Mitsubishi L200Reiseteam

Mitsubishi L200 als Expeditionsmobil / 4×4 Camper

Wenn man eine längere Reise plant, dann hat man die Qual der Wahl bei der Auswahl des richtigen Reisefahrzeugs. Hierbei gibt es kein Richtig oder Falsch, alles ist eine Frage der eigenen Art des Reisens, der persönlichen Präferenz und nicht zuletzt des Budgets.

Auf unserer Panamericana Reise 2013/2014 waren wir mit einem Mitsubishi Montero Sport (bei uns Pajero Sport) mit 3 Liter V6 Benzinmotor und 180 PS unterwegs. Das Auto hatte ein Columbus Hartschalen-Dachzelt und war innen mit einem einfachen Campingausbau versehen. Der Wagen basiert auf dem Leiterrahmen des (alten bis 2006) Mitsubishi L200 und hat uns auf 45.000 km über Stock und Stein nicht einmal im Stich gelassen. Bis heute fährt das Fahrzeug in Südamerika umher, seit wir es im Februar 2014 in Santiago de Chile verkauft haben. 

Für unsere ab Mitte des Jahres geplante Reise durch Afrika mussten Tanja und ich entsprechend ein Anforderungsprofil an das zukünftige Reisefahrzeug stellen.

Die wichtigsten Anforderungen:

  1. Geschlossene Wohnkabine. Das Leben im Dachzelt ist spannend und man ist immer ganz dicht an den Menschen und an der Natur. Immer. Das kann in Afrika manchmal sicher nervig (im Falle der Menschen) oder gefährlich (im Falle der Natur) werden. Deshalb sollte es diesmal eine Kabine sein, gerne aber auch mit (Stoff-) Hubdach.
  2. Kompakte Abmessungen. Gerne haben wir uns lustig gemacht über unsere Reisekollegen mit ihren dicken Trucks. Da wird berichtet von abgerissenen Stromleitungen im Hochland Guatemalas oder vom kilometerlangen Rückwärtsfahren auf Passstraßen in den Anden. Dazu kommen LKW-Straßenmaut oder horrende Verschiffungsgebühren. Abgesehen von den großen Lastwagen kann ich verstehen, welchen Reiz ein umgebauter Unimog oder (was mir gefallen würde) MAN G90 FAE 4×4 ausübt. Wir dürfen ja beide sogar noch die 7,5 to fahren. Aber selbst diese kleineren LKW bringen aus unserer Sicht mehr Nach- als Vorteile mit sich und sind deshalb raus. 
  3.  Geringer Anschaffungspreis und ein gewisses Alter. Wer wie wir ganz normal für sein Geld arbeiten muss, nicht geerbt hat und auch nicht über ein ordentliches passives Einkommen während der Reise verfügt, ist beim Anschaffungspreis eines Expeditionsfahrzeugs limitiert. Dazu kommt die zu hinterlegende Kaution für das in Afrika benötigte Carnet de Passage. Diese richtet sich nach dem aktuellen Zeitwert des Fahrzeugs. Ein gewisses Alter ist von Vorteil, da die modernen Errungenschaften der Motorentechnik wie Dieselpartikelfilter (DPF), SCR Katalysator mit Harnstoffeinspritzung und hochkomplexe Motorelektronik im afrikanischen Busch eher hinderlich sind. Fast kein Euro 6 Diesel wird den schwefligen Sprit in Ägypten schadlos überleben und die 5.000 Meter Pässe in Südamerika haben schon manchem Partikelfilter das Leben ausgehaucht.

Welche Fahrzeuge kamen für uns in Frage oder auch nicht?

Unter den kleinen Reisefahrzeugen spannend sind natürlich das typische Buschtaxi, der Toyota Land Cruiser HZJ und der Landrover Defender 110 mit Hubdach. Beide erfreuen sich in der Szene sicher nicht ohne Grund sehr großer Beliebtheit. Es ist schon fast eine Glaubensfrage, zu welchem Lager man sich zählen möchte. Da ich es mit dem Glauben nicht so habe und religiösen Bewegungen eher skeptisch gegenüberstehe, waren beide raus. Naja, der Toyota vor allem deshalb, weil vernünftige Fahrzeuge schlichtweg zu teuer für uns sind ;-).

Ebenfalls nicht in Frage kamen Pickups mit großen Kabinen, die auf die Pritsche aufgesetzt werden. Diese sind einfach zu schwer für Offroad-Abenteuer und können schnell zum Alptraum werden – Stichwort “Rahmenbruch”.

