Sizilien ist ein Paradies für Camper. Die größte Insel im Mittelmeer bietet wilde Natur, aktive Vulkane, wunderbare Küsten und Strände, sowie Städte voller Kultur und Historie. Dazu kommen die gastfreundlichen Sizilianier, die trotz einer großen Anzahl an Wohnmobilreisender sich noch immer über Besuch freuen. Auch die Themen Parken und Wildcamping sind auf Sizilien kein Problem – sofern man sich an die Regeln des gesunden Menschenverstandes hält. Wir waren mit An- und Abreise gut drei Wochen mit dem Camper in der zweiten Septemberhälfte unterwegs.
Inhalt
Orte von Interesse / Route
Nach einer entspannten Anreise mit der Fähre nach Palermo starten wir unsere Rundreise auf Sizilien. Von der lebhaften Hauptstadt geht es zunächst an die Nordwestküste nach San Vito lo Capo, wo uns ein traumhafter Strand und türkisblaues Wasser erwarten. Über das mittelalterliche Erice mit seinen engen Gassen und die Hafenstadt Trapani fahren wir weiter nach Selinunte, um die beeindruckenden Ausgrabungen der antiken griechischen Stadt direkt am Meer zu erkunden.
Unser Weg führt uns anschließend nach Agrigent ins Tal der Tempel, bevor wir in die Nordregion des Ätna aufbrechen. Hier wandern wir durch die Vulkanlandschaft und genießen die spektakulären Ausblicke. Im Süden entdecken wir den Naturpark Vendicari mit seinen Lagunen und Stränden, bevor wir die barocke Pracht von Noto erleben. Über die Schlucht Cavagrande del Cassibile erreichen wir Syrakus und die historische Altstadt Ortigia.
Ein Abstecher zu den Nekropolen von Pantalica bringt uns in die Stille der Natur, bevor wir in Milazzo ankommen – Ausgangspunkt für unseren spektakulären Ausflug auf die Vulkaninsel Stromboli. Zum Abschluss geht es über Messina mit der Fähre aufs Festland und mit einem Stopp in Ligurien zurück nach Hause.
Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten, Erlebnisse und Begegnungen
Fähre von Genua nach Palermo
Unsere Reise nach Sizilien beginnt zu Hause in Stockach und führt uns zunächst über den Lago Maggiore Richtung Süden. Weil wir das Städtchen so lieben, machen wir einen kurzen Stopp im schönen Cannobio. Der Ort liegt direkt am See auf der italienischen Seite und ist uns durch viele Kurztrips mit dem Camper und dem Motorrad wohl bekannt. Es fühlt sich fast wie ein Heimkommen an. Wir trinken Kaffee und essen eine leckere Pizza in der Altstadt, bevor es wieder auf die Autobahn geht.
Am Nachmittag erreichen wir Genua im Regen. Wir fahren direkt in den Hafen, denn am Abend geht es direkt auf die Fähre nach Palermo. Die Verbindung mit GNV geht über Nacht und bevor wir an Bord der neuen (komplett in China gebauten) Fähre fahren, geht ein Wolkenbruch auf uns und die armen wartenden Motorradfahrer nieder.
Wir haben eine Doppelkabine und schlafen gut auf ruhiger See. Den Sonnenaufgang erleben wir auf dem Sonnendeck irgendwo auf Höhe von Sardinien. Der Camper steht währenddessen sicher auf dem Autodeck. Nach gut 20 Stunden Überfahrt kommen wir am späten Nachmittag in Palermo an. Im Hafen herrscht Stau und wir müssen einige Zeit warten, bis das Schiff einfahren darf. Es ist September und die Tage schon nicht mehr so lang. Erst im Dunkeln kommen wir auf unserem Campingplatz an.
Palermo – Stadtbesichtigung mit dem Zug
In Palermo übernachten wir auf dem stadtnahen, nördlich gelegenen Campingplatz Camping degli Ulivi. Der Platz ist eher einfach, eignet sich aber gut als Ausgangspunkt für einen Stadtbesuch. Für die Erkundung von Palermo lassen wir das Auto stehen und nehmen den Regionalzug. Von der nächstgelegenen Station Sferracavallo fahren wir direkt ins Stadtzentrum, was nach kurzem Studium des Fahrkartenautomaten unkompliziert und schnell funktioniert.
In Palermo angekommen, erkunden wir die Stadt zu Fuß. Das Zentrum wurde in den letzten Jahren stark verkehrsberuhigt, viele Bereiche sind inzwischen Fußgängerzone. Dadurch lässt sich die Stadt deutlich entspannter erlaufen als noch vor einigen Jahren, als der Verkehr allgegenwärtig und völlig chaotisch war.
