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Costa Rica – Karibik, Nebelwald und Osa-Peninsula mit Corcovado Nationalpark

Faultier Manuel Antonio Costa Rica

Undurchdringlicher Dschungel, exotische Vögel, Faultiere und Affen. Dazu Vulkane mit Nebelwäldern an ihren Flanken. Karibisches Flair und tauchen im Pazifik. All das ist Costa Rica. Ihr seht schon, das kleine Land zwischen Nicaragua und Panama hat es uns angetan. Das war schon bei unserem ersten Besuch 2013 so (Tanja ist sogar schon zum dritten Mal hier) und auch diesmal hat es uns wieder gepackt. Neben all den Naturschönheiten besticht Costa Rica nämlich auch durch seine warmherzige Bevölkerung. „Pura Vida“ ist das Lebensmotto hier und nicht nur ein geschickter Marketingspruch.

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Umweltschutz und Wirtschaft

Uns hat schon beim letzten Besuch imponiert, wie der Naturschutz in den Alltag der Leute integriert wurde. Man kann sich vorstellen, wie die Reaktionen der Holzindustrie in den 1970er Jahren waren, als man der Abholzung der Regenwälder Einhalt gebot. Interessant ist auch der Wikipedia-Artikel dazu. Costa Rica ist ein gutes Beispiel, dass Umwelt- und Naturschutz nicht gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Niedergang ist. Im Gegenteil: Die wunderbare Natur ist das wertvollste Kapital der Ticos und der daraus resultierende Tourismus ein wertvoller Wirtschaftsfaktor. Mittlerweile stehen 28% der gesamten Fläche des Landes unter Naturschutz, oder sind als Nationalpark ausgewiesen.

Erwähnenswert ist auch, dass es in Costa Rica eine florierende Digitalwirtschaft gibt. Ein Viertel aller Exporte des Landes machen digitale Produkte und Services aus.

Sicher ist nicht alles Gold was glänzt und auch Costa Rica hat seine Probleme mit Kriminalität und Arbeitslosigkeit. Umfragen zeigen aber, dass die Ticos eines der glücklichsten Völker der Erde sind. Wer einmal hier war, kann verstehen warum.

Orte von Interesse / Route

Sehenswertes & Sehenwürdigkeiten, Erlebnisse und Begegnungen

Wir nehmen uns diesmal sechs Wochen Zeit, um das schöne Land zwischen Atlantik und Pazifik zu bereisen. Dieser Bericht beschreibt die ersten drei Wochen dieser Reise. Wir reisen an der Karibikküste von Panama kommend am Grenzübergang Sixaola ein und bleiben eine Woche lang am Karibischen Meer zwischen Cahuita und dem Manzanillo Nationalpark. Danach nehmen wir den Bus nach San Jose und holen unser Mietauto ab. Über den Cerro de la Muerte führt uns der Weg an den Fuß des höchsten Berges Costa Ricas, den Cerro Chirripó. Eine Woche bleiben wir auf der Osa-Halbinsel, wo wir von Drake Bay aus den Corcovado Nationalpark besuchen und tauchen gehen. An der Pazifikküste entlang führt uns der Weg nach Uvita und Quepos, wo wir im Manuel Antonio Nationalpark endlich ein ganz besonders photogenes Faultier vor die Linse kriegen.

Einreise: Von Panama nach Costa Rica an der Karibikküste

Der Grenzübertritt in Sixaola ist wirklich einfach, allerdings muss man im Vorfeld den Gesundheitsfragebogen für Costa Rica ausfüllen und den dort generierten QR-Code mitbringen. Bei der Krankenstation an der Grenze liegt dann schon ein Laufzettel mit dem Namen vorausgefüllt bereit. Costa Rica erwartet bei Einreise normalerweise eine Bestätigung (z.B. ein Flugticket), dass man das Land wieder verlässt. Diese wurde in unserem Fall nicht abgefragt.

Mit diesem Grenzübergang verbinden wir nicht nur positive Gedanken, denn beim letzten Mal hatten wir ein paar Probleme, nach Panama einzureisen. Schön, dass diesmal in umgekehrter Richtung alles einfach klappt.

Von Sixaola aus fahren Busse in Richtung San Jose und Puerto Viejo, zumeist im Stundentakt. Der Busfahrer nimmt auch USD. Von Puerto Viejo nehmen wir ein Taxi an unsere erste Unterkunft in der Nähe vom Playa Chiquita.

