AfrikaArmindaheimReisenReiseteamTanjaTansaniaWorldtrip 2019 / 2020

Zwischen den Welten

Arusha Airport

In unserem Bericht „Gefangen in der Angstspirale“ haben wir euch erzählt, warum wir uns dazu entschieden hatten Tansania und somit den afrikanischen Kontinent, zu verlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch gehofft, dass sich diese Entscheidung in ein paar Wochen als falsch oder übervorsichtig rausstellen würde. Wir wünschten uns, dass alle mutigen Reisenden, die geblieben sind, belohnt werden. Aber leider trifft dieses Szenario wohl nicht ein und wir sind froh, mit dem vorletzten Flieger aus Tansania in die Heimat geflogen zu sein.

Welch eine Odyssee bis wir zu Hause sind

Erster Heimflug wird gebucht

Vor unserem Trip durch die Serengeti sind wir noch sicher, nicht Heim zu fliegen. Wir sind froh im schönen Tansania zu sein und haben keine Sorge, dass Corona hier ein zentrales Thema wird. Aber plötzlich wird das Thema präsenter und wir sind besorgt und schlafen schlecht. Wir ertappen uns dabei, wie wir das erste Mal prüfen, ob es Rückflüge gibt. Unser Bauchgefühl sagt plötzlich klar und deutlich: Fliegt heim! Das Gefühl wird bestärkt durch die Aufforderung der Deutschen Botschaft in Dar es Salaam. Sie fordern deutsche Reisende und Touristen auf, das Land zu verlassen, so lange noch Linienflüge angeboten werden. Also buchen wir über KLM am 19. März einen Flug über Nairobi für Dienstag den 24. März. Das waren die einzigen Flüge, die zu einem vernünftigen Preis, wir sprechen hier von 1.100 € pro Person, verfügbar waren. Ein richtig gutes Gefühl haben wir aber nicht, da offiziell die Einreise nach Kenia nicht mehr möglich ist, aber der Transit schon.

Wir versuchen unser Glück erneut

Sonntag auf Montag wache ich nachts mit einem ganz schlechten Gefühl auf und mache mein Handy an. Ich habe eine Nachricht erhalten, dass der Flughafen in Nairobi ab Mittwoch 0 Uhr geschlossen wird. Recherchen bestätigen dies und da unser Flug von Nairobi nach Amsterdam erst am Mittwoch morgen ist, sehen wir schwarz. Von der Airline gibt es allerdings keine Nachricht. Natürlich bekommen wir kein Auge mehr zu. Um 5 Uhr stehen wir dann letztendlich auf und setzten uns an den Laptop. KLM ist nicht zu erreichen, weder über Telefon, noch über whats app oder über den Facebook Messenger. Nach Tagen erhalten wir folgende Rückmeldung: „Es scheint, dass mehr los ist als sonst. Das tut uns leid. Wenn du dennoch unsere Hilfe benötigst, lass es uns bitte wissen.“ Wir machen der Airline keinen Vorwurf, da es sich um eine Ausnahmesituation handelt. Blöd war es trotzdem. Also was tun? Wir hatten sogar einen Flexflug gebucht, aber leider war ein Umbuchen nicht möglich. Die entsprechende Funktion auf der Website war ausgegraut. Also müssen wir neue Flüge buchen. Wir wollen nun aber auf keinen Fall wieder einen Stopp in einem anderen Land haben, da täglich weltweit weitere Flughäfen dicht machen. Wir finden einen Flug am Donnerstag den 26. März von Arusha über Dar es Salaam nach Amsterdam. Somit wären wir immerhin schon in Europa. Zack gebucht! Zwei Stunden später ist dieser Flug bereits unbezahlbar.

Am Mittwoch wird nun Wäsche gewaschen, das Auto auf die Pause vorbereitet und unsere Rucksäcke für die Heimreise gepackt.

