AfrikaReisenSudanWorldtrip 2019 / 2020

Sudan: Versteckte Kulturschätze und herzliche Menschen

Sudan Wüste

Wenn man aus dem sehr turbulenten Ägypten kommt, genießt man die Ruhe im Sudan. Vor allem im nördlichen Teil des Sudans sind die Menschen unfassbar freundlich und hilfsbereit. Egal, ob man am Straßenrand was zum Essen kaufen möchte oder Datenvolumen für die SIM Karte braucht, immer wird einem geholfen und es wird mit Händen und Füßen kommuniziert. Und bis auf wenige Ausnahmen wurde uns immer extreme Gastfreundschaft entgegengebracht. Der Mann am Gemüsestand schenkt uns das Gemüse und akzeptiert partout kein Geld. Und am Polizei-Checkpoint wird uns gleich noch eine Melone geschenkt. Wir merken dann auch gleich, dass wir es nicht gewohnt sind, Dinge anzunehmen, haben die Menschen hier doch viel, viel weniger als wir.

Route

Hier findet ihr unsere Route, einschließlich unserer Übernachtungsplätze. Wir haben es sehr genossen, wieder in unserem Auto zu schlafen, nachdem das in Ägypten kaum möglich war. Insgesamt sind wir 1886 km gefahren.

Overlanding im Sudan

Der Sudan bietet wunderschöne wilde Plätze in der Wüste und meist bleibt man auch komplett unbehelligt. Wir haben unvergessliche Sonnenauf- und Untergänge in absoluter Einsamkeit erlebt.

Es kommt auch vor, dass hinter dem Übernachtungsfelsen ein Hirte schläft und man sich kurz bekannt macht. Das sind wirklich tolle Erfahrungen, an die man sich immer erinnern wird.

In Khartum ist man im Blue Nil Sailing Club für 15 US-Dollar pro Nacht für 2 Personen mit Auto gut aufgehoben.

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten

Nubische Dörfer am Nil

Die Fahrt von Wadi Halfa am Nil entlang ist etwas ganz besonderes. Man fährt durch kleinere oder auch größere Ortschaften mit ausschließlich sehr freundlichen Menschen. Die Kinder winken aufgeregt und strahlen über das ganze Gesicht, wenn wir zurück winken. Auch der Nil zeigt sich oft von einer sehr schönen Seite. Toll ist natürlich die grüne Landschaft entlang des Nils, wo Obst und Gemüse angebaut wird. Genau so stellt man sich die Oase „Nil“ vor.

Jebel Barkal – Der heilige Berg

Der Jebel Barkal ist ein kleiner Berg im Norden des Sudans. Er ist umgeben von einem ausgedehnten Ruinenfeldes, dessen frühesten Ruinen aus den Jahre 1500 v. Chr. stammen. Jebel Barkal galt den Ägyptern als südliches Gegenstück zum Tempel von Karnak. Am beeindruckendsten ist die Nekorpolenanlage mit Pyramidengräbern. Uns haben auch die Säulen des Muth Tempels sehr beeindruckt. Außer uns haben nur eine handvoll Touristen die Stätte besucht.

Sudan Jebel Barkal
Sudan Jebel Barkal

Al-Kurru Pyramiden

Das Pyramidenfeld beim Dorf al-Kurru stammt aus der Zeit von 800 v. Chr. Generell sind die Pyramiden hier am schlechtesten erhalten, da die Menschen sich des Kulturguts nicht bewusst waren und die Steine zum Hausbau benutzt haben. Es gibt zwei Gräber, die besichtigt werden können. Bei uns waren diese abgeschlossen und es war niemand zu finden, der Zugang hatte. Außer uns waren keine anderen Besucher vor Ort.