An der Karibikküste

Ach, es ist so schön grün in Costa Rica. Wahrscheinlich fällt uns das nach vielen Monaten in Afrika besonders auf. Der Grund für das saftige Grün ist natürlich die tropische Lage mit seinen stabilen hohen Temperaturen und dem vielen Niederschlag. Man spricht ja nicht zum Spaß vom „Regenwald“ und hier an der Karibik fallen im Schnitt 3500 mm Regen pro Jahr. Das ist über viermal soviel, wie in Deutschland! Aktuell ist hier an der Karibikküste noch Trockenzeit, was aber nicht bedeutet, dass es gar nicht regnet. Dennoch erleben wir viel mehr Sonnenschein als Regenwolken.

Playa Chiquita, Puerto Viejo, Cahuita mit Cahuita Nationalpark und Manzanillo Nationalpark

Unsere erste Unterkunft ist das Casa Moabi, einige Kilometer südöstlich von Puerto Viejo im Dschungel bei Playa Chiquita gelegen. Es ist herrlich, morgens von den Brüllaffen geweckt zu werden (auch wenn sich einige Gäste über den „Lärm“ beschweren) und exotische Vögel im Garten zu sehen. Wir verbringen fünf Nächte hier, arbeiten, machen immer wieder Ausflüge und feiern hier auch Tanjas Geburtstag. Ein wirklich schöner und friedlicher Ort!

Unterwegs zwischen Puerto Viejo und dem Manzanillo Nationalpark

Puerto Viejo ist das touristische Zentrum an diesem Teil der Karibikküste Costa Ricas. Hier kann man Touren buchen, einkaufen und ein vielfältiges Angebot an Bars und Restaurants nutzen. Wir radeln mit unseren Mieträdern von Playa Chiquita hierher und bummeln etwas in der Stadt. Leckere Eiscreme gibt es bei „Ocho Nani“ und bei „Luna May“ gibt es schöne in Costa Rica entworfene und hergestellte Kleidung.

Direkt bei unserer Unterkunft lockt der Strand „Playa Chiquita“ zum Ausspannen und Yoga machen. Der Strand ist nicht sehr breit und man muss aufpassen, dass die Brandung nicht bis auf das Badehandtuch läuft. Hinter dem Strand ist dichter Dschungel und wenn man Glück hat, sieht man Faultiere und Affen.

Etwa acht Kilometer mit dem Fahrrad vom Playa Chiquita entfernt liegt der Manzanillo Nationalpark. Dieser ist direkt am Meer gelegen und bei Einheimischen und Touristen beliebt. Der Eintritt ist frei, man darf allerdings keine alkoholischen Getränke oder Getränke in Einwegverpackungen mitbringen. Der Pfad führt am Strand entlang und dann in den Dschungel. Immer wieder sieht man Affen und exotische Vögel. Die Buchten laden zum Baden ein und man sollte immer in die Bäume schauen, ob man nicht das eine oder andere Faultier sichtet. Die Karibikküste ist vor allem für das Zweifinger-Faultier bekannt. Wir haben leider kein Glück und sehen hier keines dieser gemächlichen Tiere.

Cahuita und Cahuita Nationalpark

Cahuita liegt 15 Kilometer nordwestlich von Puerto Viejo in Richtung Limón. Das lebendige Städtchen ist auch ein Hotspot für Touristen, hat aber dennoch einen entspannten Charme bewahrt. Hier waren wir 2013 einige Tage auf dem Campingplatz „Maria“, den es auch heute noch gibt.

Direkt an den Ort schließt sich der gleichnamige Nationalpark an, der auf Spendenbasis besucht werden kann. Der Dschungelpfad führt zunächst am Strand entlang und man kann immer wieder Badestopps einlegen. Im Park kann man Affen, Vögel, Waschbären und Faultiere sehen. Es lohnt sich, den Wanderpfad bis zu Ausgang „Puerto Vargas“ zu Ende zu laufen, die letzten Kilometer führen auf gut ausgebauten Holzplanken durch dichten Urwald.

