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Mexiko – Oaxaca und die Pazifikküste um Puerto Escondido

Mexiko Oaxaca

Kurz vor Weihnachten verlassen wir die Baja California Peninsula und fliegen über Mexiko City an die Pazifikküste nach Puerto Escondido. Hier verbringen wir die Weihnachtstage und das Neujahr und hier endet unser Dasein als „Vollzeitreisende / selbstständige Reiseblogger“, denn Tanja beginnt wieder, in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Wie gut das von Unterwegs klappt und was wir in dieser Region Mexikos erlebt haben, erfahrt ihr in diesem Blog-Post.

Orte von Interesse / Route

Wir verbringen viel Zeit in Puerto Escondido und fahren von hier mit dem Mietwagen durch die Berge in die Hauptstadt des Bundesstaates: Oaxaca. Die historische Stadt ist verwinkelt und voller Leben. Von hier aus besuchen wir mit Monte Alban eine der wichtigsten präkolumbischen Städten und erkunden die Umgebung, die als Heimat des Mezcal gilt. Weiter führt uns der Weg über die sich windende Bergstraße hinab nach Pochutla und weiter an den Pazifik nach Zipolite. Die Orte Zipolite, San Agustinillo und Mazunte sind ein alternativer Entwurf zu den konservativ-touristischen Orten entlang der Costa Maya im Bundesstaat Quintana-Roo. Von Puerto Escondido verlassen wir die Region mit dem Flugzeug in Richtung Cancun.

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten, Erlebnisse und Begegnungen

Für Jahrzehnte war Puerto Escondido ein verschlafenen Städtchen am bisweilen wilden Pazifik. Danach wurde es zu einem Geheimtipp unter den Reisenden, die keine Lust auf die amerikanisierten Urlaubsregionen Yukatans oder der Baja California hatten. Noch immer findet man in Puerto Escondido keine Bettenburgen und es wird wenig englisch gesprochen. Kreuzfahrtschiffe und geführte Gruppenreisen finden nicht ihren Weg hierher, was auch an der ziemlich schlechten Straßenanbindung an den Rest von Mexiko liegt. Ein Geheimtipp ist die Stadt indes nicht mehr, denn hier ist die Hölle los! Es gefällt uns dennoch ausgesprochen gut, denn das Klima ist angenehm, die Menschen freundlich, die Strände sind weitläufig und das Meer ist wild.

Puerto Escondido – Pazifikstadt mit tollen Stränden

Puerto Escondido hat ca. 30.000 Einwohner und liegt knapp 400 Autokilometer südöstlich von Acapulco an der Pazifikküste Mexikos. Die Stadt Acapulco hat leider in den vergangenen Jahrzehnten einen beispiellosen Absturz vom Urlaubsparadies zum Schauplatz von Drogenkrieg und bewaffneten Überfällen auf Touristen durchgemacht, wovon Puerto Escondido ohne Zweifel profitiert hat. Ein weiterer Faktor ist der internationale Flughafen, auf dem größere Verkehrsmaschinen wie z.B. Airbus A320 oder Boing 737 landen können. Das Fluggastaufkommen hat sich in den vergangenen 10 Jahren verzehnfacht!

Anders als in den Retorten-Urlaubsorten wie Cancun oder Los Cabos auf der Baja, leben die Touristen in Puerto Escondido „Seite an Seite“ mit der lokalen Bevölkerung, was den authentischen Charme des Städtchens ausmacht, welches man nicht wirklich als „klassisch schön“ bezeichnen kann. Der Zustrom bleibt aber natürlich nicht ohne Folgen. Überall wird gebaut und das Preisniveau ist deutlich höher, als in den untouristischen Gegenden Mexikos. Außerdem herrscht für manche Produkte ein absoluter „Verkäufermarkt“: Die beste Pizzeria am Ort war so gnädig, uns immerhin zwei von drei bestellten Pizzas zu backen und die gute Bäckerei war nur jeden zweiten oder dritten Tag bereit, mir ein leckeres Körnerbrot zu verkaufen. Da muss man schon mal seinen Charme spielen lassen – eine Disziplin, in der ich als deutscher Mann generell einen internationalen Nachteil habe.

