ReiseteamTanjaÜber unsWorldtrip 2019 / 2020

Persönliche Gedanken während einer langen Reise

Tanja Sudan

Die letzten Tage hatte ich viel Zeit darüber nachzudenken, wie ich die letzten Wochen und Monate empfunden habe. Sicherlich verliert oder gewinnt manches Erlebtes an Emotionen, wenn mehr Zeit vergangen ist. Aber grundsätzlich kann man sich an alles noch gut erinnern und die Gefühle sind wieder intensiv da.

Freiheit

Über 4 Monate haben wir die Balkanländer und die Türkei bereist und in dieser Zeit konnten wir unsere Seelen baumeln lassen und einfach nur genießen. Durch Europa zu reisen ist sehr entspannt. Man muss sich keine Gedanken machen, wo man nachts schläft, denn es findet sich immer ein sicheres Plätzchen zum Stehen. Man hat sicherlich Sprachbarrieren, aber die sind mit Händen und Füßen immer überwindbar und auch wenn kulturelle Unterschiede da sind, ist man sich doch sehr ähnlich. Gerade in Griechenland hatte ich das Gefühl, wieder bei mir angekommen zu sein. Den Camper direkt am Meer stehen zu haben, bei Wellenrauschen einzuschlafen und aufzuwachen ist so beruhigend. Anstatt einer Dusche morgens springt man in das erfrischende Meer und schon ist man hellwach. Ein frisch gepresster Kaffee mit Blick aufs Meer lässt dich spüren, wie wunderschön die Welt doch ist. In diesen Tagen habe ich viel über mich gelernt und ich habe Glücksgefühle empfunden, für die ich immer dankbar sein werden. Denn eines ist klar: Auch oder gerade als Reisender gibt es Tiefen, die bezwungen werden müssen. Es ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Herausforderungen

In der Arbeitswelt treibt dich um, ob der zugesagte Liefertermin eingehalten wird, ob du für die nächste Präsentation gut vorbereitet bist. Oder es sind die zwischenmenschlichen Angelegenheiten, welche dir Kraft rauben. Kaum hat man Europa verlassen, treiben dich täglich neue Dinge um, welche in unserem normalen Alltag zu Hause automatisch gegeben sind. Wo kaufe ich heute ein? Wo bekomme ich Geld her? Wo kann ich mir sauberes Wasser für den Wassertank im Auto besorgen? Wo finde ich die nächste Tankstelle? Wo und wie finde ich heute Nacht einen sicheren und im besten Fall noch schönen Schlafplatz? Und ganz elementar wichtig: Wie geht es unserem 3. Mitglied im Reisebund? Hat das Auto alles was es braucht? Bringt es uns sicher an das geplante Ziel von heute? Wie wichtig dies ist, erfahren wir bald am eigenen Leib.

Abenteuer

Nun aber zu unserer Zeit in Afrika. Als wir in Ägypten ankamen, waren wir angespannt, denn nun kamen andere Aufgaben auf uns zu. Wir mussten uns das Sudanesische Visum in Kairo besorgen und wir wollten uns auch gleich das Äthiopische Visum abholen. Das sind Herausforderungen, für die man Kraft braucht, die man aber meist erfolgreich meistert. Dann mussten wir auf unser Auto warten. Hoffentlich wurde am Auto nichts beschädigt. Hoffentlich bekommen wir unseren Camper schnell aus dem Zoll. Aber mit Hilfe eines Agenten war auch diese Hürde leicht genommen. Und dann heißt es „on the road again“. Nun begann der absolut spannende Teil unseres Abenteuers und wir merkten auch, das Abenteuer nicht immer Freude bereitet. Die ersten Wochen, die wir durch die Länder Ägypten, Sudan und Äthiopien reisten, waren anstrengend. Man hat natürlich erst Mal einen Kulturschock, es machen einem auch die Temperaturen zu schaffen und die langen Fahrtage kratzen an den Nerven.