Wir kommen in der Nähe des Parco d’Orléans am Palazzo Reale mit dem Zug an und laufen zunächst durch den Park Villa Bonanno. Von dort geht es weiter Richtung Kathedrale von Palermo, einem der wichtigsten Bauwerke der Stadt. Anschließend bewegen wir uns durch die belebte Innenstadt bis zu den Quattro Canti.
Die Quattro Canti sind eine barocke Platzanlage an der Kreuzung der beiden Hauptachsen Palermos. Die vier nahezu identischen Fassaden markieren die historischen Stadtviertel und bilden einen zentralen Orientierungspunkt in der Altstadt. Kaum zu glauben, dass sich hier früher der Innenstadtverkehr durchgequält hat.
Zum Mittagessen ziehen wir uns etwas aus dem Trubel zurück und gehen in die Pizzeria Frida. Dort essen wir eine sehr gute Pizza und trinken einen halben Liter Rosé – genau richtig für eine Pause zwischendurch.
Am Nachmittag schlendern wir gemütlich weiter durch die Innenstadt. Wir kommen am Teatro Massimo vorbei, dem größten Opernhaus Italiens, und gönnen uns natürlich noch Cannoli, die man in Palermo an jeder Ecke bekommt. Zufrieden und gut gesättigt fahren wir am späten Nachmittag mit dem Zug zurück zum Campingplatz.
Nordküste und San Vito lo Capo
Von Palermo fahren wir entlang der Nordküste Siziliens weiter nach San Vito Lo Capo. Der Ort ist vor allem für seine große Bucht mit hellem Sand und sehr seichtem Wasser bekannt und zählt zu den beliebtesten Badestränden der Insel. Entsprechend hoch sind unsere Erwartungen, da wir im Vorfeld schon viel darüber gehört haben.
Der Strand ist jedoch – typisch italienisch – nahezu vollständig bewirtschaftet. Die schönsten Abschnitte sind mit Liegen, Sonnenschirmen sowie dahinterliegende Bars und Restaurants belegt. Diese Art der Strandnutzung ist nicht ganz nach unserem Geschmack. Am Ende des Strandes finden wir schließlich einen freien Abschnitt, an dem wir unser Handtuch ausbreiten und ins angenehm warme, flache Wasser gehen können.
Wir verbringen den Nachmittag am Meer, merken allerdings irgendwann, dass wir mit der Sonnencreme etwas zu sparsam waren. Der Sonnenbrand stellt sich erstaunlich schnell und massiv ein. Also packen wir zusammen und ziehen uns in ein nahegelegenes Strandcafé zurück. Dort gönnen wir uns eine Zitronen-Granita und einen Kaffee – wie überall in Italien auch hier erfreulich günstig. Ein klassischer Moment von Dolce Vita, den wir richtig genießen.
Am späten Nachmittag fahren wir weiter. Nördlich von San Vito Lo Capo verlassen wir die Teerstraße in Richtung Sentiero Cala Mancina. Die nun anschließende Dirtroad führt unterhalb einer Klippe entlang, die den Kiesstrand hier vom Ort San Vito lo Capo abschirmt. Mit unserem Hilux finden wir an diesem herrlichen Küstenabschnitt einen Platz zum Wildcampen. Um diese Jahreszeit sind noch ein paar andere Camper hier und wir beschließen, drei Nächte hier zu bleiben. Was für ein schöner Ort.
Erice und Selinunte – Bergstadt und antike Tempel
Nach drei wunderbar entspannten Nächten hinter San Vito Lo Capo, die wir an einem wilden Strand mit vielen Badegängen und schönen Sonnenuntergängen verbringen, machen wir uns wieder auf den Weg. Wir fahren weiter Richtung Süden und orientieren uns dabei zunächst an der Westküste Siziliens.
Unser erster Stopp ist das Städtchen Erice, das malerisch auf einem Berg oberhalb von Trapani liegt. Wir haben Glück und finden mit unserem Camper etwas außerhalb des historischen Zentrums einen kostenlosen Parkplatz. Da wir inzwischen außerhalb der Hauptsaison unterwegs sind, ist das hier problemlos möglich.
Durch die Porta Trapani betreten wir den historischen Stadtkern. Entlang der alten Stadtmauer haben wir immer wieder schöne Ausblicke hinunter auf Trapani und hinaus aufs Meer. Von hier oben erkennt man auch bereits die Salzterrassen, für die die Region bekannt ist. Erice finden wir toll – ruhig, überschaubar und mit einer besonderen Lage.