Mit dem Bus nach San Jose und mit dem Mietwagen zum Cerro de la Muerte

Die letzte Nacht an der Karibiküste verbringen wir in Cahuita mit unseren Freunden Tanja und Aris im freundlichen Hostel „Secret Garden“. Unser Zimmer ist einfach aber stilvoll eingerichtet und das Bad ist sauber und modern. Wirklich schön. Um fünf ist die Nacht allerdings vorbei, denn der Bus in die Hauptstadt fährt um sechs Uhr früh. Es sei dringend angeraten, das Ticket im Vorfeld zu kaufen, denn der Bus war bis auf den letzten Platz besetzt. Innerhalb von viereinhalb Stunden erreichen wir San Jose und ein Uber bringt uns zum Autovermieter in Alajuela, wo wir unseren Suzuki (New) Vitara übernehmen. Sieht jetzt nicht wirklich nach Geländewagen aus, die Kiste. Sein Pech, denn wir wollen schon die entlegenen Regionen Costa Ricas erforschen. Immerhin hat er Allradantrieb und soviel sei verraten: Er bringt uns weiter, als manch einer vielleicht denken würde :-).

San Jose liegt im Valle Central, dem fruchtbaren zentralen Hochtal Costa Ricas auf 1100 m. Wir verlassen die Stadt in Richtung Südost und kommen schnell in gebirgige Regionen. Kurz vor dem Cerro de la Muerte sind wir bereits auf 2800 Meter und unser Auto muss mit vier Personen und Gepäck ordentlich schnaufen. So hoch kommt man auf Teerstraßen in Europa (fast) nirgends. Zehn Kilometer vor dem Nationalpark Los Quetzales erreichen wir unser Ziel: Das kleine Hostel „Iyok Ami“. Das einfache Gästehaus hat Almhütten-Flair und mit ca. sechs Grad Außentemperatur ist es auch ähnlich kalt. Dazu regnet es in Strömen. Zusammen mit Tanja und Aris spielen wir Tischkicker und Tischtennis und alles fühlt sich irgendwie nach Schulausflug und Jugendherberge an. Wir entfachen ein Feuer im Kamin und lassen den Abend zünftig ausklingen. Am nächsten Morgen hängen die Wolken hier im Wald fest, es handelt sich ja schließlich auch um einen „Cloud Forest“. Wir wollen einige der schönen Wanderpfade durch den Wolkenwald gehen und hoffen darauf, den seltenen Quetzal mit seiner langen Schwanzfeder zu sehen. Der Quetzal ist der „Göttervogel“ für die indigenen Völker Mittelamerikas und sogar der Namensgeber für die Währung Guatemalas. Als Tanja dann um 8 Uhr ruft: „Armin, da kommt der Quetzal“, denke ich zuerst an einen Scherz. Dann sehe ich ihn aber tatsächlich im Baum direkt gegenüber unseres Panorama-Fensters sitzen. Teilweise hebt sich der Nebel und wir können den Vogel beobachten. Nach einiger Zeit gesellt sich auch noch das etwas weniger farbenprächtige Weibchen dazu und nach ungefähr 20 Minuten fliegen die beiden wieder weg. Vogelbeobachter aus der ganzen Welt kommen in diese Region, um diese Tiere zu sehen – was für ein Glück!

Es beginnt wieder zu regnen und mit Regenjacke, Poncho und geliehenen Gummistiefeln stapfen wir durch den matschigen Wald. Diese Gegend um die Cerro de la Muerte ist feucht, kühl und wenig besucht. Gerade deshalb bietet sie einen schönen Kontrast zu den schwülwarmen Regionen am Meer.

