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Italien Marken – Frühsommer in der Region Marche

Für einen Urlaub von 10 Tagen bietet Italien fast unendlich viele Möglichkeiten. Wir waren Ende Mai / Anfang Juni unterwegs und wollten das authentische Italien, möglichst etwas abseits der extrem besuchten Touristenattraktionen entdecken. Wir entschieden uns, die etwas weniger bekannte Region Marken (Italienisch: Marche) zu besuchen, die südlich der berühmt-berüchtigten Adria-Stränden von Rimini beginnt. Das hügelige Hinterland der Region ist geprägt von kleinen Ortschaften und Städtchen mit wunderschönen historischen Gebäuden und kleinen Gassen. Anders als in der Toskana sind es hier weniger die großen Namen, sondern die kleinen charmanten Orte, die das Herz höher schlagen lassen. Wir besuchen auch San Marino, diesen kleinen aber feinen Stadtstaat, der auf seinen Felsen oberhalb des Mare Adriatico thront. An der Küste südlich von Ancona war der direkt oberhalb des Meers gelegene Berg Monte Conero Ausgangspunkt für einige schöne Wanderungen und wunderschöne Badetage am bereits angenehm warmen Meer. Mare e Monti eben!

Orte von Interesse / Route

Nach einer flotten Anreise über den Gotthardpass, Mailand und entlang der Poebene vorbei an Bologna erreichen wir die Adria südlich von Rimini. Wir verbringen einige Tage in der Gegend um das kleine Städtchen Urbino, besuchen San Marino und wandern durch den Parco Naturale Monte San Bartolo. Durch das bergige Hinterland fahren wir durch viele schöne Dörfchen, blicken auf die Monti Sibillini und wohnen in Ripatransone, von wo aus wir Ausflüge in die Berge und an das nahe Meer bei Grottammare machen. Unsere letzte Station ist dann das am Monte Conero gelegene Städtchen Sirolo, welches mit seinem schönen Stadtkern auf dem Felsen oberhalb der blauen Adria wirklich einen Besuch wert ist. Hier wandern wir durch die herrliche Natur und entlang der schroffen Steilküste des Monte Conero oberhalb des Meers, in dessen klarem Wasser wir uns immer wieder erfrischen.

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten, Erlebnisse und Begegnungen

Urbino und Umgebung

Nach reibungsloser Anreise erreichen wir bereits am frühen Nachmittag die Adriaküste und machen uns direkt auf den Weg in das mittelalterliche Städtchen Urbino, welches ca. 45 Minuten vom Meer entfernt im hügeligen Hinterland liegt. Der Ort hat ca. 13.000 Einwohner und kommt recht verschlafen daher. Das schöne mittelalterliche Zentrum Urbinos lädt zum Bummeln ein und wir schauen uns den Dom und den Herzoglichen Palast (Palazzo Ducale) an. Wie so oft ist es natürlich das schönste, in einem Straßencafé zu sitzen, einen Spritz zu trinken und das Leben an einem vorbei flanieren zu lassen. Für uns ist Urbino ein schöner Einstieg in das unaufgeregte Hinterland der Marken.

Von Urbino fahren wir weiter zu unserer Unterkunft “Il Poggio Dei Prugnoli”, die wir nach einer halben Stunde auf kurvigen Sträßchen erreichen. Unsere Gastgeber haben ein altes Landhaus auf einem Olivenhain zu einer gemütlichen Pension im Grünen umgebaut. Das Frühstück ist super lecker!

San Marino  

Innerhalb von 45 Minuten erreichen wir von unserer Unterkunft aus den Zwergstaat San Marino, der als älteste bestehende Republik der Welt gilt. Wir waren zunächst nicht sicher, was wir erwarten sollten, schließlich gilt San Marino als bei Touristen extrem beliebte Duty-Free-Destination und ist entsprechend oftmals total überlaufen. Wir nehmen die Seilbahn hoch in die Altstadt und sind wirklich angenehm überrascht: Das mittelalterliche Städtchen auf dem charakteristischen Berg Monte Titano ist herausgeputzt und gar nicht überlaufen – was wahrscheinlich an unserer Reisezeit Ende Mai liegt. Wir schlendern durch die Gassen und genießen den herrlichen Blick hinab in die Ebene bis hinaus aufs Meer. Oberhalb der Stadt machen wir uns auf eine kleine Wanderung und spazieren zu den drei Wehrtürmen: Guaita, Cesta und Montale. Diese sind das Wahrzeichen San Marinos und für jeden mit einem Paar gesunder Füße gut zu erreichen. 