Zum Mittagessen gehen wir in die kleine Paninaria Gusto Panino Gourmet. Wir essen zwei Panini, eines mit Rohschinken und eines mit Thunfisch – beide wirklich sehr lecker. Zum Abschluss gönnen wir uns noch ein paar Cannoli, diesmal ein besonders große Exemplare, gefüllt mit süßem Ricotta.
Nach ein paar entspannten Stunden in Erice fahren wir wieder hinab Richtung Trapani und halten hinter der Stadt noch einmal an einer der bekannten Salinen, bevor wir unsere Fahrt nach Süden fortsetzen.
Unser nächstes Ziel ist Selinunte mit dem Parco Archeologico di Selinunte, einer der größten archäologischen Anlagen Europas. Das Gelände ist weitläufig und beeindruckend, liegt direkt an der Küste und vermittelt gut, welche Bedeutung die antike Stadt einst hatte.
Wir folgen einem langen Fußweg hinauf zur Tempelanlage mit dem Tempel E, einem ehemaligen Hera-Tempel, der sehr gut rekonstruiert wurde und besonders eindrucksvoll wirkt. Entlang des Weges stoßen wir immer wieder auf moderne Kunstinstallationen: Skulpturen, die vom Aussterben bedrohte Tierarten in unterschiedlichen Szenen darstellen und einen interessanten Kontrast zur antiken Umgebung bilden.
Von der oberen Tempelanlage laufen wir weiter hinunter zur zweiten Anlage in Meeresnähe. Von dort haben wir einen schönen Blick auf den vorgelagerten Strand, der früher der Hafen von Selinunte war und heute weitgehend versandet ist.
Am späten Nachmittag fahren wir wieder ein Stück zurück nach Westen und übernachten in der Gegend um Torretta Granitola, direkt am Faro di Capo Granitola. Am Leuchtturm finden wir einen ruhigen Platz, verbringen eine ungestörte Nacht und genießen einen sehr entspannten Sonnenuntergang direkt am Meer.
Agrigento und Punta Bianca – Antike Tempel und weiße Küste
Unsere Fahrt führt uns weiter entlang der Südküste Siziliens nach Osten bis nach Agrigento. Die Stadt selbst liegt etwas erhöht auf einem Hügel, ein Stück abseits der Küste. In Agrigento wollen wir uns natürlich das Valle dei Templi anschauen. Zunächst tun wir uns allerdings etwas schwer, den richtigen Eingang und einen passenden Parkplatz zu finden, da das Gelände sehr weitläufig ist.
Schließlich erreichen wir den Haupteingang der archäologischen Stätte und starten unsere Besichtigung erstmal mit einem Platz in der langen Schlange am Kassenhäuschen. Im Gegensatz zu Selinunte ist das Valle dei Templi deutlich stärker besucht. Immer wieder treffen wir auf größere Reisegruppen, was den Rundgang etwas weniger ruhig macht.
Das Valle dei Templi gehört zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Siziliens. Entlang eines mehrere Kilometer langen Weges stehen gut erhaltene dorische Tempel aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, darunter der beeindruckende Tempel der Concordia, einer der besterhaltenen antiken Tempel überhaupt. Trotz des Besucherandrangs ist die Anlage sehr sehenswert und vermittelt eindrucksvoll, welche Bedeutung Agrigento in der Antike hatte.
Nach einigen Kilometern zu Fuß setzen wir unsere Reise mit dem Camper fort. Unser Ziel für die Nacht liegt nicht weit entfernt, im Riserva naturale di Punta Bianca. Wir folgen einer Schotterstraße hinunter in Richtung Küste und stellen unser Auto schließlich oberhalb der Klippen nahe einer kleinen Strandbar ab.
Eine sehr steile und ausgewaschene Piste führt von dort hinab zum Strand. Unten erwartet uns ein wunderschöner, weißer Küstenabschnitt, der ein wenig an die Scala dei Turchi erinnert, die wir zuvor aus der Entfernung gesehen haben, da man mittlerweile vorab online Tickets kaufen muss. Die hellen Felsen bestehen hier aus weißem Mergel- und Kalkgestein, das der Küste ihre fast leuchtende Farbe verleiht. Wir baden im kristallklaren Meer und genießen die ruhige, naturbelassene Umgebung.