Wir wohnen an unterschiedlichen Orten in Puerto Escondido. Die längste Zeit verbringen wir in dem kleinen Hotel „Blue Mango“, wo wir uns sehr wohl fühlen.

Die Strände Puerto Escondidos

Zweifellos lebt die Stadt von ihrer schönen Lage am Pazifik. Vom weitläufigen Surfer-Strand bis hin zur stadtnahen kleinen Bucht mit Mietliegen findet sich hier alles.

Playa Bacocho

Dieser Strand liegt im Nordwesten der Stadt, unweit des gleichnamigen Stadtviertels, welches wir übrigens wärmstens als Wohnquartier empfehlen können. Der Strand ist sehr weitläufig und hat zum Teil eine wilde Brandung. Hier ist es ideal, um in Ruhe ein paar Stunden zu verbringen, in der Brandung zu tollen und spazieren zu gehen. Die Organisation „Vive Mar“ hat hier ihren Stützpunkt zum Schutz der Meeresschildkröten. Jeden Abend werden frisch geschlüpfte Schildkröten ins Meer entlassen. Für 100 Peso kann man hierbei die Patenschaft für ein Tier übernehmen. Man bekommt dann eine Kokosnuss-Schale, in die eine kleine Schildkröte gesetzt wird. Diese darf man dann selber am Strand aussetzen und mitfiebern, wann und ob sie das Meer erreicht. Der Weg ist zwar nicht weit, aber gefährlich: Über der Brandung warten schon Seevögel auf die kleinen Draufgänger.

Playa Coral

Der Playa Coral ist der wohl schönste Strand in Puerto Escondido. Es handelt sich um eine sandige Bucht, die entweder mit ein wenig Kraxelei über Felsen vom Playa Bacocho erreicht wird oder durch die Hotelanlage „Villa Mexicana“. Hier kann man für 50 Peso pro Person (in Form eines Verzehrgutscheines) durch die etwas heruntergekommene Hotelanlage an den Strand hinab gehen. Das schöne am Playa Coral: Hier gibt es keine aufwändige Infrastruktur. Keine Liegenvermietung, keine offiziellen Kiosks oder sonstige Buden. Die Brandung ist ruhiger als am Playa Bacocho und dank einiger Felsen im Wasser lohnt es sich zu schnorcheln. Zu Zeiten mit vielen Touristen kommen immer wieder Strandverkäufer vorbei, die freundlich die „Basics“ verkaufen: Kokosnüsse, Bier und Austern.

Playa Carrizalillo

Östlich des Playa Coral liegt der Playa Carrizialillo. Diese schöne sandige Bucht ist von der Rinconada (Restaurant- und Bar-Meile des Viertels Bacocho) über Treppen erreichbar, da Bacocho generell etwa 30-40 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der Strand ist nicht sehr breit aber schön in einer Bucht gelegen. Auf der linken Seite gibt es einen Surf-Spot, der für Anfänger geeignet ist (auch Kurse werden hier angeboten), der aber an den Wochenenden ziemlich voll werden kann. Hinter dem Sandstrand sind auf der gesamten Länge des Strandes Restaurants und Liegestuhl-Verleiher beheimatet und man kann es sich hier im Schatten einen ganzen Tag gut gehen lassen. Dies ist allerdings ein großer Kontrast zum Playa Coral und zum Playa Bacocho und man muss selber entschieden, was einem mehr liegt.

Puerto Angelito und Playa Manzanillo

Weiter östlich in der nächsten Bucht liegen der kleine Hafen Puerto Angelito und der Strand Playa Manzanillo. Beide sind nur durch ein paar Felsen getrennt, über die ein Fussweg führt. Von Puerto Angelito starten die kleinen Ausflugsboote zur Walbeobachtung und zum Tauchen.

Der Strand Playa Manzanillo ist klein, bietet aber sehr ruhiges Wasser und ist insbesondere für Familien mit kleinen Kindern gut geeignet. Auch die Mexikaner kommen gerne hier her und wir freuen uns, dass häufig ältere Menschen, die schlecht zu Fuss sind, hier mit ihren Familien ein paar schöne Stunden am Meer genießen können. Wer in den einfachen Restaurants etwas konsumiert, kann in der Regel die Liegen und Stühle kostenlos mitbenutzen.

