AfrikaReisenTansaniaWorldtrip 2019 / 2020

Zurück in Tansania – Um den Kili und durch die Usambara-Berge

Irente View Point Usambara Mountains

Endlich sind wir wieder in Afrika. Nach dreieinhalb Monaten Corona-Reise-Pause in Deutschland, landete unser Ethiopian Airlines Flieger pünktlich am 16.07.2020 auf dem Kilimanjaro International Airport zwischen Arusha und Moshi. Die Einreise nach Tansania erfolgte problemlos, sogar inklusive Ersatzteilen und Drohne. Außerhalb des Terminalgebäudes hieß uns der Taxifahrer herzlich willkommen: Karibuni Tansania!

Wiedersehen mit unserem Reisefahrzeug

Glücklicherweise hatten wir Ende März einen sicheren und trockenen Platz für unseren treuen Mitsubishi gefunden.

Mitsubishi L200 Arusha
Mitsubishi L200 Arusha

Obwohl es bei Ankunft im Lager bereits dunkel war, wollten wir unseren Reisebegleiter gleich bewegen und vor unser Gästehaus für die Nacht fahren. Ein kurzer Dreh am Zündschlüssel und der Turbodiesel erwachte ohne zu murren zum Leben. Die Bremsen waren nicht festgerostet und so rollten wir gleich freudestrahlend die ersten Meter. Auch am nächsten Morgen zeigte die Inspektion: Alles in Ordnung!

Da der Tank fast voll und das Öl noch frisch ist, verabschieden wir uns von unseren lieben Gastgebern und sind wieder „on the road“!

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten

Um den Kilimandscharo zur kenianischen Grenze

Ein potentiell unangenehmer Gang steht uns nun noch bevor, nämlich der zum tansanischen Zoll. Psssst, man sollte es gar nicht laut aussprechen, denn unser Mitsubishi ist zwischenzeitlich ein illegaler Einwanderer. Sein Carnet de Passage, also das Zolldokument und quasi sein Reisepass, ist Mitte Juni abgelaufen. Jeder Reisende mit Auto in Afrika hat mit diesem Dokument zu kämpfen, dessen unsinnig kurze Laufzeit von einem Jahr nur den ausstellenden ADAC glücklich macht. Sei‘s drum, wir haben das gültige Folgedokument dabei, müssen aber das alte aus- und das neue einstempeln lassen. Dazu soll es an den Tansanisch-Kenianischen Grenzposten „Taveta“ gehen, der Nordöstlich von Moshi liegt. Da Freitag ist, entschließen wir uns, das Wochenende aber zunächst auf der Simba Farm an der westlichen Flanke des Kilimandscharo zu verbringen. Hier ist es wieder sehr schön und wir können uns mit Gemüse für die kommenden Tage eindecken. Das Essen im Restaurant ist auch wieder herrlich. Gastgeberin Karina teilt uns mit, dass wir die letzten internationalen Gäste waren Ende März und nun wieder die ersten internationalen Gäste sind. Eine zweifelhafte Auszeichnung die zeigt, wie sehr der Tourismus in Tansania am Boden liegt.

Um zur Grenze zu kommen, nehmen wir die nördliche Route um den Kilimandscharo. Die Piste führt durch kleine Ortschaften und bis auf einen Korridor zwischen Kilimanjaro Nationalpark und dem kenianischen Amboseli Nationalpark, ist die fruchtbare Gegend recht dicht besiedelt. Die Strecke lohnt sich: Bereits nach ein paar Kilometern sehen wir rechter Hand den schneebedeckten Gipfel des höchsten Bergs Afrikas.

Kilimanjaro Tansania

An der Grenze geht alles recht schnell von statten: Die freundlichen Mitarbeiter am Zoll haben recht wenig zu tun, da die Landgrenze zu Kenia noch immer geschlossen ist. Innerhalb von 1,5 Stunden haben wir die gestempelten Dokumente in der Hand und auch die Road-Tax für die kommenden zwei Monate ist bezahlt. Wir drei sind nun wieder ganz offiziell mit ordentlichen Papieren unterwegs. Sogar eine Versicherung hat unser Mitsubishi zwischenzeitlich!