San Isidro de El General, Rivas und Cloud Bridge Nature Reserve

Unser Suzuki kämpft sich auf über 3100 Meter hinauf, bevor es nach San Isidro de El General wieder über 1000 Meter hinunter geht. Mit jedem Meter wird es wärmer und nach einem Einkauf in San Isidro fahren wir nach Rivas, wo wir außerhalb des Cloud Bridge Nature Reserve, am Fuße des Cerro Chirripó, unser Hostel beziehen. Der Cerro Chirripó ist der höchste Berg Costa Ricas und kann von hier in einer zwei- oder dreitägigen Wanderung bestiegen werden. Wir entscheiden uns in der aktuell sehr regenreichen Zeit dagegen und machen dafür eine schöne Wanderung durch das Cloud Bridge Nature Reserve. Auch hier führt der matschige Weg durch den Nebelwald und man kann viele Tiere sehen. Gummistiefel sind in dieser Region das Schuhwerk der Wahl und da wir keine haben, versuchen wir vier es mit ganz unterschiedlichen Strategien: Aris trägt Adiletten und Socken. Er scheitert leider wegen zu wenig Grip und muss umdrehen. Die beiden Tanjas bleiben bei ihren Turnschuhen, was vermutlich die beste Wahl ist, auch wenn diese danach vollkommen verdreckt sind. Das will ich meinen leichten Nikes ohne Profil nicht zumuten und gehe in meinen treuen Flip Flips. Ich schaffe es ins Ziel, muss allerdings mehrmals einer höheren Macht danken, die mich größtenteils aufrecht hält. Was für ein Spaß. Zur Belohnung gibt es ein leckeres Mittagessen in einem der „Sodas“. So heißen die einfachen Restaurants, die Tellergerichte und andere einfache Speisen anbieten.

Eines der Highlights in dieser Region sind die warmen Quellen „Aquas Termales Gevi“. Auf einem Privatgrundstück gelegen, kann man sich hier in hübsch gefliesten und überdachten Becken im warmen Wasser aufquellen lassen, so lange man möchte. Herrlich! Ich brauche nicht erwähnen, dass es wieder in Strömen regnet, oder?

Osa Peninsula mit Drake Bay und Corcovado Nationalpark

Die Osa-Halbinsel ist ganz im Südosten Costa Ricas gelegen, kurz vor der Grenze zu Panama. Diese Region ist grün und wild und von Flüssen durchzogen. Einen großen Teil nimmt der Corcovado Nationalpark ein, der wohl spektakulärste und wildeste Nationalpark Costa Ricas. Hier leben noch Tapire, Pumas und Jaguars!

Anfahrt nach Drake Bay

Touristische Hauptstadt auf der Halbinsel und bester Ausgangspunkt für die Ausflüge in den Nationalpark Corcovado ist das Städtchen Drake Bay. Man kann dieses per Kleinflugzeug, Boot (von Sierpe aus) oder mit dem Auto erreichen. Von letzterem wird in Reiseführern noch immer häufig abgeraten, vor allem in der aktuell vorherrschenden Regenzeit. Danke für den Hinweis, los geht’s! Wir zweigen von der Hauptroute CA2 in Richtung Puerto Jimenez ab und folgen der guten Asphaltstrecke ca. 30 Kilometer bis in das Örtchen Rincon. Hier zweigt die Straße in Richtung Drake Bay ab und wird zu einer ziemlich löchrigen Dirt Road, der wir weitere 35 Kilometer folgen müssen. Tatsächlich wird an dieser Straße mehr oder weniger engagiert gearbeitet und gelegentlich sieht man Bautrupps, die Schlaglöcher auffüllen. Das eigentliche Problem, warum die Straße nach Drake Bay bis heute als gefährlich gilt, sind die gelegentlichen Flussdurchfahrten. Nach etwa der Hälfte der Strecke kommt man an den ersten Fluss, den wir aber problemlos mit unserem vollbesetzten Wagen durchqueren können. Wie immer gilt: Wenn nicht klar ist, wie tief der Fluss ist, muss dieser zuerst abgelaufen werden. Das hat Tanja in ihren Flip-Flops toll gemacht. Danach wird Allrad aktiviert und der Fluss wird langsam aber konstant durchfahren. Ist man zu schnell, läuft man Gefahr, dass sich eine Bugwelle aufbaut, die Elektronik und Lichtmaschine unter Wasser setzt. Im schlimmsten Fall wird Wasser über den Luftfilter angesaugt. Fährt man zu langsam, im falschen Gang oder zu zögerlich, läuft man Gefahr, dass man sich fest fährt oder den Wagen abwürgt. Dann kann zum Beispiel Wasser in den Auspuff laufen. Aber alles halb so wild hier. Bei der zweiten Wasserdurchfahrt folgt nach dem Fluss eine recht steile Rampe und ich muss feststellen, dass ein vollbesetztes Mini-SUV zwar ein erstaunlich gut funktionierendes Allradsystem, aber bei weitem nicht die Bodenfreiheit wie unser guter alter Mitsubishi-Pickup hat. Es gibt eine Bodenberührung und wir schieben ein wenig losen Schotter beiseite. Kurzer Schreck, weiter geht’s. Bis vor ein paar Jahren musste kurz vor Drake Bay noch der Drake-Fluss überquert werden. Hier wäre zur aktuellen Jahreszeit tatsächlich für uns Schluss gewesen. Zum Glück ersetzt seit einigen Jahren eine Brücke diese letzte große Furt. Eine kleine Bachdurchfahrt später kommen wir in Drake Bay an und als wir an einer Brücke über eine harte Bodenwelle fahren, macht es „Klonkkk!“. Eine kurze Analyse ergibt, dass unser Auspuff auf dem Boden hängt. Zum Glück ist der Endtopf nur aus seiner Gummihalterung gerutscht und mit etwas Nachdruck ist das Problem schnell und folgenlos behoben. Trotzdem sind wir froh, endlich angekommen zu sein.