Playa Zicatela

Der langgezogene Sandstrand, östlich der Stadt und vor dem gleichnamigen Viertel gelegen, ist der Surferstrand von Puerto Escondido. Hier bilden sich zwischen Mai und September zwei bis sechs (in Extremfällen zehn) Meter hohe Wellen und bilden mit der „Mexican Pipeline“ einen der anspruchsvollsten Surfspots der Welt.

Walbeobachtung vor Puerto Escondido

Wir buchen bei Roberto eine Waltour mit einem kleinen Boot. Er holt uns an unserer Unterkunft ab und bringt uns mit dem Taxi zum Puerto Angelito. Gemeinsam mit sechs weiteren Touristen stechen wir mit unserem kleinen Boot in See und versuchen Buckelwale zu beobachten. Zunächst geht es Richtung Südosten die Küste entlang, bis unser Kapitän einen Anruf bekommt: Die Wale sind weiter westlich. Wir und alle anderen Ausflugsboote brausen zurück und finden tatsächlich eine Gruppe von Buckelwalen, die allerdings nicht sehr „zeigefreundig“ sind. Dennoch ist es schön, den sanften Riesen wieder so nahe zu sein. Weiter draußen auf dem Meer wird unser Boot von Delfinen begleitet und wir können aus der Ferne sehen, wie die verspielten Meeressäuger aus dem Wasser springen. Auch Meeresschildkröten zeigen sich an der Wasseroberfläche, denn es scheint gerade Paarungszeit zu sein.

Als ein weiterer Anruf eingeht, fahren wir nordwestlich von Puerto Escondido die Küste entlang. Wir sind fast das einzige Boot, als wir auf Höhe des Playa Aqua Dulce ein Buckelwal-Weibchen mit einem Jungtier sichten. Die beiden tauchen immer wieder ab und es ist spannend, wenn auch schwer vorhersehbar, wo die beiden wieder auftauchen. Wir lassen den Blick über das fast spiegelglatte Wasser schweifen, als einige Meter vor uns das mächtige Weibchen die Wasseroberfläche zu einem Sprung durchbricht. Das Tier kommt fast vollständig aus dem Wasser und dreht sich dabei um die eigene Längsachse. Was für ein Glück und was für ein Anblick! Die Weibchen springen viel seltener als die Männchen und wir sind glücklich, dieses Spektakel live mitzuerleben. Nach unseren Walbegegnungen vor der Südspitze der Baja California war dies ein schöner Abschluss unserer Aktivitäten auf dem Meer.

Oaxaca – Schokolade und Geschichte

Wir mieten uns bei Cesar einen kleinen Chevy Spark (das gleiche Modell wie unsere „Semmel“ auf der Baja) und machen uns auf in die 280 km entfernte Hauptstadt des Bundesstaates. Oaxaca hatten wir bereits vor acht Jahren besucht und wir haben schöne Erinnerungen an die rechteckig aufgebaute Kolonialstadt mit ihren alten Gebäuden und lebendigen Märkten. Was wir fast vergessen hatten: Es gibt keine einfach zu befahrende Straße von der Pazifikküste nach Oaxaca. Die Stadt liegt auf 1600 Metern und man muss immer über verwinkelte Bergstraßen fahren, um dorthin zu gelangen. Insgesamt benötigen wir gute sechs Stunden für den Trip und wir haben Spaß auf den kurvigen Bergstraßen. Irgendwann soll ein „Highway“ die Fahrzeit deutlich verkürzen, davon ist man aber noch weit entfernt.

Wir wohnen in einem alten Gebäude in der Innenstadt, welches zur Nutzung als modernes Apartmenthaus komplett ausgehöhlt und neu ausgebaut wurde. Im Erdgeschoss befindet sich eine Garage, was in einer Stadt, in der man auf der Suche nach einem Parkplatz total verloren ist, einen riesigen Vorteil bietet. Die Lage im Zentrum ist ideal, dennoch hat diese Art der „Gentrifizierung“ für uns immer einen Beigeschmack. Schließlich macht das lebendige Treiben der lokalen Bevölkerung in Oaxaca den Reiz der Stadt aus.