Nuri Pyramiden

Etwa 8 km von Jebel Barkal auf der Oststeite des Nils gelegen. Die Pyramiden von Nuri sind größer als die von al-Kurru und auch besser erhalten. Aber auch hier sieht man, wie sich die Wüste langsam die Pyramiden zurück holt. Die ersten Gräber entstanden um 680 v. Chr. Uns hat diese Anlage in den Bann gezogen, da wir die einzigen Besucher waren und die Anlage sehr authentisch auf uns wirkte. Auch oder gerade der Verfall macht einen ganz besonderen Charme aus.

Für die Nuri Pyramiden haben wir zu zweit SDG 300 (ca. 3,50 €) bezahlt.

Meroe Pyramiden

Die Anlage ist UNESCO Weltkulturerbe und seit Herbst diesen Jahres komplett umzäunt und kostet offiziell Einritt, welcher nicht verhandelbar ist. 940 SDG (€ 11,50) oder 20 USD pro Person. Dass das Gelände nicht mehr frei zugänglich ist, ist für den Erhalt der Stätte von großer Bedeutung und wir hoffen, dass das Eintrittsgeld sinnvoll angelegt wird.

Sudan Meroe
Sudan Meroe

Meroe war ungefähr von 400 v. Chr. – 300 n. Chr. die Hauptstadt des Reiches von Kush. Die Nekropolenanlage besteht aus zwei Pyramidenfeldern. Die einzelnen Pyramiden sind eher kleiner und spitz zulaufend. Die Pyramiden sind von Sanddünen umgeben, was der Anlage einen ganz besonderen Flair gibt. Wir nahmen uns viel Zeit, die einzelnen Pyramiden zu bestaunen und die dazwischen liegenden Dünen zu erklimmen. Man muss sich vorstellen, wir hatten Mitte Dezember bestimmt 36 Grad und wir möchten uns nicht ausmalen, wie heiß es hier im Sommer ist.

Wer die Anlage nicht zu Fuß erlaufen möchte, kann hierfür auch eines der vielen Kamele satteln.

Khartum

Wer uns kennt, weiß, dass wir wohl keine richtigen Stadtmenschen sind. Trotz allem war es schön, zwei Tage direkt am blauen Nil zu stehen und dem Treiben zuzuschauen. Zu dieser Jahreszeit ist der Nil allerdings eher braun anstatt blau. Vom Viewpoint auf Tuti Island aus kann man sehen, wie der weiße und der blaue Nil zusammentreffen.

Außerdem sind wir die Nilstraße schön abgelaufen und haben auf dem Souq Arabi Marktluft geschnuppert. Tja und dann zog es uns schon wieder in die Natur.

Essen & Restaurants

Sudanesisches Fastfood

Wir haben uns fast ausschließlich von Falafel im Brötchen, mal mit Ei, mal ohne, ernährt. Das schmeckt sehr lecker und kostet zwischen € 0,20 und € 0,40 pro Stück.

Ozone in Khartum

Westliches Restaurant, welches ein sehr schönes Ambiente hat und in dem man super leckere Burger essen kann. Tut zwischendrin auch mal gut.

Papa Costas in Khartum

Ein einfaches aber leckeres Restaurant mit Live-Musik am Donnerstagabend.

Grenzübertritt

Visum

Für den Sudan benötigt man ein Visum. Wir haben unsere Visa in Kairo auf der sudanesischen Botschaft beantragt und innerhalb eines Tages erhalten. Kostenpunkt 150 US-Dollar pro Person.

Details könnt ihr hier nachlesen.

Einreise

Wir sind über die Wadi-Halfa Landesgrenze eingereist. Eine Einreise ohne Fixer ist im Sudan nicht möglich. Wir waren vorab bereits mit Mazar per Whatsapp in Kontakt. Das Grenzareal darf erst mal nicht betreten bzw. befahren werden. Unser Carnet de Passage wurde durch das Tor dem Fixer gereicht. Nach ca. 1,5 Stunden wurden wir dann rein gewunken und wir konnten uns den Einreisestempel abholen, nicht ohne vorher noch die Route mit entsprechenden Hotels zu nennen. Es ist an dieser Stelle nicht von Relevanz, ob man die Hotels dann anfährt und auch eine Buchungsbestätigung muss nicht vorgezeigt werden.

