unserer Visa war 90 Tage und wir hatten 60 USD pro Visum bezahlt. Hier könnt ihr genau lesen, wie es funktioniert hat. Wir wissen von anderen Reisenden, dass auch in Khartum das Visum problemlos besorgt werden kann.

Einreise

Die Einreise über die Landgrenze Metema verlief sehr gesittet. Wir fanden auf Anhieb das Gebäude für die Immigration und waren ruck-zuck eingereist. Dann ging es mit dem Carnet de Passage zum Customs Gebäude. Der Prozess, bis alle Daten im PC waren und das Carnet abgestempelt war, dauerte dann etwa eine Stunde. Dann kam noch der Auto-Check. Leider zog der Herr gerne auch die Schuhe aus und wühlte einige Minuten in unserem Auto und öffnete fast alle möglichen Klappen. Letztendlich war dann aber alles ok und wir konnten den Border Post hinter uns lassen.

Wie wechselhaft aber auch hier die Lage sein kann, zeigte sich eine knappe Woche später: Nach Ärger in der Grenzregion, war die Grenze erst einmal zu. Meistens dauert so etwas nicht lange, ärgerlich ist es dennoch. Äthiopische Milizen haben wohl ein paar sudanesische Viehhirten entführt zwecks Lösegelderpressung und es wurden wohl illegal Waffen in einem LKW geschmuggelt.

Ausreise

Die Ausreise in Moyale gestaltet sich sehr einfach. Man parkt direkt am für den geringen Grenzverkehr völlig überdimensionierten Gebäude, welches Immigration und Customs beinhaltet. Es gibt keinerlei Belästigung durch Grenzhelfer und die Auswahl an Geldwechslern ist (leider) sehr überschaubar. Zunächst wird man einfach an der Immigration ausgestempelt, dann wird das Carnet mit dem eingehefteten äthiopischen Zolldokument gestempelt. Der Zollbeamte überprüft noch kurz die Fahrzeugnummer und wirft ggf. einen Blick ins Auto, dann ist man frei, um auf die kenianische Seite zu wechseln. Alles in allem keine Stunde Aufwand.

Wir wurden hier zum ersten Mal nach einer gültigen COMESA Versicherung gefragt, also bereithalten.

SIM Karte – Datenvolumen

Wir haben uns eine SIM Karte und Datenvolumen in dem Post-Office in Gondar geholt und hatten somit die Ethiopian Telecom als Betreiber. Es gibt allerdings auch keinen anderen.

Die SIM Karte kostete 30 Birr und 8 GB weitere 600 Birr. (Insgesamt ca. 17 €)

Bargeld / Kreditkartennutzung

An der Grenze können US-Dollar in Äthiopische Birr getauscht werden. Dieser Schwarzmarkt-Kurs ist etwas besser, als der Kurs, den man an den ATMs bekommt. Aus Mangel an Dollars haben wir uns dann aber einfach an den ATMs bedient.

Straßenverkehr in Äthiopien

In Äthiopien gibt es sehr wenig privaten Fahrzeugverkehr. Am häufigsten trifft man Tuk-Tuks (Bajaj, nach dem weltgrößten Hersteller aus Indien), Minibusse und LKWs an. Die Tuk-Tuk-Fahrer scheinen eine Art „Schwarmintelligenz“ zu entwickeln und irgendwie bleibt in den Städten der Verkehr immer am Fließen. Generell ist das Fahren in Äthiopien recht entspannt, allerdings teilt man sich die Straße mit Fussgängern und Tieren, was ein langsames Vorankommen verursacht. Der Umgang der Verkehrsteilnehmer miteinander ist durchaus freundlich und respektvoll.

Tanken in Äthiopien

Diesel war in Äthiopien landesweit immer verfügbar. Manche Tankstellen verkaufen nur Diesel, andere wiederum Benzin. Manchmal muss man etwas suchen, es empfiehlt sich deshalb (wie immer), den Tank nicht komplett leer zu fahren. In unserem Fall kam es zum Monatsbeginn zu leichten Engpässen, da immer zum ersten eines Monats die neuen Treibstoffpreise festgelegt werden und die Tankstellenbesitzer mit Hoffnung auf Preissteigerungen den Treibstoff horten.

Sauberkeit

Was auffällt, wenn man nach Äthiopien reist, ist die Sauberkeit entlang der Straße. Kaum Plastikflaschen und -tüten säumen den Weg und auch für die Bierflaschen gibt es ein funktionierendes Pfandsystem (Pfand genau so teuer wie die kostbare Flüssigkeit), welches Glasbruch nach Trinkgelagen größtenteils verhindert.

Reiseführer & Papierkarte

Papierkarte

Für den Überblick half uns die Papierkarte aus dem Reiseknowhow-Verlag.

Reiseführer

Wir hatten uns den Äthioien Reiseführer aus dem Iwanowski‘s Verlag. Dieser Reiseführer ist sehr positiv geschrieben und gibt sehr viel Information Preis.

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2 comments

  1. Lieber Armin, liebe Tanja,

    was für ein Abenteuer. Respekt für Euren Mut – ich verstehe Tanja sehr gut, wenn sie bei Eurem Zwangsstopp jenseits ihrer Komfortzone war. Ich wäre sicherlich ausgetickt…
    Und ihr habt es wunderbar beschrieben “Wo Schatten, da auch Licht”. Insofern freut es uns, dass ihr so tolle, hilfsbereite Menschen getroffen habt und ich vermute, dass Euch genau das in Erinnerung bleiben wird.

    Nun hoffen wir, dass das Auto hält und in Kenia der “richtige Afrika-Urlaub” losgeht. Habt eine gute Zeit und passt auf Euch auf!

    LG aus dem Schwarzwald

    1. Hallo Anja,
      glaub mir, ich war auch kurz vor dem Durchdrehen. Eigentlich muss bei mir doch auch alles nach Plan gehen ;).
      Aber da musste ich dann einfach durch. Aber die Up und Downs haben mich echt fertig gemacht.
      Jetzt sind wir aber schon seit einigen Tagen in Kenia und genießen es in vollen Zügen. Es gibt wunderschöne Campingplätze, die ersten Tiere wurden schon gesichtet und die Supermärkte haben leckere Sachen in der Auswahl. Was will man mehr ;).
      Sobald wir mal wieder gutes WiFi haben, müssen wir unbedingt mal eure Berichte lesen. Wir sind schon sehr gespannt.
      Liebe Grüße vom Lake Naivasha,
      Tanja & Armin

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