Wir machen ausgedehnte Stadtbummel und besichtigen neben dem Hauptplatz, dem Zócalo, die bedeutenden Kirchen „Catedral de Nuestra Senora de la Asunción“ und „Basilica de Nuestra Senora de la Soledad“. Überall finden sich die Läden von Mayordomo, welche auf Schokolade spezialisiert sind. Hier trinken wir eine leckere heiße Schokolade. Darüber hinaus gibt es auch viele kleinere Läden, welche die traditionellen Schokoladenprodukte in Oaxaca anbieten.

Auf dem großen überdachten Markt „Mercado Benito Juárez“ findet man allerlei Leckereien und man kann gut und günstig essen. Wir empfehlen die „Tlayuda“, einen großen Tortilla-Fladen, der mit allem was das Herz begeht belegt wird.

Monte Alban

Als wir vor acht Jahren schon einmal hier in der Gegend waren, haben wir diese spektakuläre Ausgrabung nicht besucht. Dies holen wir nun nach! Die monumentale Anlage war die Hauptstadt der Zapoteken und erlebte im fünften und sechsten Jahrhundert ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit lebten bis zu 30.000 Menschen auf Monte Alban. Später nutzen auch die Mixteken die bereits aufgegebene Anlage als Begräbnisstätte und in der letzten Phase vor der spanischen Eroberung siedelten um 1500 die Azteken in den Tälern von Oaxaca. Um die Pyramiden, Tempel und Gräber zu besichtigen, bietet es sich an, direkt zur Öffnungszeit vor Ort zu sein. Die Anlage ist gut besucht aber so weitläufig, dass man sich nicht bedrängt fühlt.

Ausflüge im Umland

Zum Glück haben wir unseren Mietwagen, denn die Umgebung Oaxacas ist einen Ganztagesausflug wert. Zunächst besuchen wir den Markt in Tlacolula de Matamoros und bestaunen die bunte Vielfalt. Wer frisches Obst liebt, ist hier richtig. Natürlich gibt es auch was zu essen und alle Gegenstände des täglichen Bedarfs. Auch die gerösteten Heuschrecken, eine Spezialität der Region, dürfen nicht fehlen.

Weiter geht es nach Hierve el Agua. Die Kalksteinformationen, die entgegen anderer Anzeigen im Navi nur über San Pablo de Mitla über eine kurvige Dirt-Road erreichbar sind, hatten wir schon einmal besucht und sie hatten uns gut gefallen. Dieses Mal sind die weißen Felsen ziemlich schmutzig-braun und das grünliche Wasser lädt nicht zum Baden ein. Wir hoffen es liegt nur an der trockenen Jahreszeit und es ist nicht die Folge von übermäßiger landwirtschaftlicher Bewässerung. Der Blick ins Tal ist schön und wir machen Mittagspause mit einem leckeren Becher geschnittenen Obsts.

Auf dem Rückweg stoppen wir in Santiago Matatlán. Hier in der Gegend werden viele Agaven angebaut und der Hauptverwendungszweck ist natürlich die Produktion des weltberühmten Mezcal. Wir besuchen eine der größeren Brennereien und lassen uns die Produktionsschritte von der Pflanze bis zum Schnaps zeigen. Nach einer ausführlichen Verkostung kaufen wir uns eine Flasche der leckeren Spirituose, welche wir über Wochen immer wieder in kleinen Portionen pur trinken. Sehr lecker!

Die Pazifikküste südöstlich von Puerto Escondido

Über eine weitere kurvige Bergstraße geht es in Richtung Pochutla hinunter an den Pazifik. Wir wollen die Küste zwischen Puerto Ángel und Mazunte besuchen. Dieser Küstenabschnitt ist auch sehr touristisch, allerdings lockt es ein eher „alternatives“ Publikum an.