Western Usambara Mountains

Von Moshi aus führt die gut ausgebaute Teerstraße in südwestlicher Richtung. Diese Hauptachse verbindet die Kilimandscharo-Region mit der Küste des Indischen Ozeans. Nach gut 200 km erreicht man den Ort Mombo, wo die Asphaltstraße in die Western Usambara Mountains abzweigt. Direkt geht es aus der auf ca. 400 m gelegenen Ebene hinauf in die Berge. Die Hauptstadt dieser Region, Lushoto, ist nach ungefähr einer Stunde erreicht. Die Temperaturen werden deutlich kühler und man merkt schon, dass der Juli in Tansania der wohl kälteste Monate des Jahres ist.

Lushoto und Irente

Im März waren wir zu Gast im schönen Lawns Hotel. Diesmal wollen wir uns noch einige Höhenmeter weiter hinauf wagen zur Paradise-Eco-Farm. Der Auswanderer Uwe mit deutsch-finnischen Wurzeln, hat hier ein schönes Haus an den Hang gebaut, in dem er Reisende gerne willkommen heißt. Der eigentliche Zweck ist jedoch, seiner Frau, den drei Kindern und seiner Mutter ein schönes Zuhause zu bieten.

Das Anwesen ist allerdings nicht ganz leicht zu erreichen: An der Kreuzung zwischen Irente Farm und Irente Cliff-View-Lodge führt die abenteuerliche Piste steil den Berg hinauf. Da es seit Juni etwas trockener ist, können wir uns auf den wilden Ritt einlassen. In der Untersetzung schiebt sich unser Mitsubishi langsam aber sicher den Berg hinauf, bis wir im Garten unseren Stellplatz beziehen können. Hier treffen wir auch Jutta und Gerd, die seit März in den Usambara-Bergen sind und die Corona-Pause genutzt haben, die acht und sechs Jahre alten Söhne von Uwe und seiner Frau Sina jeden Tag vier Stunden lang zu unterrichten. Hut ab! Wir verbringen drei schönen Tage in der Gegend oberhalb von Irente, machen eine schöne Wanderung mit Jutta und Gerd und besuchen den Irente-View-Point mit einem herrlichen Blick in die Ebene und die sich dahinter erstreckende Massai-Steppe.

Irente View Point Usambara Mountains

Mambo View Point

Von Lushoto aus zieht es uns weiter hinein in die Usambara Berge. Die Region ist fruchtbar und dicht besiedelt. Die Piste führt 60 km lang durch Wälder und kleine Ortschaften, bis wir im Örtchen Mambo die nördlichste Spitze der Western Usambara Mountains erreichen. Oben auf dem höchsten Berg des Ortes, hat der Niederländer Herrmann mit seiner Frau Marion die Mambo-View-Point Lodge errichtet, die Touristen viele schöne Plätze zum Entspannen bietet und gleichzeitig Ausgangspunkt für die vielfältigen Unternehmungen in der Region ist.

Mambo View Point Usambara Mountains

Zwischenzeitlich haben die beiden das Lodge Management an die umtriebige Polin Dagmara übergeben, um sich ganz ihren gemeinnützigen Projekten in der Region widmen zu können. Ein Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Wasserversorgung der umliegenden Dörfer, deren Bevölkerung stetig wächst. Ein Großteil des Wassers stammt aus dem geschützten Primärwald oberhalb der Siedlungszone, wird aus den dortigen Flüssen entnommen und über Rohrleitungen und ein System aus Zisternen an die jeweiligen öffentlichen oder privaten Wasserstellen in den Dörfern geleitet. Regelmäßig wird erfasst, wie groß der Wasserbedarf der einzelnen Gemeinschaften ist und Maßnahmen zur Erweiterung der Wasserversorgung abgeleitet.

Wanderung durch die umliegenden Dörfer und den Primärwald

Wir entschließen uns, diese wunderschöne Region gemeinsam mit einem Führer zu entdecken. Joseph, der direkt bei der Lodge angestellt ist und aus Mtae, dem nördlichsten Ort der Usambara-Berge kommt, nimmt uns mit auf eine faszinierende Tageswanderung. Zunächst geht es durch den Ort Mambo zu einer auf dem Berg gelegenen Töpferei. Die Menschen hier in den Dörfern sind fröhlich und wir freuen uns, dass wir mal wieder mit vielen Kindern und Jugendlichen lachen und plaudern können. Die Bevölkerung hier ist zur einen Hälfte muslimisch und zur anderen Hälfte christlich, wobei die Mehrheitsverhältnisse von Dorf zu Dorf durchaus unterschiedlich sein können. Als Unterbau für beide Religionen dienen die lokalen Naturreligionen. Diese gemeinsame Basis führt dazu, dass man gut miteinander klar kommt. Joseph erklärt uns, dass Ehen zwischen den Religionen erlaubt und normal sind und dass er Freunde in beiden Religionsgemeinschaften hat. Wenn ein gemeinsames Sonntagsessen ansteht, dann bereiten die muslimischen Freunde das Essen vor, während die Christen den Gottesdienst besuchen. An muslimischen Feiertagen ist es entsprechend umgekehrt.