Für einen kurzen Moment staunen wir nicht schlecht, als wir unterhalb der Piste einen VW Polo sehen, der sich offenbar tatsächlich hier hinuntergewagt hat. Als der Fahrer später wieder nach oben will, hat er keine Chance: Das Auto setzt mehrfach auf, Plastikteile fliegen und die Räder drehen durch. Am Ende bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf die Hilfe eines Allradfahrzeugs zu warten, dessen Fahrer in weiser Voraussicht seine Dienste anbietet.
Wir entscheiden uns trotz unseres eigenen Allrads im Toyota Hilux bewusst dagegen, den steilen Weg hinunterzufahren. Stattdessen übernachten wir oben auf den Klippen, mit freiem Blick Richtung Agrigento und hinaus auf das offene Meer. Ein ruhiger Platz mit schöner Aussicht und ein sehr gelungener Abschluss des Tages.
Zum Ätna – über das Hinterland in den Norden des Vulkans
Da für die kommenden Tage noch stabiles Wetter angesagt ist, sich die Prognose aber vor allem für den Ätna bald verschlechtern soll, entscheiden wir uns spontan, unsere Route anzupassen. Direkt von Punta Bianca fahren wir durch das sizilianische Hinterland über Caltanissetta weiter Richtung Osten, vorbei an Catania, und direkt hinauf zum Ätna.
Da ich den Ätna vor einigen Jahren bereits von der Südseite besucht habe, wollen wir dieses Mal den Norden des Vulkans kennenlernen. Unsere Route führt uns über den Ort Fornazzo hinauf zur Piano Provenzana auf der Nordseite des Ätna.
Wir finden einen ruhigen Schlafplatz abseits der Straße mitten im Wald, wo wir den Camper gut abstellen können. Da es noch nicht spät ist, machen wir uns am Nachmittag direkt auf eine erste Erkundungswanderung. Unser Weg führt uns durch die Gegend der Monti Sartorius und weiter bis zur Piano Provenzana, wo wir uns bereits einen Überblick verschaffen und schauen, wo am nächsten Tag unsere geführte Tour starten wird.
Der Spaziergang durch die Wälder ist sehr schön, aber auch etwas spooky. Es ist neblig, die Sicht eingeschränkt, und mit dem Wissen, dass wir uns an den Hängen eines aktiven Vulkans bewegen, wirkt die Umgebung noch einmal intensiver. Trotzdem genießen wir diese erste Begegnung mit dem Ätna sehr.
Nach einer ruhigen Nacht fahren wir am nächsten Morgen zur Piano Provenzana und melden uns bei der Touristeninformation, da wir über Get Your Guide eine Tour in Richtung Gipfel gebucht haben. Wir fahren nicht ganz bis zum Gipfel hinauf, sondern bleiben etwas unterhalb und bewegen uns entlang der Krater des großen Ausbruchs von 2002, die die Landschaft hier bis heute prägen.
Unsere Entscheidung, frühzeitig zum Ätna zu fahren, zahlt sich aus: Das Wetter ist gut, die Wolken ziehen weiter und wir haben einen freien Blick auf den Gipfel. Die Zeit hier oben genießen wir sehr. Die Luft ist deutlich kühler und dünner als unten an der Küste – ein komplett anderes Klima, das den Aufenthalt angenehm macht.
Nach der Tour fahren wir wieder hinab in Richtung Fornazzo. Dort essen wir im einfachen Bar-Restaurant Mareneve. Es gibt sehr gute Pinsa, und auch viele Einheimische sind hier zu Gast – für uns immer ein gutes Zeichen.
Naturreservat Vendicari – Küstenwanderung und Lagunen
Mit vollem Bauch fahren wir ganz in den Südosten der Insel. Wir planen im Naturreservat Vendicari eine ausgedehnte Wanderung. Übernachtungs- und Ausgangsort ist für uns der schöne aber einfache Camping San Lorenzo im gleichnamigen Ort.
Der Start für unsere Wanderung im Naturreservat ist am Südeingang in der Nähe der Cittadella di San Lorenzo. Bereits auf dem Weg dorthin begegnen wir einer Filmcrew – offenbar wird hier gerade ein Bollywood-Film an verschiedenen Orten auf Sizilien gedreht. Ein eher unerwarteter Anblick in dieser sonst sehr ruhigen Gegend.
Innerhalb des Naturparks unternehmen wir eine lange Küstenwanderung in Richtung Norden. Unser Weg führt uns zunächst am Spiaggia di Vendicari vorbei, der etwas südlich der Tonnara di Vendicari liegt. Die ehemalige Thunfischfabrik ist ein historischer Ort entlang der Küste. Der Betrieb wurde schon vor langer Zeit eingestellt, die Ruinen sind aber bis heute gut erhalten und werden teilweise restauriert.