Zipolite

Bereits vor acht Jahren hatten wir Zipolite besucht und auf Fernando’s Campingplatz gewohnt. Der war damals schon echt heruntergekommen und ist es heute auch noch. Irgendwie haben wir es damals leider nicht geschafft, den Charme des Örtchens zu greifen, denn es ist wirklich toll! Diesmal wohnen wir oberhalb auf einem Hügel, zehn Gehminuten vom Strand und dem Zentrum entfernt.

Der lange Hauptstrand mit dem anschließenden Playa de Amor ist ein Nudistenstrand, was aber nicht dogmatisch gesehen wird. Ganz im Gegenteil: Wer will, badet nackt und wer das nicht mag, behält halt seine Kleidung an. Am Strand gibt es unzählige sympathische Strandbars und Restaurants, auf deren Liegen man den Tag verbringen kann. Die kleine Fußgängerzone ist auch sehr schön und abends werden viele Stände aufgebaut, wo Händler ihre Waren anbieten. Zipolite ist wegen des liberalen Flairs eher ein Ziel europäischer Touristen und ausgesprochen „gay-friendly“. Wir finden das sehr sympathisch.

Gruselige nächtliche Besucher

Die Lage der Unterkunft auf einem Hügel oberhalb von Zipolite ist hervorragend und die Ausstattung absolut ok. Allerdings gibt es hier Mitbewohner, die man sich nicht unbedingt wünscht. Eines Abends sehen wir einen Baby-Skorpion (vielleicht 2 cm lang) auf dem Fliesenboden durch den Raum huschen. Mit einem Glas und einem Streifen Pappe wird dieser gefangen und mit gutem Abstand zu unserer Behausung freigelassen. Er scheint unter unserer Tür hinein gekommen zu sein, denn dort ist ein Spalt und die Wärme der Mauern hat das nachtaktive Tier wohl angelockt. So weit, so gut.

Am nächsten Morgen, es ist noch stockdunkel und wir liegen im Bett, weckt mich Tanja. „Armin, ich habe da etwas im Haar, leuchte mal mit der Taschenlampe!“ Verschlafen sehe ich erstmal nichts. Tanja hat sicher schlecht geträumt. „Da ist was hartes, schau mal genau hin“. Und tatsächlich: In ihrem Haar bewegt sich etwas gelblich braunes – ein Skorpion ganz anderen Kalibers, mindestens 6-7 cm lang! Schock! Tanja bleibt erstaunlich ruhig. Wir stehen auf und sie hält behutsam ihre Haare von ihrer Schulter und ihrem Hals weg. Ich hole eine Gabel und einen Spaghetti-Löffel und versuche, das sich windende Tier aus ihren Haaren zu kämmen. Ich brauche zwei Versuche, bis der Skorpion auf dem Boden landet. Wieder kommt das Wasserglas drüber. Puuh, Gefahr gebannt! Was für ein Schreck, eine Szene wie aus einem Gruselfilm! Das giftige Spinnentier muss auf der Innenseite des Moskitonetzes hochgeklettert sein, denn dies hat Kontakt zum Fliesenboden und konnte offensichtlich als Strickleiter in unser Bett genutzt werden. Ich bin Stolz auf Tanja, dass sie ihre Nerven behalten hat! Ich hätte vermutlich geschrien wie ein Mädchen.

Als ich unserer Vermieterin das Tier im Glas zeige, nimmt alles ganz schnell seinen Lauf. Mit einem Hinweis auf die Überpopulation an Skorpionen zieht sie einen ihrer Flip-Flops aus, und mit einem satten Klatschen wird aus unserem nächtlichen Besucher ein großer feuchter Fleck auf der Terrasse. Als Tierfreunde können wir das natürlich nicht gutheißen, allerdings hält sich unser Mitleid in diesem Fall in überschaubaren Grenzen.

Ausflug zu den Cascadas Magicas de Copalitilla

In Zipolite mieten wir uns ein kleines Motorrad, eine Italika FT150 mit 12,5 PS und manueller Fünfgang-Schaltung, die es im Supermarkt für ca. 900 EUR neu zu kaufen gibt. Dieses kleine ehrliche Motorrad gefällt mir. Auch wenn die Mexikaner sehr stolz auf ihre Mopetmarke „Italika“ sind, sind die Maschinen doch chinesischen Ursprungs und sie sind überall auf der Welt zu finden. Egal ob sie als Motorradtaxi in Uganda eingesetzt werden oder eben hier als einfaches persönliches Fortbewegungsmittel: Die kleinen Viertakter halten die Welt am laufen.