Die herrliche Lage und die schöne Altstadt machen für uns den Reiz von San Marino aus. Wer in der Gegend ist, sollte hier unbedingt vorbeischauen.

Regionalpark Monte San Bartolo

Der Regionalpark Monte San Bartolo wurde erst 1994 gegründet und erstreckt sich in Form eines küstennahen Vorgebirges zwischen Gabicce und Pesaro auf einer Länge von etwa 10 Kilometern. 

Wir machen eine schöne, ca. 7 Kilometer lange Wanderung durch das hügelige und dünn besiedelte Gebiet, dessen Vegetation durch Ginster, Schilfrohr, Eichen und Akazien geprägt ist. Den Einstieg zur Wanderung finden wir auf der SS16 zwischen Ponte del Colombarone und Ponte Tavollo, wo wir unser Auto etwas abseits der Hauptstraße abstellen. Entlang des Rundweges haben wir immer wieder tolle Aussichten und finden sogar den Stachel eines Stachelschweins, dessen Verbreitungsgebiet bis hierhin reicht.

Auf dem Heimweg trinken wir noch ein Bier in Gabicce Monte, von wo aus man einen spannenden Blick von erhöhter Position auf die nördlich gelegenen breiten Strände von Cattolica, Riccione und Rimini hat. Das ist der alte “Teutonengrill”, der sicher seinen Schrecken verloren hat. Die unendlichen Reihen von Sonnenschirmen sind aber geblieben.  

Ripatransone, Grottamare & Offida

Von Urbino fahren wir durchs Hinterland Richtung Fabriano und weiter zum Monasterio di Fonte Avellana. Die Strecke ist angenehm zu fahren, die Landschaft ruhig und die kleinen Orte unterwegs sind historisch, überschaubar und wirken sehr authentisch. Das Kloster liegt schön eingebettet im Grünen und ist ein kurzer, lohnender Stopp.

Am Nachmittag erreichen wir Ripatransone. Unser B&B, das La Casa Mia Nelle Marche, wird von Susanne aus Südtirol und ihrem Mann geführt. Das Haus ist sehr gepflegt, freundlich eingerichtet und man fühlt sich sofort gut aufgehoben.

Ripatransone selbst liegt auf einem Hügel. Von dort fahren wir hinunter nach Grottamare und weiter nach Grottamare Alto. Der kleine historische Ortskern oben ist wirklich sehenswert. Auf dem Marktplatz essen wir in einem italienischen Restaurant, das mit seiner Atmosphäre sofort an klassische italienische Filmszenen erinnert.

Von Grottamare Alto aus hat man einen sehr schönen Blick über Grottamare unten am Meer und hinaus über das Mittelmeer. Ein ruhiger, entspannter Abschluss des Tages.

Wanderung am Fusse des Monti Sibillini

Ripatransone eignet sich auch gut als Ausgangspunkt für eine Wanderung in die Monti Sibillini. Wir fahren in Richtung des Gebirgsmassivs und starten unsere Tour unterhalb des Monte Vettore. Der Weg führt zuerst über grüne Hügel, bevor das Gelände zunehmend bergiger wird. Jetzt im Frühsommer treffen wir unterwegs keinen einzigen anderen Wanderer, was die Strecke besonders ruhig macht.

Auf den Wegen sehen wir immer wieder kleinere Schlangen, die sich in der Sonne aufwärmen. Ein Abstecher führt uns zur Chiesa Santa Maria in Pantano, einer alten Kirche, die versteckt im Wald liegt. Sie wurde bei einem Erdbeben stark beschädigt und ist heute weitgehend eine Ruine. Ein provisorisches Dach schützt das Gebäude vor dem völligen Verfall.

Ausgangspunkt der Wanderung ist der kleine Ort Rivoroso bzw. Valle Grascia. Insgesamt sind wir etwa zehn Kilometer in den Bergen unterwegs – eine abwechslungsreiche Tour zwischen sanften Hügeln und alpinerem Gelände.