Wir haben gesehen, dass die größten der verbliebenen Furten zukünftig durch Brücken entschärft werden sollen. Die Fundamente sind bereits fertig.

Zweitagestour in den Corcovado Nationalpark

Olman, unser Gastgeber im Mohagine Hotel, ist extrem hilfsbereit und organisiert für uns die geplanten Ausflüge der kommenden Tage. Wir wollen für zwei Tage in den Corcovado Nationalpark und in der Ranger-Station übernachten. Lange haben wir mit uns gerungen, ob wir uns diese doch recht teure Expedition wirklich leisten wollen, oder ob doch auch die Tagestour ausreichen würde.

Früh morgens um 6 Uhr legt unser kleines Boot vom Strand ab und es geht für knapp eineinhalb Stunden entlang der Südküste der Osa-Halbinsel. Es regnet und die Gischt der Wellen spritzt auf. Wir sind froh um unsere Regensachen.

Unser privater Guide Donny ist auch auf dem Boot und geht mit uns vom Strand gleich eine große Runde durch den Wald. Wir sehen exotische Vögel, Affen und einen schlafenden Tapir, bevor wir Mittagspause in der Rangerstation machen. Die Station ist in tadellosem Zustand, die Küche ist einfach aber lecker und die Etagenbetten, in denen wir die Nacht verbringen werden, sind blitzblank und frisch bezogen. Es beginnt heftig zu regnen und der gesamte dreistündige Nachmittagsspaziergang findet bei strömendem Regen statt. Zum Glück haben wir unsere Gummistiefel (Tip: Wer den Corcovado in der Regenzeit besuchen will, sollte sich unbedingt welche ausleihen) und gute Regenjacken / Ponchos.

Vor der Rangerstation befindet sich die seit vier Jahren nicht mehr genutzte Graspiste des alten Flugplatzes. Im angrenzenden Wald findet man zwei Wracks von Kleinflugzeugen, die von nicht geglückten Landeanflügen zeugen. Als wir über das matschige Gras laufen, riechen wir den unverkennbaren süßlichen Geruch des Todes, den Krimiautoren immer gern beschrieben und den wir von unserer Zeit in Afrika gut kennen. Hier ist etwas Großes gestorben! Tatsächlich müssen wir nur dem Geruch folgen und finden im Unterholz den Körper eines toten Tapirs. Das alte Weibchen war schon ziemlich krank und ausgezehrt. Als wir von diesem Fund berichten, sind die anderen Guides und Ranger etwas traurig, schließlich kannten alle dieses Tier. Der Kreis des Lebens schließt sich und es wird nur 2-3 Tage dauern, bis von dem großen Tier nur noch ein paar Knochen übrig sind.

In der Station gibt es ein leckeres Abendessen und um 20:00 Uhr wird das Licht ausgeschaltet. Wir schlafen gut, bis um 4:30 Uhr der Wecker wieder klingelt. Der Regen ist vorbei und als wir in der Morgendämmerung durch den Wald gehen, merken wir, wie auch die Tiere wieder aktiver werden. Brüllaffen, Spider Monkeys und Squirrel Monkeys turnen in den Baumkronen und die seltenen Königsgeier finden sich ein, um sich an dem toten Tapir gütlich zu tun. Kleine Kolibris schwirren umher und trinken den Nektar der sich wieder öffnenden Blüten.