Weiter nördlich passieren wir den Pantano Piccolo, eine der Lagunen des Parks, bevor wir schließlich die Spiaggia di Cala Mosche erreichen. Cala Mosche ist einer der bekanntesten Strände im Naturreservat und entsprechend gut besucht. Da der Strand auch über einen anderen Eingang mit dem Auto erreichbar ist, sind hier sowohl Einheimische als auch Touristen unterwegs.
Cala Mosche markiert für uns den Umkehrpunkt unserer Wanderung. Von hier aus laufen wir denselben Weg zurück nach Süden bis zum Ausgang, an dem wir gestartet sind, und kehren anschließend zu unserem Campingplatz San Lorenzo zurück.
Der Naturpark Vendicari gefällt uns sehr gut. Die Landschaft ist abwechslungsreich, mit Stränden, Dünen, Lagunen und offener Landschaft. Immer wieder sehen wir auch Flamingos, die sich in den flachen Gewässern aufhalten. Leider kommen wir ihnen nicht nah genug, um sie länger zu beobachten.
Am Ende des Tages stehen über 20 Kilometer auf der Uhr – eine lange, aber sehr lohnende Wanderung durch eines der schönsten Naturschutzgebiete Siziliens.
Noto – Barockstadt im Südosten Siziliens
Nach unserem Aufenthalt in der Natur bei Vendicari fahren wir weiter nach Noto. Die historische Stadt liegt etwas landeinwärts, auf einem Hügel, und gehört zu den bekanntesten Barockstädten Siziliens. Nach dem schweren Erdbeben von 1693 wurde Noto vollständig neu aufgebaut und gilt heute als eines der geschlossensten Beispiele des sizilianischen Spätbarocks. Teile der Altstadt gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Wir parken unser Auto etwas außerhalb der Stadt am Area Sosta Camper Noto Parking, einem kleinen, unter Olivenbäumen gelegenen Stellplatz. Besonders praktisch: Die Wirtin bringt uns mit ihrem etwas klapprigen Fiat Ducato direkt in die Stadt, sodass wir nicht den gesamten Weg zu Fuß zurücklegen müssen. Am Abend holt sie uns dort auch wieder ab.
Der historische Stadtkern von Noto ist sehr schön angelegt und wirkt fast wie eine Bühne. Entlang der breiten Hauptstraße reihen sich Palazzi, Kirchen und kleine Plätze aneinander. Höhepunkt ist die Kathedrale San Nicolò, die oberhalb der Stadt thront und das Stadtbild prägt. Von hier aus hat man auch einen schönen Blick über die Dächer von Noto.
Wir schlendern durch die Fußgängerzone, trinken einen Aperol Spritz und genießen das ruhige Stadtleben. Zum Essen entscheiden wir uns für die La Verace Pizzeria e Cucina Siciliana Noto, wo wir eine gute Pizza essen.
Noto wirkt auf uns ein wenig wie ein Freilichtmuseum. Viele junge Menschen scheinen hier nicht mehr zu leben, was der Stadt zwar eine gewisse Ruhe verleiht, aber auch etwas Abstand zum alltäglichen Leben schafft. Dafür ist der Charme der historischen Gebäude überall spürbar.
Auch hier treffen wir erneut auf die Bollywood-Filmcrew, die offenbar weiterhin an verschiedenen Orten in der Stadt dreht. Ein ungewöhnlicher, aber durchaus unterhaltsamer Begleiter unserer Reise durch Sizilien.
Cava Grande del Cassibile und Syrakus – Schlucht, Antike und Altstadt
Von Noto aus fahren wir zunächst zum Cava Grande del Cassibile, einem der bekanntesten Naturgebiete im Südosten Siziliens. Die Cava Grande ist eine tief eingeschnittene Schlucht, die sich über viele Kilometer durch das Kalksteinplateau gezogen hat. Unten im Tal hat der Fluss Cassibile über Jahrtausende natürliche Becken ausgewaschen, die heute als klare, kühle Badeseen bekannt sind. Das Gebiet steht unter Naturschutz und zählt zu den schönsten Schluchten Siziliens.
Wir parken unseren Camper oberhalb der Schlucht, bezahlen eine kleine Eintrittsgebühr und machen uns anschließend zu Fuß auf den Weg nach unten. Der Abstieg ist relativ steil und erfordert etwas Trittsicherheit, ist aber gut machbar. Unten angekommen, erwarten uns immer wieder diese natürlichen glasklaren Badeseen, eingebettet in die Felsen.