Der Mitsubishi L200 der dritten Generation (K74T)

Ende 2015 sind wir über die Annonce für einen 2004er Mitsubishi L200 mit fest verschraubter Eigenbau-Kabine gestolpert, die uns gut sehr gefallen hat. Der Wagen war in ordentlichem Zustand und der fachkundige Vorbesitzer hatte aus einem geschweißten Alu-Rahmen mit GFK Verbundplatten eine solide und gleichzeitig leichte Kabine mit Zelt-Hubdach gebaut. Der Ausbau gefiel uns nicht so gut, was aber kein Hindernis sein sollte. Schnell hatten ein paar große Scheine den Besitzer gewechselt und wir hatten unser Fahrzeug. 

Nach den guten Erfahrungen mit dem Mitsubishi entlang der Panamericana hoffen wir, dass der L200 uns auch ein zuverlässiger Begleiter bei den kommenden großen Reisen sein wird. Der 4D56 Dieselmotor mit Turbo und 115 PS gilt nicht unbedingt als robustestes Triebwerk, ist aber wenigstens weltweit verbreitet und recht simpel aufgebaut. Ordentliches Warmfahren und Nachlaufenlassen soll Turbo- und Zylinderkopfschäden vorbeugen. Die letzten 3 Jahre lief er ordentlich und eine neue Zylinderkopfdichtung ist in der Ersatzteilkiste ;-). Was wir bisher an dem Fahrzeug gemacht haben:

  • Ausgelutschte Kupplung gegen eine verstärkte getauscht
  • Wasserpumpe, beide Zahnriemen und Umlenkrollen getauscht
  • Klimakompressor mit schwerem Lagerschaden gegen einen gebrauchten mit leichtem Lagerschaden ausgetauscht
  • Defekten Starter erneuert
  • Riemensatz erneuert und Ventilspiel eingestellt
  • Unterdurckventile für den Turbo mehrfach getauscht
  • 140l Longranger Tank eingebaut
  • Lagerungen des Lenkgestänges erneuert
  • Rostschutz
  • AT-Bereifung (General Grabber AT2)

Was noch kommt:

  • Verstärktes Fahrwerk an der Hinterachse
  • Stoßdämpfer rundum
  • falls notwendig Fahrwerkslager

Hier ein paar Fotos von unserem rollenden Zuhause:

Der Innenausbau

Wenn man nur ein paar Quadratmeter zur Verfügung hat und auf diesen etliche Monate verbringen möchte, sollte man sich Gedanken über die Raumaufteilung machen. Wir haben die alte Einrichtung rausgeschmissen und durch eine selbst entworfene und selbst gebaute ersetzt. Für die Schränke und Regale wurde ein leichter und robuster Casemaker Ausbau auf Basis von Aluminiumprofilen und Buchenholz-Verbundplatten gewählt. Dadurch entstand ein in sich stabiler Ausbau, der nur mit dem Boden unserer Kabine verschraubt ist. Dies verhindert mechanische Spannungen, wenn sich der Kabinenaufbau im Gelände verwindet. Die Oberflächen sind leicht abwischbar und beständig gegen Wasser. Wohnliche Akzente im ansonsten eher funktional anmutenden Ausbau bieten eine Arbeitsplatte und ein Tisch aus gewachstem Akazien-Leimholz. Hier mal ein paar Daten:

  • 300 W Solaranlage zur Speisung von 2 x 100 Ah 12 V AGM Bordbatterien (da muss noch was optimiert werden vor Abreise)
  • 1500 W Wechselrichter für 230 V AC Verbraucher, diverse USB-Ladeports
  • 4-Zonen LED-Beleuchtung 
  • Druckwasser-System mit Reich UniQuick Rohrsystem
  • 70l Frischwassertank, einstufiges Filtersystem (Wasser wird nur abgekocht getrunken)
  • Wasserhahn und Spüle zur Entnahme innen 
  • Außendusche mit Schnellkupplung
  • Diesel Luft-Standheizung
  • Portapotti 
  • Bett 180 x 130 cm mit richtiger Matratze (offenes Hubdach)
  • Notbett 180 x 100 cm bei geschlossenem Hubdach

Wir haben uns dazu entschieden, kein umfangreiches Wasserfiltersystem einzubauen. Dies ist aufwendig und braucht recht viel Platz. Wir werden wieder Trinkwasser in möglichst großen und überall auf der Welt erhältlichen Behältern kaufen (z.B. 5 Liter oder 1-Gallon Einwegflaschen). Dies ist zwar  aus Umweltgesichtspunkten nicht ideal aber dieser Kompromiss für unsere Gesundheit ist es uns wert.

Hier ein paar Fotos vom Umbau und dem Ergebnis. Wenn wir fertig sind, gibt es wieder einen Post. 

Euer Armin

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