Um 7:30 Uhr sind wir zurück an der Station und es gibt Frühstück. Die letzte Wanderung führt uns in den Jahrtausende alten Primärwald mit seinen Baumriesen, bevor wir gegen 13 Uhr wieder in das Boot nach Drake Bay steigen.

Das Gebiet, auf dem sich der Corcovado Nationalpark befindet, war zuerst „Gefängnis-Region“ und dann Schauplatz eines kleinen Goldrauschs. Es wurde gerodet und auch Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben. Der Sekundärwald, in dem die meisten Tiere leben, ist erst in den vergangenen 50 Jahren entstanden. Es ist unglaublich, wie sich die Natur ihren Raum zurückerobert, wenn man sie nur lässt. Für uns Nichtbotaniker scheint es so, als ob hier nie etwas anderes als Regenwald gewesen wäre.

Haben sich die zwei Tage im Nationalpark gelohnt? Von uns ein klares Ja! Man macht einen späten Nachmittagsspaziergang und eine frühe Morgenexkursion und kann viele Tiere sehen, die sich sonst nicht zeigen. Außerdem ist es schön mitzuerleben, wie sich der Abend über die Natur senkt und diese morgens bei den ersten Sonnenstrahlen zum Leben erwacht.

Ausflug zu den Naguala Wasserfällen

Etwas außerhalb von Drake Bay liegt der Zugang zu den Naguala Wasserfällen. Hierzu parkt man auf dem Grundstück der Naguala Eco Lodge (in der Regenzeit direkt oben am Gate) und läuft zunächst zum Lodgegebäude, wo man die Eintrittsgebühr entrichtet. Von hier aus kann man zwei Wege laufen: Der erste führt zu einem größeren Wasserfall, welcher allerdings nicht zum Baden einlädt und wo man nur Fotos macht. Der zweite Weg führt dann einige hundert Meter in einem Flussbett entlang, man muss einigen Biegungen folgen. Am Ende befindet sich ein kleiner Wasserfall mit unterschiedlichen Badebecken. Dies ist ein wirklich schöner Ausflug, um sich an einem warmen Tag etwas Abkühlung zu verschaffen.

Tauchen vor der Isla de Cano

Die Isla de Cano ist ein wunderschönes Tauch- und Schnorchelrevier. Sie ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und liegt 20 km westlich von Drake Bay. Mit der Tauchbasis „Drake Divers“ fahren wir zu einem Doppel-Tauchgang hinaus zur Insel. Zum Glück ist das Wetter stabil und wir haben sogar Sonnenschein. Auch jetzt in der Regenzeit ist die Sichtweite unter Wasser mit ca. 15 – 20 Metern in Ordnung, reicht aber wohl nicht an die kristallklaren Verhältnisse heran, die hier in den Monaten der Trockenzeit (Dezember bis April) herrschen. Dennoch zählt dieser Tauchgang, mit der Sichtung vieler Schildkröten und recht großen Riffhaien, zu einer unserer eindrücklichsten Unterwasser-Exkursionen. Vom Boot aus können wir auch noch etliche Delphine beobachten, die uns neugierig umkreisen.

Wandern zum Strand San Josecito

Zum Abschluss unserer Zeit in Drake Bay machen wir noch eine kleine Wanderung zum Strand San Josecito. Die Wanderung beginnt direkt am Strand von Drake Bay und führt durch den Dschungel in Richtung Corcovado Nationalpark. Der Weg ist immer wieder matschig und führt an kleineren und größeren Stränden vorbei. Wenn man Glück hat, sieht man Affen oder Faultiere in den Bäumen über einem. Dann, kurz vor dem Ziel, ein Schreck-Moment: Ich gehe in meinen Wander-Flip-Flops voran und höre einen lauten Schrei von Tanja, die hinter mir geht. Instinktiv mache ich einen großen Satz und sehe aus dem Augenwinkel, dass ich beinahe auf eine Karallenschlange getreten wäre. Sie hatte schon ihren Kopf zum Angriff gehoben! Uns beiden schlägt das Herz bis zum Hals und ich bin dankbar, dass Tanja mich so lautstark gewarnt hat! Da gute Gegenmittel verfügbar sind, stirbt heute zum Glück kaum noch jemand an dem Biss der Schlange, allerdings hat man auch nur eine gute Stunde Zeit, um bis ins nächste Krankenhaus zu gelangen. Puuh!