Sorgen

Dann kommen Sorgen hinzu, wenn der Partner plötzlich krank wird. Wenn man in den Malaria Hochrisiko-Gebieten trotz Mückenschutz überall Stiche hat. Man hat einen „Reiseplan“ im Kopf, der plötzlich auf den Kopf gestellt wird, weil man Pausen braucht, um wieder fit zu werden. Zum ersten Mal wird man vom Heimweh überfallen. Man wünscht sich die Sicherheit des deutschen Alltags zurück, die vertraute Wohnung in der man sich immer wohl gefühlt hat, die Familie an der man so hängt und dann wird man traurig. Ja, das alles gehört zum Reisen dazu, ob man will oder nicht. Die andere Seite ist aber, dass man täglich wunderschöne Dinge erlebt, nette und liebenswürdige Menschen kennen lernt und jeden Tag ein Stück mehr über seine eigenen Grenzen hinauswächst, denn stehenbleiben ist nicht.

Und plötzlich mitten in Äthiopien macht das Auto keinen Mucks mehr, die Geräusche lassen schlimmstes vermuten und genau so ist es. Man wird direkt vor Weihnachen 170 km auf einem Abschlepper in die Hauptstadt Addis Abeba gebracht und in diesem Moment weiß man nicht, ob die Reise weitergeht. Sieben Tage erlebt man täglich ein Auf und Ab, wobei ehrlich gesagt deutlich mehr Tiefpunkte dabei sind. Aber auf der anderen Seite verbringt man eine Woche mit Familienanschluss, man hat Einblick in das Leben der Menschen und die Personen wachsen einem ans Herz. Allerdings macht es einen auch traurig zu sehen, wie wenig positiv sie die Zukunft in ihrem eigenen Land sehen.

Reiseliebe

Wir lieben das Reisen und wir lieben das Abenteuer, aber wir haben in den letzten Wochen erfahren, dass Abenteuer auch beängstigende, verzweifelte und traurige Momente mit sich bringt. Aber natürlich auch viele wunderschöne, spannende und unvergessliche Augenblicke. Unsere Reise hat uns gezeigt, dass persönliche Grenzen dazu da sind, überschritten zu werden.

Eure Tanja

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16 comments

  1. Schön geschrieben! Weiterhin viel Kraft und glückliche Tage.

    Jan

    1. Vielen Dank Jan. Wir schöpfen gerade Kraft am Lake Naivasha :).
      Wir hoffen, ihr hattet eine tolle Zeit Thailand.
      Liebe Grüße,
      Armin & Tanja

  2. Hallo Tanja, Hallo Armin,
    Gänsehaut pur. Wir wünschen euch eine schöne Zeit. Passt auf euch auf.
    Heinz und Ulrika

    1. Das ist ja lieb Ulrika. Es bleibt immer spannend :). Wir genießen aber jetzt erst mal Kenia in vollen Zügen.
      Liebe Grüße,
      Tanja & Armin

  3. Liebe Tanja, lieber Armin
    Irgendwie habe ich immer das Gefühl bei eurer Reise dabei zu sein.
    Vielen Dank für die schönen Berichte und Tanja, Deine Gefühle und Gedanken kann man, also ich zumindest, gut verstehen und nach fühlen.
    Weiterhin eine schöne und spannende Reise für euch Beide…passt gut auf euch auf.
    Liebe Grüße Eric und Sonja

    1. Hallo ihr Zwei,
      vielen Dank für deine Nachricht liebe Sonja. Das waren echt turbulente Zeiten in Äthiopien.
      Momentan genießen wir Kenia und versuchen etwas runter zu kommen.
      Herzliche Grüße
      Tanja