Das Wasser ist herrlich frisch, und wir nutzen die Gelegenheit sofort, ziehen die Badekleidung an und springen ins Wasser. Eine perfekte Erfrischung, gerade nach dem Abstieg. Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns wieder auf den Rückweg – nun allerdings bergauf. Der Aufstieg zurück zum Parkplatz ist anstrengender, aber die Mühe lohnt sich.
Nach diesem sehr schönen Vormittag fahren wir weiter in Richtung Syrakus. Die Stadt bietet eine große Vielfalt an Sehenswürdigkeiten, sodass wir unseren Besuch aufteilen. Zunächst steuern wir den Parco Archeologico della Neapolis an. Wir parken etwas außerhalb auf einem bewachten Parkplatz und laufen von dort in die Ausgrabungsstätte.
Das griechische Theater von Syrakus ist beeindruckend groß und sehr gut erhalten. Es wurde bereits im 5. Jahrhundert vor Christus in den Fels gehauen und zählt zu den bedeutendsten seiner Art. Ebenfalls sehenswert ist das Ohr des Dionysios, eine von Menschenhand geschaffene Höhle mit besonderer Akustik. Vielen ist sie aus dem Film Indiana Jones bekannt. Wir gehen hinein und genießen die etwas mystische Stimmung, die hier herrscht.
Anschließend fahren wir mit dem Auto weiter zum Hafen und stellen es auf einem großen Parkplatz ab. Von dort gelangen wir zu Fuß in die Innenstadt und auf die Altstadtinsel Ortigia, das historische Herz von Syrakus. Hier unternehmen wir einen ausgedehnten Stadtbummel, essen Arancini und Cannoli und trinken dazu einen guten Kaffee.
Während wir unterwegs sind, ziehen vom Meer her dunkle Wolken auf. Ein Unwetter kündigt sich an. Gerade noch rechtzeitig finden wir in einem Straßencafé einen Platz unter einer wasserdichten Markise. Wir bestellen einen Limoncello-Spritz und einen Aperol-Spritz und beobachten, wie der Regen niedergeht und die Menschen auf der Straße vor dem Wasser flüchten. Mit Blick aufs Meer ist das ein sehr entspannter Moment.
Syrakus gefällt uns ausgesprochen gut. Die Stadt ist lebendig, vielseitig und bietet mit Ortigia eine wunderschöne Altstadt. Für uns ein klarer Tipp für jeden Sizilien-Besuch.
Am Abend fahren wir noch ein Stück ins Landesinnere und weiter nach Norden, zu den Nekropolen von Pantalica. Außerhalb des Nationalparks können wir am Besucherzentrum kostenlos übernachten. Die Menschen dort sind sehr freundlich, erklären uns genau, wo wir stehen dürfen, und erlauben uns sogar, die Toiletten über Nacht zu benutzen. Eine sehr angenehme und gastfreundliche Erfahrung.
Pantalica und Milazzo – Schluchten, Nekropolen und Blick zu den Äolischen Inseln
Nach einer wunderbar ruhigen Nacht oberhalb der Nekropolen von Pantalica starten wir am nächsten Morgen zu einer Wanderung durch dieses beeindruckende Gebiet. Vom Schlafplatz am Nationalparkzentrum fahren wir etwa fünf Kilometer bis zum offiziellen Eingang der Nekropolen. Dort nutzen wir einen kostenlosen Shuttle, der uns hinab in die Schlucht zu einem guten Ausgangspunkt für die Wanderung bringt.
Wir unternehmen eine ausgedehnte Runde durch das Tal. Der Weg führt uns hinunter bis zum Fluss, zeitweise folgen wir der alten Bahntrasse von Pantalica, die heute als Wanderweg genutzt wird. Unterwegs kommen wir am Anaktoron vorbei, einer der bedeutendsten prähistorischen Siedlungsreste der Region, und besuchen außerdem die uralte Felsenstätte San Micidiario, die hoch in den Fels gehauen ist und früher vermutlich religiösen Zwecken diente.
Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und ruhig, und trotz der historischen Bedeutung wirkt das Gebiet wenig überlaufen. Nach mehreren Stunden erreichen wir schließlich wieder die Straße, wo uns der Shuttle erneut aufnimmt und zurück zum Parkplatz bringt.