Der Zollbeauftragte wollte dann unser Auto inspizieren. Als er aber erfahren hatte, dass man unser Heim nur barfuß betreten darf, hatte er keine rechte Lust mehr. Er durfte dann aber in feierlicher Runde die Sudan-Flagge auf unser Auto kleben, was ihm große Freude bereitet hat und somit eine weitere Autokontrolle ausfiel.

Die Kosten für die Einreise, einschließlich der Autoversicherung, betrug 950 SDG (ca. € 11). Mazar verlangt keinen fixen Preis, sondern man kann ihm geben was man möchte. Nach mehreren Aussagen von anderen Reisenden, gaben wir ihm für seine Dienste 1650 SDG (ca. € 19).

Insgesamt dauerte die Einreise 3,5 Stunden, da der Zuständige für die Autoversicherung lange nirgends zu finden war. TIA (This is Africa).

Alien Registrierung

Hier hat der Sudan noch ein „Schmankerl“ für uns. Es reicht nicht, eingereist zu sein, sondern innerhalb von drei Tagen muss man noch eine Alien Registrierung vornehmen. Also ging es direkt nach der Einreise nach Wadi Halfa zum öffentlichen Amt, wo dieser Prozess durchgeführt wird. Wir bekamen dann auch sofort sehr nette Hilfe und 45 Minuten später waren wir offizielle Aliens im Staate Sudan. Kosten sind 532 SDG (€ 6,12) pro Alien.

Sudan Visum Alien Registration
Sudan Visum Alien Registration

Ausreise

Die Ausreise kann nun ohne Fixer gemacht werden. Folgende Schritte sind nötig.

  1. Bevor man in das Grenzareal fährt wird das Visa und das Carnet überprüft.
  2. Etwa 200 m weiter befindet sich ein kleines Häuschen, in dem die Pässe kontrolliert werden und etwas in ein großes Buch eingetragen wird.
  3. Etwa 100 m weiter befindet sich die Immigration. Hier werden die Pässe entsprechend ausgestempelt.
  4. Wieder 100 m weiter liegt das Häuschen des Zolls. Hier wird das Auto und die VIN gecheckt und dann das Carnet ausgestempelt. Im Schuppen nebenan werden dann nochmals die Pässe überprüft.
  5. Bevor die Ausfahrt dann endgültig möglich ist, werden ein letztes Mal die Pässe überprüft.

Und für alle, die noch keine wilden Grenzübergänge erlebt haben: Hier gibt es weder Schilder, die irgendwas anzeigen, noch sehen die Gebäude in irgendeiner Weise „offiziell“ aus. Nur die Anzahl der bewaffneten Personen lässt auf eine offizielle Stelle schließen. Hier hilft aber in vielen Fällen die App iOverlander weiter.

SIM Karte – Datenvolumen

Es gibt im Sudan verschiedene Netzbetreiber. Wir entschieden uns für MTN, mit der anscheinend besten Netzabdeckung. Trotz allem ist gutes Netz, damit meinen wir 3G oder besser, eher selten.

Eine SIM Karte kostet 30 SDP (€ 0,35) und Datenvolumen kann für sehr wenig Geld, 3 GB für ca. € 1,56, drauf geladen werden. In Khartoum im Sailing Club hatten wir übrigens super 4G.

Bargeld / Kreditkartennutzung

Der Sudanesische Pfund verliert täglich an Wert und deshalb sieht man natürlich gerne US-Dollars. Außerdem ist es nicht möglich, an Geldautomaten Bargeld zu ziehen.

Wir haben an der Grenze Ägyptische Pfund in Sudanesische Pfund getauscht. Der Umtauschkurs auf dem Schwarzmarkt ist doppelt so hoch wie der offizielle Kurs im Währungsrechner.