Wir kommen zu zweit zügig voran und legen die knapp 80 km bis zu den Wasserfällen in gut 2,5 Stunden zurück. Zunächst geht es auf der Hauptstraße in Richtung Huatulco und dann auf verschlungenen Pfaden in die Berge. Die letzten Kilometer geht es auf und ab über schlechte Dirt-Roads und wir sind froh, nicht mit dem Auto hier zu sein. Die Wasserfälle sind ein schönes Ausflugsziel und sehr gepflegt. Man kann dem Fluss aufwärts folgen und immer wieder im kristallklaren Wasser baden. Im Vergleich zum warmen Meer ist es hier herrlich frisch, aber auch nicht zu kalt.

Die Fahrt zurück geht hinunter an die Küste und dort nach Crucecita de Huatulco. Nach einem leckeren Mittagessen im „Giordana’s“, einem netten italienischen Restaurant, geht es weiter an die Bahia de Cacaluta. Die letzten Meter zu dieser schönen Badebucht sind nur zu Fuss zu erreichen und es ist kaum etwas los. Dies ist vermutlich der schönste Badeplatz in der Huatulco-Region.

Als wir mit dem Motorrad in Zipolite zurück sind, dämmert es bereits. Was für ein schöner Ausflug!

San Agustinillo und Mazunte

Ein paar Kilometer weiter nordwestlich von Zipolite die Küste hinauf liegt das Dörfchen San Agustinillo. Ein Fels trennt den Ort vom direkt daneben gelegenen etwas größeren Mazunte. Wir wohnen oberhalb von San Agustinillo in der Posada Olivia. Der Strand von San Agustinillo ist zweigeteilt: Eine Bucht eignet sich gut zum Schnorcheln und der längere Strandabschnitt bietet schönen Badespaß und lädt Anfänger zum Surfen ein. Generell ist der Ort recht verschlafen und nachts angenehm ruhig.

In Mazunte ist dies anders. Hier finden sich viele Anhänger der „spirituellen Szene“, was ja per se nichts schlechtes ist. Allerdings ist es uns zu voll und zu laut, was sowohl auf das Örtchen, die Menschen und den Strand zutrifft.

Gut gefallen hat uns hingegen der Spaziergang zum vorgelagerten Punta Cometa. Hier hat man aus erhöhter Position einen schönen Blick auf den Sonnenuntergang. Ein Geheimtip ist dies jedoch auch nicht.

Ausflug an den Strand und die Lagune La Ventanilla

Nur gut 10 Fahrminuten von Mazunte entfernt liegt die Lagune La Ventanilla hinter dem gleichnamigen Strand. Die Lagune wird von Wasser aus den Bergen Oaxacas gespeist und besteht zu 90% aus Süßwasser. Mangroven wachsen hier und man hat die Möglichkeit, mit einem Ruderboot die Lagune in einer einstündigen Tour zu besuchen. Wir entscheiden uns für eine Tour mit den „roten T-Shirts“. Unser Guide und Paddler erklärt viel über das Ökosystem der Lagune und wir sind absolut positiv überrascht: Zunächst spazieren wir durch den Dschungel bis zur Anlegestelle und sehen bereits das erste der großen Süßwasserkrokodile, die hier heimisch sind. Diese Kolosse können bis zu sechs Meter lang werden.

Mit dem Paddelboot geht es dann quasi lautlos durch den Mangrovenwald. Wir sehen grüne Leguane, unterschiedliche Vögel, Süßwasserschildkröten und weitere Krokodile. Die lokale Gemeinde bemüht sich, die Mangroven weiter aufzuforsten, denn sie schützen das Ökosystem vor den starken Hurricanes, die auch diesen Teil der Küste heimsuchen können. Uns hat der lehrreiche Ausflug sehr viel Spaß gemacht und wir hatten nicht erwartet, in dieser Gegend so viel wilde Natur zu erleben.