Für unsere letzte Etappe auf Sizilien fahren wir anschließend weiter nach Norden. Wir passieren erneut Catania und fahren an dem inzwischen sehr teuren und stark überlaufenen Taormina vorbei, das wir dieses Mal bewusst auslassen. Unser Ziel ist Milazzo, ganz im Norden der Insel.
In Milazzo übernachten wir auf dem Agriturismo Il Gelsomino Ritrovato. Die Anlage erinnert weniger an klassische Landwirtschaft, sondern eher an einen gepflegten Garten mit mehreren einfachen Stellplätzen für Wohnmobile und auch für Zelte. Ein ruhiger und angenehmer Ort zum Ankommen.
Milazzo dient uns als Ausgangspunkt für einen Besuch der Äolischen Inseln, insbesondere Stromboli. Bevor es so weit ist, fahren wir jedoch zunächst ganz an die Spitze der Landzunge, nördlich von Milazzo, und besuchen den Naturpark Capo Milazzo. Wir parken das Auto außerhalb und wandern in das kleine Schutzgebiet hinein.
Der Park liegt spektakulär auf der Landzunge und bietet schöne Ausblicke aufs Meer. Wir haben unsere Badesachen dabei und nutzen die Gelegenheit, in der Piscina di Venere zu baden – einer natürlichen Badebucht, die durch Felsen eingefasst ist und tatsächlich an ein kleines Schwimmbecken erinnert.
Zurück in Milazzo beginnen wir schließlich mit der Planung unseres Ausflugs nach Stromboli. Für den Inselaufenthalt mieten wir ein kleines Gasthaus und lassen unseren Camper auf dem Agriturismo stehen. Der Besitzer bringt uns freundlicherweise zum Hafen, von wo aus wir das Schiff nach Stromboli besteigen.
Stromboli – Feuer, Meer und ein unvergesslicher Abend
Für unseren Ausflug nach Stromboli nutzen wir die Fährgesellschaft Liberty Lines und brechen gegen 11 Uhr morgens von Milazzo auf. Die Überfahrt ist alles andere als ruhig. Es hat ordentlichen Seegang, und mit dem schnellen Katamaran geht es zunächst nach Vulcano, dann weiter nach Lipari, Salina und Panarea, bevor wir schließlich Stromboli erreichen. Die Spucktüten kommen hier und da zum Einsatz, Tanja ist durch ordentlich Vomex betäubt.
Wir gehen in Stromboli Ort von Bord und laufen zunächst durch den Ort zum Restaurant Dal Luciano. Die Pizzeria ist bekannt für ihre Pizza, bietet aber auch frittierten Tintenfisch an. Ich entscheide mich für den Tintenfisch mit einem Glas Weißwein, Tanja wählt eine Pizza und Wasser – beides sehr lecker.
Gestärkt geht es anschließend zu unserer Unterkunft La Lampara, einem netten Zimmer in einem kleinen B&B, das zu einem gleichnamigen Restaurant gehört. Das Zimmer liegt an einem Innenhof, in dem man abends bequem in Gartenstühlen sitzen kann – eine sehr angenehme Atmosphäre.
Am Nachmittag erkunden wir das Dorf, gehen an den einen oder anderen schwarzen Lavastrand und machen uns etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang auf den Weg zum Punto Panoramico. Dafür verlassen wir den Ort in westlicher Richtung und folgen einem Wanderpfad, der hinter der ehemaligen Pizzeria Osservatorio zunehmend steiler den Berg hinauf führt. Nach einiger Zeit erreichen wir den Aussichtspunkt auf etwa 290 Metern Höhe.
Der Punto Panoramico ist frei zugänglich, man benötigt keinen Guide und zahlt keinen Eintritt – für einen Ort mit dieser Aussicht wirklich außergewöhnlich. Wer höher hinauf möchte, bis auf etwa 400 Meter, kann das nur im Rahmen einer geführten Tour. Ein Aufstieg bis zum Gipfel und zum Krater ist aktuell nicht mehr möglich, unter anderem aufgrund eines Unfalls nach einem der letzten größeren Ausbrüche.
Wir haben ein kühles Bier und etwas zum Knabbern dabei und genießen hier oben den Sonnenuntergang. Gleichzeitig beobachten wir den Stromboli, der etwa alle 15 Minuten Feuerfontänen in den Himmel schießt. Gut sichtbar ist auch die Sciara del Fuoco, die „Feuerrutsche“, über die heiße Lava in Richtung Meer abrutscht. Ein beeindruckendes Naturschauspiel und für uns eines der absoluten Highlights der Reise.