  4. Liebe Tanja, lieber Armin
    Zuerst einmal muss ich dir liebe Tanja sagen, dass du einen wunderschönen bewegenden Bericht geschrieben hast. Über Weihnachten waren meine Gedanken rund um die Uhr bei euch und eurem defekten Camper und wir haben zu Hause mitgefiebert wie alles weitergeht. Zum Glück waren wir fast täglich in Verbindung und so konnten wir euch zumindest mental ein bisschen unterstützen! Die Reise konnte zum Glück ja weitergehen und in Gedanken reisen wir mit.
    Mama

    1. Hallo liebe Mama,
      Wir waren sehr froh, dass wir immer Kontakt hatten in der turbulenten Zeit. Ich wäre sonst glaub verrückt geworden :).
      Und eure seelisch moralische Unterstützung und das Daumen drücken war dann ja auch erfolgreich.
      Und ohne deine Hilfe hätte ich das Häkeln wohl nie gelernt 😉 ;).
      Herzliche Grüße
      Tanja & Armin

  5. Schöner Bericht

    1. Danke Dir!
      Euch weiterhin gute Fahrt und auf hoffentlich bald.
      Liebe Grüße,
      Tanja

  6. Wir wünschen Euch weiterhin viel Kraft und Freude auf Euerer Reise! Macht weiter so und gebt nicht auf. Auch wenn wir nur ein paar wenige Tage miteinander verbracht haben, habt ihr doch unsere Planung und unseren weiteren Weg sehr maßgeblich beeinflusst. Wir haben unser Ziel jetzt deutlich vor Augen und das ist wichtig für uns gewesen.
    Ich hoffe wir treffen uns wieder! – Macht genau weiter so…

    1. Hallo ihr Lieben,
      vielen Dank für eure Nachricht. Wir freuen uns sehr, dass wir euch inspirieren durften :).
      Und wir geben sicher nicht auf – es gibt immer eine Lösung!
      Wir hoffen auch, dass wir euch irgendwo auf der Welt wieder treffen werden und wir wissen dann auch schon was es zu Essen gibt ;).
      Herzliche Grüße,
      Tanja & Armin

  7. Hallo Tanja (und Armin!), genau diese dumpfen Gefühle im Bauch, während ich gespannt eure Berichte verfolge…die Ungewissheit, wenn mal 1-2 Tage in eurem “Tagebuch” nichts erscheint, um dann wie der Phoenix glücklich wieder präsent zu sein. Hürden überwunden, welche sind die nächsten? Ihr seid hartnäckig und besonnen, ein gutes Team. Ganz liebe Grüße
    Brigitte

    1. Hallo Brigitte,
      es freut mich sehr, von Dir zu hören. Wie geht es dir denn?
      Wir freuen uns immer über “Mitreisende” und oft ist uns gar nicht bewusst, wie intensiv ihr alles mit uns erlebt.
      Gerade genießen wir Kenia total. Hier ist alles etwas einfacher und die ersten Tiersichtungen hatten wir auch schon.
      Liebe Grüße
      Tanja

  8. Hallo ihr Beiden
    Kann ich gut nachvollziehen, reisen ist nicht Urlaub! Auch wir hatten Momente wo man am liebsten irgendwo anders gewesen wäre, denn nicht immer läuft es wie man möchte. Zum Glück hatten wir mit dem Auto nie ernsthafte Probleme, da kann einem ein ganz schönes Loch in die Kasse reisen, abgesehen von den ganzen Umständen bis es wieder läuft.

    Weiterhin viel Glück
    Ueli und Myrta

    1. Hallo Ueli und Myrta,
      mit so einem Break Down hatten wir auch in unserem schlimmsten Alptraum nicht gerechnet. Wir sind sehr froh, dass wir jetzt wieder unterwegs sind.
      Gerade an Weihnachten hätte ich mich am Liebsten kurz Heim gebeamt :). Aber es gibt immer Hoch und Tiefs und da muß man dann einfach durch.
      Gerade genießen wir Kenia in vollen Zügen. Das Land hat so viel zu bieten und die Campingplätze sind super schön.
      Liebe Grüße
      Tanja & Armin

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