Offida / Chiesa di Santa Maria della Rocca

Letzter Stopp in dieser Region ist für uns das kleine Städtchen Offida. Die Gemeinde liegt auf einem Hügel in den Marken und hat nur knapp 5 000 Einwohner, wirkt aber größer, weil der historische Kern so kompakt und gut erhalten ist.

Offida bietet einen wirklich schönen, mittelalterlichen Stadtkern mit engen Gassen, alten Mauern und dem zentralen Platz Piazza del Popolo, der von historischen Gebäuden umgeben ist – ideal, um nochmal durchzuatmen und einen letzten Blick auf die Region zu werfen.

Ein besonderes Ziel für uns ist die Chiesa di Santa Maria della Rocca, eine Kirche, die im 14. Jahrhundert anstelle einer älteren Anlage gebaut wurde und als herausragendes Beispiel romanisch-gotischer Architektur gilt. Sie steht auf einem Felsvorsprung am Rand des Ortes und prägt das Stadtbild deutlich.

Wir kaufen uns sogar ein Eintrittsticket, um auch hinter die Kulissen zu schauen – hinein in die Krypta und die tiefer liegenden Bereiche, die sonst verborgen blieben.

Ein nettes Detail am Eingang zur Kirche ist ein kleines Schaf, das in die Stein-Treppenstufen gehauen wurde. Es ist ein lokaler Brauch, dass man, wenn man sich „richtig verhält“ und rückwärts über das Schaf läuft, etwas Glück haben soll – was wir natürlich gleich ausprobiert haben. Wir mussten allerdings ziemlich lange suchen, um das kleine Tier zu finden.

Sirolo

Als letzte unserer drei Stationen in den Marken besuchen wir Sirolo. Der Ort liegt an der Adriaküste, etwas erhöht am Hang des Monte Conero, der direkt oberhalb des Städtchens aufragt. Auch das Zentrum von Sirolo befindet sich bereits einige hundert Meter über dem Meer und hat einen kleinen, schönen historischen Kern. Vom Hauptplatz aus blickt man direkt über die Steilküste hinaus auf die Adria.

Unser B&B liegt etwas außerhalb, oberhalb von Sirolo, aber gut zu Fuß erreichbar. Als erstes unternehmen wir eine Wanderung im Parco del Conero. Der Weg führt durch Wälder oberhalb der Küste, immer wieder mit Ausblicken hinunter aufs Meer. Besonders beeindruckend ist der Blick auf die Spiaggia delle Due Sorelle, den bekannten Strand, den man von oben gut einsehen kann.

Zum Baden gehen wir meistens an die Spiaggia Sassi Neri. Der Strand liegt unterhalb von Sirolo und ist über einen Weg durch den Kiefernwald erreichbar. Ein Teil wird – typisch italienisch – mit Liegen und Sonnenschirmen bewirtschaftet, ein größerer Bereich ist jedoch frei zugänglich, was uns sehr entgegenkommt. Anfang Juni ist das Wasser noch angenehm frisch, aber schon warm genug, um ausgiebig im klaren Meer zu schwimmen.

In Sirolo genießen wir noch einmal das italienische Küstenleben: Eiscafés, kleine Bars und einfache Pizzaläden, in denen man sich eine Pizza zum Mitnehmen holt und dann mit Blick aufs Meer isst. Nach den Tagen im Hinterland ist es ein schöner Abschluss, hier noch etwas Zeit am Meer zu verbringen und die Region ruhig ausklingen zu lassen.

Fazit zu unserem Aufenthalt in den Marken

Die Marken sind für uns ein wirklich lohnenswertes Reiseziel, gerade auch in der Nebensaison. Sicher gibt es hier nicht die großen, berühmten Städte wie in der Toskana – kein Florenz, kein Siena – aber dafür finden sich überall kleine, historische Orte, die sehr sehenswert sind und deutlich weniger touristisch wirken. Genau das macht den Reiz der Region aus.

Auch das Preisniveau ist angenehm moderat und liegt spürbar unter dem vieler anderer italienischer Reiseziele. Gleichzeitig bieten die Marken eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Möglichkeiten zum Wandern: im Monte Sibillini, im Parco del Conero oder im Regionalpark Monte San Bartolo.

Alles in allem haben wir die Zeit in den Marken, besonders im Frühsommer, sehr genossen. Die Mischung aus ruhigen Orten, Natur, Küste und freundlichen Menschen hat uns wirklich überzeugt – und wir sind uns sicher, dass wir wiederkommen werden.

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