Erneute Unsicherheit

Mittwoch auf Donnerstag sind wir nachts wieder sehr unruhig und um 3 Uhr weckt mich Armin mit den Worten: „Unser Flug ist storniert“. Wie bitte? In der KLM App steht ganz klar und deutlich „cancelled“. Das kann doch alles nicht wahr sein. An Schlaf ist natürlich nicht mehr zu denken. Frühmorgens versuchen wir KLM zu erreichen und nach einiger Zeit in der Warteschleife teilt uns die freundliche Dame mit, dass der Flug  wie angekündigt geht. Aha, dann glauben wir das jetzt mal. Nach einem letzten Frühstück, bei dem wir nur verhalten Appetit haben, fahren wir nach Arusha. Wir stellen unser Auto bei einer sehr netten deutschen Familie unter. Den Nachmittag verbringen wir im schönen Garten der Familie und unterhalten uns mit Marc, einem Overlander der sich auch kurzfristig zur Heimreise entschlossen hat. Zwischendurch wird natürlich immer wieder die KLM Website und die Information in der App geprüft. Plötzlich sehen wir, dass sich anscheinend nur die Reihenfolge der anzufliegenden Flughäfen geändert hat. Statt Arusha → Dar es Saalam → Amsterdam wird nun Dar es Saalam → Arusha → Amsterdam angeflogen. Unser Abflug verschiebt sich somit um 2 Stunden auf 23:50 Uhr. Um 17:30 Uhr holt uns das Taxi ab und eine Stunde später kommen wir am Flughafen an. Wir haben gerade unser Gepäck auf dem Rücken und schauen dem Taxi nach, da kommt eine Dame auf uns zugelaufen: You will not fly today – your flight is postponed.

Verstehen Sie Spaß oder bitterer Ernst

Wir fragen uns, wo die Kamera von „Verstehen sie Spaß“ ist. Aber da ist keine Kamera und alles ist bitterer Ernst. Wir sind allerdings froh, nicht alleine am Flughafen zu sein und so werden wir in 3 Bussen mit 40 anderen Reisenden, Expats und Urlaubern in ein Hotel in der Nähe gefahren. Das vor vielen, vielen Jahren vielleicht schmucke Hotel erinnert uns eher an einen Lost Place. Nachdem nun alle in der Lobby versammelt sind, warten wir auf mehr Informationen. Diese kommen aber nicht. Wir erfahren zumindest, wo es etwas zu Essen gibt. Nun ist aber auch klar, dass wir unseren Flug von Amsterdam nach Frankfurt mit Lufthansa wieder umbuchen müssen. Aber auf wann sollen wir umbuchen? Wir riskieren es und buchen einfach auf einen Tag später. Es sind nun leider wieder 100 € Umbuchungsgebühr fällig. So langsam kommen wir auf eine ordentliche Summe. Nach einer weiteren unruhigen Nacht bekommen wir auf Nachfrage die Information, dass der Flug nun auf heute 23:50 Uhr bestätigt ist. Hoffentlich! Wir verbringen einen angespannten Tag im „Lost Place“ Hotel, wo wir auf das wohl unambitionierteste Personal überhaupt treffen. Zwischendrin werden wir noch zweimal von Ärzten (oder Personen, die es Mal werden möchten) abgefangen und wir müssen einen Gesundheitsbogen ausfüllen und es wird Fieber gemessen. Spannend ist aber, dass dies nur bei ca. der Hälfte der Leute gemacht wird. TIA (This is Africa).

Um 19:00 Uhr springen wir in den Bus und los geht es zum Flughafen. Und tatsächlich um 23:30 Uhr sitzen wir in der knallvollen Maschine die nun Richtung Norden fliegt. Uns fällt ein Stein vom Herzen! Wir landen pünktlich in Amsterdam und erwischen unseren Anschlussflug nach Frankfurt. Dort mieten wir uns ein Auto und am 28.03.2020, einem Samstagnachmittag um 16:00 Uhr, sind wir daheim. Was für eine Odyssee! Wir sind froh, nun endlich in der Heimat angekommen zu sein!

Wie fühlen wir uns jetzt?

Die ersten Tage bzw. Wochen waren ein Auf und Ab. Selbstverständlich sind wir dankbar, nun in Deutschland zu sein. Wir wohnen in einer Ferienwohnung der Familie und haben Zeit, uns zu sortieren. Aber bereits nach kurzer Zeit zeigt sich, dass sich alles länger hinziehen wird als anfangs gehofft. Die Gedanken kreisen wirr und jede Nacht wird wild geträumt und morgens wachen wir mit einem schlechtem Gefühl auf. Bald wird klar, wir brauchen einen Plan B! Wir sind uns aber einig, dass wir unseren Traum noch nicht aufgeben. Unser Auto steht ja auch noch in Tansania!

Wann, wie und wohin die Reise aber gehen wird, wissen wir noch nicht. Aber seid gespannt, es wird definitiv weitergehen.