Die traditionellen Heiler

Die gemeinsame Basis in den Naturreligionen zeigt sich vor allem bei den traditionellen Heilern. Das Haus eines Heilers erkennt man an einer davor errichteten kleinen Hütte, die als Behausung der Geister dient. Den Geistern wird Essen, zum Beispiel hart gekochte Eier, dargereicht um sie positiv zu stimmen. Jede Hütte ist mit drei farbigen Fahnen geschmückt: Rot für den Geist der Massai, weiß für den Arabischen Geist und Schwarz für den Lokalen Geist. Bei einer Heilung geht es zunächst um die Anwendung von Naturheilmitteln wie Kräutern, Baumrinde und Beeren von Planzen, die uns Joseph direkt im Urwald auch zeigt. Darüber hinaus ist aber auch immer ein spirituelles Ritual dabei, um den Kranken von Flüchen oder bösen Geistern zu befreien. Dabei wird einer, oder mehrere, der oben genannten Geister angerufen.

Heilerhäuschen Usambara Mountains

In der Töpferwerkstatt

Ein schöner Stopp ist die Töpferwerkstatt. Hier werden aus lokalem Ton Schalen, Becher und kleine Figuren getöpfert. Gegen eine kleine Gebühr kann man sich anschauen, in welch beeindruckender Geschwindigkeit aus einem Klumpen Ton ein glattes und symmetrisches Gefäß entsteht. Die Erzeugnisse werden in einem Brennofen gebrannt und wenn eine glatte, fast glasiert wirkende Oberfläche gewünscht wird, kommt ein Grasgewächs zur Oberflächenpolitur zum Einsatz. Leider wird hier fast nur noch für die Touristen gearbeitet, da billige Blechkessel aus China in den meisten Haushalten die bruchempfindlichen Tongefäße ersetzt haben. Schade, denn das traditionelle Material hält die Wärme länger und ermöglicht so ein energiesparenderes Kochen auf dem Küchenfeuer.

Töpfermarkt in Mambo
Töpfermarkt in Mambo

Der Weg führt uns aus dem Dorf hinaus und wir laufen durch Kiefernwälder, die von Menschenhand angelegt wurden. Joseph berichtet, dass mittlerweile ca. 90 % der wirtschaftlich genutzten Pflanzen eingeführte Arten sind. Diese verdrängen mehr und mehr die traditionellen Nutzpflanzen in der Region. Der Kiefernwald wird alle 15 – 20 Jahre komplett geerntet und dann wieder aufgeforstet. Die Grenzen zwischen dem Nutzwald, den Ackerflächen und dem Urwald sind durch eine Reihe von Eukalyptusbäumen sichtbar. Der wasserhungrige, schnell wachsende Baum wird traditionell als „Grenzbepflanzung“ genutzt. Man findet ihn auch am Straßenrand, wo sein großer Wasserkonsum dabei hilft, die Pisten trocken zu halten.

Der Primärwald der Usamabara Mountains

Im Primärwald sieht die Welt dann wieder ganz anders aus: Dichte Vegetation und sattes Grün lassen wenig Licht auf den Waldboden fallen. Bereits nach ein paar Metern sehen wir die ersten Chamäleons, die in den Büschen entlang des Wegesrandes getarnt auf Insektenjagd gehen. Als wir tiefer in den Wald kommen, schlagen die Hunde, die Joseph dabei hat, an. Direkt neben dem Weg hat ein großes Wildschwein mit seinem Rüssel nach Pilzen gegraben und uns allen einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Die Tiere gelten wie bei uns zuhause nicht unbedingt als harmlos. Weiteres Aufschrecken der Hunde und des Guides waren aber zum Glück nur noch auf mehrere Gruppen von Schwarz-Weißen Stummelaffen zurückzuführen. Unglaublich wie weit diese Tiere springen können.