Nach Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf den Rückweg. Mit Stirnlampen ausgestattet gehen wir gemütlich den Weg zurück hinab nach Stromboli. Den Abend lassen wir noch einige Zeit im Innenhof unseres B&Bs ausklingen, bevor wir eine sehr erholsame Nacht verbringen.
Am nächsten Morgen genießen wir ein angenehmes Frühstück mit frisch gebackenem Brot, unternehmen noch einen kurzen Stadtbummel und fahren dann kurz vor Mittag mit der Schnellfähre zurück nach Milazzo – wieder über die verschiedenen Inseln. Bei der Rückfahrt war das Meer zum Glück deutlich ruhiger.
Zurück in Milazzo werden wir wieder von unserem freundlichen Gastgeber abgeholt und kehren zu unserem Campingplatz zurück. Den letzten Abend auf Sizilien verbringen wir noch in einem schönen Restaurant. Wir laufen entlang der langen Westseite der Halbinsel, am Kiesstrand entlang, und essen in der Trattoria La Campagnola.
Ein sehr stimmungsvoller Abschluss unserer Zeit in Milazzo – und zugleich unser letzter Abend auf Sizilien.
Rückreise über Kalabrien und das Festland
Gegen 8 Uhr morgens verlassen wir am nächsten Tag Milazzo in Richtung Messina. Dieses Mal entscheiden wir uns gegen die lange Fährverbindung zurück nach Genua und wählen stattdessen den Weg über das italienische Festland. In Messina setzen wir mit der kurzen Fährverbindung über die Meerenge von Messina nach Villa San Giovanni über und erreichen damit Kalabrien.
Auf relativ freien Autobahnen im Süden Italiens beginnt nun eine lange Fahretappe in Richtung Norden. Wir kommen gut voran, passieren Neapel und erreichen am späten Nachmittag die Gegend nördlich von Rom. Kurz hinter der Hauptstadt legen wir eine Übernachtungspause ein und finden einen freien Stellplatz im Ort Montopoli di Sabina.
Hier stehen wir kostenlos und genießen einen wunderschönen Blick über die hügelige Landschaft der Sabina. Direkt vor uns geht die Sonne unter, taucht die Hügel in warmes Licht und sorgt für einen sehr ruhigen, entspannten Abschluss dieses langen Fahrtages.
Nach einer erholsamen Nacht machen wir uns am nächsten Morgen direkt wieder auf den Weg – diesmal in Richtung Ligurien. Bevor es endgültig nach Hause geht, wollen wir noch einmal für zwei Nächte das Mittelmeer genießen. Unser Ziel ist die Gegend nördlich von La Spezia.
Wir fahren den Camping Smeraldo an, einen kleinen, einfachen Campingplatz in der Nähe von Moneglia, den man etwas beschwerlich über die alten Tunnel der ehemaligen Bahnstrecke erreicht. Hier verbringen wir noch einmal zwei entspannte Tage am Meer, baden, lassen die Reise Revue passieren und genießen ganz bewusst die letzten italienischen Momente.
Von hier aus geht es schließlich über die Gotthardroute zurück nach Hause – nach Stockach.
Fazit – Camper-Rundreise auf Sizilien
Eine Rundreise mit dem Camper auf Sizilien lohnt sich absolut und war für uns eine sehr gelungene Mischung aus unterschiedlichen Reiseerlebnissen. Entspannte Badetage an teils wilden Stränden wechselten sich mit aktiven Wanderungen, beeindruckenden Naturschauspielen wie dem Stromboli und ausgedehnten Besuchen in Naturparks ab.
Gleichzeitig bot Sizilien immer wieder die Möglichkeit, in lebendige Städte einzutauchen und bedeutende historische Ausgrabungen zu besichtigen – von antiken Tempelanlagen bis hin zu eindrucksvollen Altstädten. Diese Abwechslung hat die Reise für uns besonders gemacht.
Nicht zuletzt haben wir die kulinarische Seite Siziliens sehr genossen: Cannoli, Arancini, gute Pizza, einfache Trattorien, dazu Espresso, Granita und Aperol- oder Limoncello-Spritz – all das gehört hier einfach dazu und macht das Reisen umso angenehmer.
Für uns ist Sizilien ein ideales Reiseziel für Wohnmobil- und Camperreisende. Die Insel lässt sich gut erkunden, bietet viele schöne Stellplätze und verbindet Natur, Kultur und Genuss auf sehr entspannte Weise. Wir können diese Route uneingeschränkt empfehlen und sind sicher, dass wir nicht zum letzten Mal auf Sizilien unterwegs waren.