Arbeiten von Unterwegs und nette Gesellschaft

Mit dem Neujahrstag 2022 endet für uns die Zeit als „Vollzeitreisende“. Während den vergangenen 2,5 Jahren hat vor allem die Expedition durch Afrika unsere gesamte Zeit beansprucht. Wir haben die Route geplant, mussten die Herausforderungen des (Reise-) Alltags meistern, das Auto am Laufen halten und die Reise per Kamera und auf diesem Reiseblog dokumentierten. Dazu kam noch der eine oder andere redaktionelle Auftrag von Zeitschriften oder Online-Portalen. Auch in Panama und Costa Rica waren wir wild entschlossen, soviel wie möglich von unserem jeweiligen Gastland zu sehen.

Seit Januar ist nun einiges anders: Tanja arbeitet wieder zu 50 %, sprich für 20 Stunden pro Woche und dazu benötigt sie Ruhe und eine stabile Internetverbindung. Entsprechend haben wir unseren Reiserhythmus angepasst. Wir verbringen mehr Zeit an einem Ort und wählen unsere Unterkünfte nach der Verfügbarkeit eines ruhigen Arbeitsplatzes und einer guten Internetverbindung aus. Tatsächlich funktioniert dies wirklich gut! In den allermeisten Fällen macht es keinen Unterschied, ob sie nun in Puerto Escondido, Mazunte oder eben in Niedereschach oder Stockach sitzt. Die modernen Tools der Zusammenarbeit funktionieren hier wie dort gleichermaßen. Böse Zungen behaupten, dass die Verbindung auf der Insel Reichenau oftmals schlechter ist, als an der mexikanischen Pazifikküste.

Für die letzten fünf Wochen unserer Reise begleitet uns auch Tanjas Mutter und wir versuchen eine ruhige Mischung aus Ausflügen und gemütlich-entspannten Tagen zu finden. Das fühlt sich zum ersten Mal nach Urlaub an – zumindest für mich und die Schwiegermutter ;-).

Unsere schönsten Übernachtungsplätze (siehe Karte)

Blue Mango in Puerto Escondido

Das kleine Boutique Hotel Blue Mango vermietet einfache aber gepflegte Zimmer mit eigenem Bad und hat im dritten Stockwerk eine schöne Gemeinschaftsterrasse mit Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang. Im Gemeinschaftsbereich kann auch gekocht werden und im Hof befindet sich ein schöner großer Pool. Jill und ihre Mutter Stacy sind nette Gastgeber und wir haben hier insgesamt vier Wochen verbracht und uns wirklich wohl gefühlt.

Las Turquezas Apartments in Puerto Escondido

Hier haben wir uns einquartiert, nachdem Tanjas Mutter bei uns angekommen war. Unser Apartment im ersten Stock hatte schnelles Glasfaser-Internet, eine große Terrasse mit Meerblick, Wohnzimmer und zwei Schlafzimmer. Keine ganz billige Alternative, aber schön gelegen und sehr gepflegt mit Pool und großen Palmen.

Posada Olivia in San Agustinillo

Marco und Roberta betreiben ein kleines Gästehaus oberhalb von San Agustinillo. Der Garten ist herrlich und die Räume sind liebevoll und bunt gestaltet. Der Gemeinschaftsbereich mit Küche und Terrasse ist super sauber und gepflegt. Einzig die vielen Moskitos, die im saftig grünen Garten gedeihen, können nervig sein.

Restaurantempfehlungen

Smoked Fish Tacos „El Viejo“ in Puerto Escondido

Ein Taco-Laden, der ideal zum Mittagessen ist. Wir waren sechsmal hier und es hat uns immer hervorragend geschmeckt. Es gibt Fisch-Tacos in unterschiedlichen Ausführungen und dazu leckere Limonade oder kaltes Bier. Nicht mehr, nicht weniger!

Giordana’s in Crucecita Huatulco

In diesem freundlichen italienischen Restaurant (geführt von echten Italienern) haben wir auf unserem Ausflug nach Huatulco gegessen. Meine originalen italienischen Fleischbällchen waren klasse, ebenso Tanjas Tagliatelle mit Pilzen. Eine absolute Empfehlung.

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