Unser Auto in Arusha

Unser Mitsubishi Camper L200 ist in Arusha auf einem privaten Gelände untergestellt. Hier haben auch andere Overlander ihre Autos geparkt. Wir sind froh, durch Empfehlungen einen wirklich guten und sicheren Platz gefunden zu haben. Allerdings haben wir ein Problem: Unser Carnet de Passage, das Zolldokument für unser Auto, läuft am 15. Juni aus. Bis dahin muss das Auto eigentlich das Land verlassen haben. Der ursprüngliche Plan war, dass meine Eltern uns das Folgedokument aus Deutschland mitbringen. Wir hatten Anfang Juni eine gemeinsame Tour durch Namibia geplant. Das wird ja nun leider nichts. Um zu klären, was für Möglichkeiten wir haben, besuchten wir die entsprechende Zollstelle in Tansania. Leider verstehen sie nicht, was unser Problem ist. Ihnen ist nicht klar, warum wir nicht wieder pünktlich Mitte Juni in Tansania sein können. Die finales Aussage ist, dass bei nicht fristgerechtem Erscheinen bzw. Verlassen des Landes, eine Strafe von 20 % des Fahrzeugwerts fällig wird. Nun haben wir das Folgedokument beim ADAC bestellt. Sobald wir dieses erhalten haben, müssen wir versuchen, eine Lösung zur Verlängerung von Deutschland aus zu finden, sonst wird es teuer.

Mitsubishi L200 Arusha
Mitsubishi L200 Arusha

Corona: Achtung, persönliche Meinungsäußerung!

Lange haben wir überlegt, ob wir uns zu Corona überhaupt äußern sollen. Da es aber genau das Thema ist, welches unsere Reise momentan auf Eis gelegt hat, möchten wir doch etwas dazu sagen.

Wir sind nach Deutschland zurückgekommen, weil wir Vertrauen in das System haben und hier bei unseren Liebsten sein können. Wir sind überzeugt, dass das Kontaktverbot hier in Baden-Württemberg wichtig und sinnvoll ist. Aber wir sind auch der Meinung, dass es demnächst Lockerungen geben muss. Wir sind entsetzt, was und wie manche Medien auf sehr dünner Grundlage berichten. Wir versuchen, die sozialen Medien etwas auszublenden, was aber nicht richtig gelingt. Die Kommentare und Beschimpfungen, gerade auf Facebook, lassen uns teilweise wütend werden. Wir sind erschrocken über den Pessimismus, der herrscht und die Angst, die geschürt wird. Wir sind deshalb sehr froh, dass wir innerhalb der Familie und dem Freundeskreis auf viele Optimisten treffen.

Das Virus ist gefährlich und hoch ansteckend aber die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden der Reaktion darauf, werden uns viel länger beschäftigen als das Virus selbst. Wir auf dem Land haben es schön, wir können in den Garten, auf den Balkon oder spazieren gehen. Aber gerade Familien in den Städten trifft es hart. Alleinstehende Menschen sind einsam. Und das emotionale Befinden trägt viel zur Gesundheit eines Menschen bei.

Auch die publizierten Statistiken lassen viele Fragen offen und können in alle Richtung interpretiert werden. Sie sind ein gutes Instrument, um auf der einen Seite Angst zu schüren und auf der anderen die Gefahr herunterzuspielen. Wie so oft im Leben gibt es aber nicht nur schwarz oder weiß, bzw. in diesem Fall gesund oder tot.

Das kurzzeitige Beschneiden von Bürger- und Freiheitsrechten mag in einer Krisensituation gerechtfertigt sein aber wie weit darf es gehen und wie lange darf es andauern? Wenn nun Ausgangssperren, Maskenzwang und Tracking-Apps diskutiert werden, stellen sich uns die Nackenhaare auf. Mit dem einfachen Argument: „Das rettet Menschenleben“, lassen sich kritische Stimmen momentan schnell mundtot machen. Trotzdem sollten wir immer darüber nachdenken, welchen Wert unsere Freiheit hat und wie hart sie erkämpft wurde.