Der Strand San Josecito ist wirklich sehr schön. In den Palmen sehen wir auch die seltenen roten Aras, die hier in der Gegend leben. Die farbenfrohen Großpapageien bilden einen schönen Kontrast zum satten Grün dieser Gegend.

Mit einem der Schnorchelboote, die hier anlegen, fahren wir wieder zurück nach Drake Bay.

Playa Uvita und Quepos mit Manuel Antonio Nationalpark

Unsere Freunde Aris und Tanja sind zwei Tage vor uns abgereist, so dass wir nun mit einem deutlich leichteren Fahrzeug den Rückweg von Drake Bay antreten. Da wir nun auch bereits die kritischen Passagen der Strecke kennen und es die letzten zwei Tage kaum geregnet hat, kommen wir problemlos an der Hauptroute CA2 an. Dieser folgen wir in nördlicher Richtung, um nach Quepos, unserem nächsten Ziel, zu kommen. Wir haben etwas außerhalb des Städtchens eine kleine Ferienwohnung gemietet, die direkt am Berghang mit Blick in den Wald liegt. Kapuzineraffen kommen zu Besuch und Brüllaffen kündigen an, wann die Nacht vorbei ist.

Playa Uvita

Etwa eine Stunde Fahrt oder gut 50 km südlich von Quepos liegt das Dörfchen Uvita und der gleichnamige berühmte Strand. Dieser ist Naturschutzgebiet und man sollte etwas die Gezeiten im Blick behalten: Nur bei Niedrigwasser sind die vorgelagerten Felsen über eine Landbrücke zu erreichen und der Strand bekommt aus der Luft betrachtet seine charakteristische Form, die aussieht wie die Schwanzflosse eines Wals. Hier am Playa Uvita kann man herrliche ausgedehnte Strandspaziergänge machen und den Sonnenuntergang genießen.

Manuel Antonio Nationalpark

Etwas außerhalb von Quepos liegt der Manuel Antonio Nationalpark. Der Park ist einer der kleinsten in Costa Rica, bietet aber alles, was das Herz des Naturliebhabers begehrt. Wir sind morgens um sieben zur Öffnung am Parkeingang und können in den ersten Stunden den Park fast alleine erkunden. Nach und nach füllt er sich aber, schließlich haben wir Sonntag. Die vielen Menschen sind Fluch und Segen zugleich. Natürlich ist es schön, alleine in der Natur zu sein, allerdings ist es dann nicht ganz einfach, die Tiere zu sichten. Wenn nun irgendwo eine Menschentraube steht, kann man fast sicher sein, dass es sich um eine interessante Tiersichtung handelt. Was möchte man denn in Costa Rica gerne sehen? Natürlich Faultiere. Bisher hatten wir auch noch kein Glück, nun dafür umso mehr. Ein „agiles“ Dreifinger-Faultier turnt direkt über unseren Köpfen und posiert für unsere Kamera. Was für ein Glück! Wir bestellen uns einen Bananenkuchen und einen Kaffee im Parkrestaurant zur Stärkung. Als wir dreiviertel des Kuchens gegessen haben, ist Tanja einen Moment abgelenkt. Zielsicher schnappt sich ein Kapuzineraffe den letzten Rest Kuchen und verputzt ihn genüsslich im nächsten Baum. Was für ein Frechdachs!

Nachdem wir den Park verlassen haben und wieder an unserem Auto ankommen, erleben wir eine böse Überraschung. Leider hat jemand eine große Delle in unsere hintere Stoßstande gefahren und sich natürlich einfach aus dem Staub gemacht. Gemein. Ich fahre beim Vermieter Alamo in Quepos vorbei, wo man mir sagt, dass wir das als Kaskoschaden bei der Rückgabe in San Jose regeln sollen. Ein Anruf bei Check24, über die wir das Mietauto gebucht haben, ergibt, dass wir noch einen Polizeibericht brauchen, damit die Zusatzversicherung bezahlt. Diesen bekommen wir nach einer ganz schönen Odyssee, aber das ist ein anderes Kapitel…

Unsere schönsten Übernachtungsplätze (siehe Karte)

Casa Moabi in Playa Chiquita

Dieses Gästehaus mit einigen Zimmern und Bungalows liegt mitten im Wald. Brüllaffen sind auf dem Gelände und man kann schon beim Frühstück Agutis beobachten. Die Gemeinschaftsküche ist gut ausgestattet und es steht immer eine Kanne Kaffee bereit. Wir haben hier eine gute Mischung zwischen Ausspannen und Arbeiten erlebt. Das Internet ist schnell und stabil (solange der Strom nicht ausfällt) und man hat im Gemeinschaftsbereich viel Ruhe.