87 SDP = 1,00 € (Stand 03.12.2019)

US-Dollars können an der Grenze auch problemlos zu guten Konditionen getauscht werden. Der Sudan ist günstig und der Treibstoff quasi kostenlos. Deshalb nicht zu viel Geld wechseln. Wir haben für die gesamte Zeit im Sudan (8 Tage) nur ca. 190 € benötigt (incl. Comesa Yellow Card, Eintritten und dem Essen in Restaurants).

Straßenverkehr im Sudan

Die Straßen im Norden sind wirklich sehr gut und es herrscht wenig Verkehr. Sobald es dann von Atbara Richtung Khartum geht, nimmt der Verkehr zu, vor allem die LKW Präsenz und die rasanten Überholmanöver beginnen. Auch findet man im Großraum Khartum viele Polizei-Checkpoints. Meinst reicht das kurze zeigen unseres Ausweises, nur 1x wollte man die Reisepässe sehen, welche wir aber prinzipiell nicht aus der Hand geben. Die Straße von al-Qadarif bis Gallabat (Grenze) hat allerdings Abschnitte, die richtig heftig sind. Das heißt zwei Meter breite und bis zu ein Meter tiefe Schlaglöcher. Hier ist Vorsicht geboten.

Tanken im Sudan

Im Sudan herrscht seit langer Zeit Dauerknappheit an Benzin und Diesel. Horrorstorys, dass man kaum an Treibstoff kommt, kennen wir viele. Da wir zumindest einen großen Tank (120 Liter) haben, sind wir etwas beruhigter. Auf unserem Weg von Nord nach Süd, suchten wir alle 300 – 400 km gezielt nach Tankstellen und wurden auch immer fündig. Manchmal sind nur einige Autos bzw. LKWs in der Schlange, im Einzugsgebiet von Khartum sind es dann aber zig Fahrzeuge die vollgetankt werden sollen und das meist an nur einer, höchstens zwei Zapfsäulen. Wir konnten uns in diesem Fall vor den LKW‘s einreihen, was aber verständlicherweise nicht auf Begeisterung stieß.

Bei einer Tankstelle im Norden lernten wir den sehr netten Abdul kennen, der den Tankwart so lange bequatschte, bis unser Tank voll gemacht wurde, obwohl jeder eigentlich nur für 200 SDG (€ 2,30) Diesel bekommt. Sudan ist das fünft-billigste Land der Welt zum Tanken. Der Liter Diesel liegt bei ca. € 0,07.

Sudan Tankstelle Begegnung
Sudan Tankstelle Begegnung

Autohaftpflichtversicherung (3rd party insurance)

Gleich an der Grenze muss eine Haftpflichtversicherung für den Sudan abgeschlossen werden. Wir haben uns dann aber in Khartum die Comesa Yellow Card Versicherung besorgt, welche in fast allen ostafrikanischen Ländern gültig ist. Hat man diese Versicherung, muss in der Zukunft an der Grenze keine Versicherung mehr abgeschlossen werden. (http://ycmis.comesa.int/). Wir haben 57,00 € für die Länder Äthiopien, Kenia, Uganda, Ruanda, Tansania, Malawi, Simbabwe und Sambia und 6 Monate Gültigkeit bezahlt, was ein wirkliches Schnäppchen ist.

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2 comments

  1. 7 Cent für den Liter Diesel? Da hüpft das Schwabenherz:-) Volltanken bitte!

    1. Hallo Wolfi, glaube dir sofort, dass da das Schwabenherz schneller schlägt. Wenn man 100 Liter für 7 € kriegt ist das schon ein Ereignis. Hier in Äthiopien haben wir allerdings das Problem überhaupt an Diesel zu kommen. Erstaunlicherweise gibt es hier in Afrika keine Diskussion über Feinstaub und CO2 Ausstoß :).
      Schöne Grüße
      Armin & Tanja

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