Wasserfall Usambara Mountains

Nach dem Besuch eines schönen kleinen Wasserfalls verlassen wir wieder den Urwald und kommen durch das Dorf Mtae, dem nördlichesten Ort in den Bergen. Bei einem Tee erzählt uns Joseph, wie das lokale Gerichtssystem funktioniert. Wenn die Menschen im Dorf ein Problem miteinander haben, wird immer zuerst ein Ältestenrat angerufen, der versucht, den Streit zu einem möglichst frühen Zeitpunkt außergerichtlich zu schlichten. Sollte dies nicht erfolgreich sein, wird ein offizielles Dorfgericht einberufen, welches ein Urteil fällt. Erst die darauf folgenden Instanzen liegen dann in weiter entfernten Städten, wie zum Beispiel im 60 km entfernten Lushoto. Jeder muss den Weg durch alle Instanzen gehen, egal ob arm oder reich. Dies soll verhindern, dass reiche Kläger direkt das Gericht in Lushoto anrufen und der (armen) Gegenpartei das Geld fehlt, um den Transport dahin zu bezahlen und sich verteidigen zu können. Das System scheint zu funktionieren, da die allermeisten Streitigkeiten bereits im Ort geklärt werden können.

Ebenfalls spannend ist die traditionelle Bauweise der Häuser: Senkrechte Stützbalken werden mit einem waagerechten Geflecht aus flexiblen Ästen versehen. Diese tragende Struktur wird dann mit Lehm verschmiert, der an der Luft trocknet. Das Dach ist traditionell mit langen Gräsern gedeckt und alle Baumaterialien sind lokal verfügbar.

Lehmhaus Usambara Mountains

Wer etwas mehr Geld zur Verfügung hat, baut sein Haus aus Lehmziegeln, die in einer Holzform entstehen und auch an der Luft getrocknet werden.

Lehmziegel Usambara Mountains

Soll das Ganze noch haltbarer werden, müssen die Lehmziegel aufgeschichtet und im Holzfeuer gebrannt werden. Wird nun noch ein Blechdach verwendet, halten die Häuser viele Jahre.

Gebrannte Lehmziegel Usambara Mountains

Die Wanderung war wirklich beeindruckend und wir haben viel lernen können.

Nach einer guten Woche in den Usambara-Bergen geht es nun für uns an den Indischen Ozean. Die Wärme und das Meer rufen.

Unsere schönsten Übernachtungsplätze

Simba Farm Lodge

Diese Farm liegt zwischen dem Mount Meru und dem Kilimanjaro und man campt mit direktem Blick auf den imposanten Mount Meru. Es gibt sogar eine heiße Dusche und saubere Wasch- und Spülmöglichkeiten. Frisches Obst, Gemüse, Fleisch, Milchprodukte und Brot können direkt gekauft werden. Man darf sich aber auf keinen Fall entgehen lassen, sich im Restaurant verwöhnen zu lassen. Wenn wir so recht überlegen, war es das bisher beste Essen in Afrika. Wir haben uns hier sehr, sehr wohl gefühlt!

Paradise Eco Farm

Uwe hat ein kleines Paradies für sich und seine Familie geschaffen. Er freut sich über Besucher, die es zu ihm hoch schaffen. Wenn das Wetter feucht ist, kann man das Auto auch in Irente abstellen und sich von Uwe abholen lassen. Es werden schöne Gästezimmer mit Aussicht vermietet.

Mambo View Point Lodge

Weitläufiges Lodge-Areal mit Restaurant und vielen tollen Aussichtspunkten auf dem Gelände. Unbedingt sollte man die Ganztageswanderung durch die Dörfer und den Primärwald unternehmen. Joseph ist ein toller Guide und der Tag hat uns sehr viel Freude gemacht.

Links zu allen unseren Erlebnissen in Tansania

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2 comments

  1. Hallo, Armin und Tanja, toll, dass ihr wieder unterwegs seid. Gerne verfolgen wir eure weitere Route. Im September 19 waren wir auch in Irente bei Uwe . Da kommt Sehnsucht nach Afrika auf. Wir haben uns nämlich dazu entschieden unser Auto zurück zu holen.Im Moment schippert es wahrscheinlich irgendwo auf dem Indischen Ozean rum. Viele Grüße aus Bielefeld Susanne und Michael

    1. Hallo Susanne und Michael, wir genießen wirklich jeden Moment hier. Die Safari im Ruaha Nationalpark war klasse. Wir drücken euch die Daumen, dass euer Auto heil nach Hause kommt. Viele Grüße, Armin und Tanja

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