Secret Garden in Cahuita

Am Rande des Städtchens gelegen und nur ein paar Schritte vom Nationalpark und dem Busbahnhof entfernt, liegt dieses gepflegte Hostel. Wir hatten hier nur für eine Nacht ein Doppelzimmer mit Bad gemietet und uns über die gepflegte und moderne Atmosphäre gefreut.

Iyok Ami am Cerro de la Muerte

Hüttenatmosphäre im Nebelwald? Offenes Feuer im Kamin? Das findet man an diesem schönen Ort. Tatsächlich ist es mehr die Lage und der offensichtliche Kontrast zu den anderen Orten in Costa Rica, die den Charme dieser sehr einfachen Unterkunft ausmachen. Man schläft auf 2800 Metern und kann direkt von hieraus durch den Nebelwald gehen und mit etwas Glück den Quetzal sehen.

Mohagine Hotel in Drake Bay

Das Mohagine Hotel ist eine Anlage aus unterschiedlichen Zimmern, Bungalows, Hütten und Zelten in einem schönen Garten am Rande von Drake Bay. Das Zentrum bietet einen entspannten Gemeinschaftsbereich mit gepflegter Küche, Sitzgelegenheiten und Hängematten. Wir hatten einen Bungalow direkt am Waldrand, der zu zwei Seiten komplett offen war. Entsprechend war die Sicht in den Urwald und das „Dschungelgefühl“ herrlich. Ein Nachteil dieser Konstruktion ist, dass man die Feuchtigkeit schlecht aus seinen Sachen bekommt, wenn es viel regnet. In der Regenzeit also vielleicht eher einen der abgeschlossenen Räume buchen.

Olman, der neue Pächter der Anlage, hat das Hotel vier Monate vor Corona übernommen. Er ist sehr zuverlässig und kümmert sich um alle Belange seiner Gäste. Über ihn kann man alle Aktivitäten buchen und er arbeitet mit guten Tour-Operators und Tauchschulen zusammen. Mit einem SUV ist Drake Bay seit der Fertigstellung der Brücke über den Drake Fluss gut zu erreichen. Trotzdem: Vorsichtig fahren!

Restaurants / Essen in Costa Rica

Hier in Costa Rica gibt es immer und überall die Möglichkeit sich zu stärken. Wir sind gute Kunden in den sogenannten „Soda’s“. Hier bekommt man das leckere und oft reichhaltige „Casado“, heißt einen Teller mit Bohnen, Reis, Kochbanane, Maniok, Salat optional mit Fleisch oder Fisch oder Gemüse. Meist liegt der Preis dieses landestypischen Gerichts bei ca. 5 €. Einfach und sehr lecker.

Weitere Costa Rica Artikel

Hier findet Ihr alle weiteren Artikel von uns zu Costa Rica.

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2 comments

  1. Ich habe gerade diesen spannenden Bericht von Costa Rica gelesen und ich bin wirklich beeindruckt! Es ist so schön zu lesen, dass das Land aktiv Umweltschutz betreibt und seine Regenwälder schützt! Was ihr alles in den verschiedenen Nationalparks erlebt habt würde ausreichen ein Buch zu füllen und ich bin sicher, ihr werdet das nie vergessen! Wie gut, dass Tanja Armin vor der Korallenschlange gewarnt hat , so was kann auch mal böse ausgehen! Das ihr dann auch noch diesen seltenen Vogel namens „Quetzal“ sehen konntet ist sicher auch ein absolutes Highlight! Ich bin gespannt wie es weitergeht und grüße euch aus dem kalten, nebligen Stockach ☺️!

  2. Sehr schöner interessanter Bericht ( wie immer ) und tolle Fotos.
    Die Tiere sind etwas kleiner geworden, als in Afrika.
    Alles in Allem ein tolles Land und super Erlebnisse.
    Ich freue mich für Euch ( ein bisschen Neid darf sein )
    Weiterhin viel Freude und gute Reise.
    Wolfgang

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