Wir haben auf unseren Reisen gelernt, mit vielen Ängsten umzugehen. Wenn man durch Afrika reist lernt man, das Leben und Tod viel dichter beieinander liegen als hierzulande. Man lebt immer mit der Gefahr, ernsthaft krank zu werden. Sei es auf Grund schlechter Lebensmittel, verdorbenen Wassers oder der allgegenwärtigen Malaria. Einer Krankheit, die jährlich mindestens 500.000 Todesopfer fordert. In Afrika steht für den Großteil der Bevölkerung keine Gesundheitspflege zur Verfügung und deshalb könnte Corona verheerende Auswirkungen haben. Die Menschen haben kein Geld, um zum Arzt und schon gar nicht in ein Krankenhaus zu gehen. Allerdings sehen wir die Lockdowns in verschiedenen afrikanischen Ländern auch sehr zwiegespalten. Die Menschen sitzen nun in ihren Hütten, haben keine Möglichkeit Waren/Lebensmittel zu verkaufen oder zu tauschen. Wir wissen aus erster Hand, dass Menschen in Uganda bereits hungern. Hier heißt es: „Wir verhungern, bevor Corona ankommt“. Gleichzeitig wird man bei Verletzung der Regeln nicht nur darauf hingewiesen oder muss Strafe zahlen, sondern man landet teilweise im Gefängnis und bekommt die volle Polizei- und Militärgewalt zu spüren. Es gibt keine oder kaum staatlichen Hilfen und das Wegbleiben der Touristen bedeutet für viele Familien den Untergang. Deshalb hoffen wir von ganzem Herzen, dass Afrika weitgehend von Corona verschont bleibt und der Alltag bald wieder beginnen kann.

Welche Frage uns auch umtreibt: Was passiert eigentlich mit den Wildtiermärkten weltweit? Warum können diese Märkte nicht verboten werden? Warum müssen ganze Tierarten, wie zum Beispiel das Pangolin, nahezu ausgerottet werden, weil aus den Schuppen Potenzmittel oder „Medizin“ gemacht wird? Nach dem Ausbruch in Wuhan hieß es, dass der Tiermarkt geschlossen wurde. Das ist fein, aber wo sind die ganzen Tiere hin? Und bleibt der Markt zukünftig geschlossen? Diese Tiermärkte gibt es nicht nur in China, sondern weltweit. Es wird kaum in den Medien darüber berichtet, wie man dieses Thema global in den Griff bekommen möchte. Wir wünschen uns hier mehr Aktivitäten und mehr aussagekräftige Informationen. Unabhängig ob das Virus wirklich von dort stammt oder nicht, wäre es wichtig, hier Konsequenzen zu ziehen.

Dies waren aber nur ein paar Gedanken von uns. Hier gibt es noch unendlich mehr zu sagen und zu diskutieren. Letztendlich ist es interessant, wie am Ende der „Coronazeit“ das Fazit sein wird und was die Statistiken uns verraten werden.

Was wir abschließend sagen möchten: Angst und Panik sind nie gute Ratgeber. Deshalb wünschen wir uns und euch nun Optimismus und Zusammenhalt! Wir sind uns sicher, es kommen wieder gute Zeiten und das schon bald!

Herzliche Grüße,

Tanja & Armin

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4 comments

  1. Ein sehr guter Blog Eintrag. Da habt ihr ja einiges durch gemacht um wieder zurück zu kommen. Aber schön das es euch gut geht und ihr eine temporäre Unterkunft gefunden habt.
    Wir konnten unseren Overland trip am 16.03. erst gar nicht starten, hatten noch unsere Wohnung abgegeben und sitzen jetzt auch in einer Ferienwohnung im Emmental und warten auf die Dinge die da kommen.
    Hervorragend fand ich den letzten Abschnitt, Thema Corona, persönliche (langfristige) Freiheit, der Hass der einem entgegen schlägt wenn man bedenken äussert und die Auswirkungen in anderen Ländern. Soviel zum Thema über den Tellerrand schauen, als Reisender ist einem wohl dies schneller bewusst.
    Wir leben nach der Devise, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und man muss immer flexibel sein. Ihr werdet wieder mit eurem Fahrzeug vereint werden, und wir hoffentlich bald auch unsere Reise starten. In welche Richtung, werden wir dann sehen.

    1. Danke Katja für deinen lieben Kommentar. Es ist immer schön auf Gleichgesinnte zu treffen :).
      Wie hätte eure ursprüngliche Route denn ausgesehen?
      Wir drücken euch ganz fest die Daumen, dass es bald losgehen kann.

      Liebe Grüße in die Schweiz,
      Tanja

      1. Hallo Tanja,
        wir wollten zuerst den Frühling in Skandinavien/Baltikum verbringen. Dann Russland, Zentralasien, Pakistan, Indien, Pakistan, Iran, UAE, Saudi Arabien, Jordanien, Israel, Türkei und wieder Richtung Russland…
        Natürlich sind wir flexibel mit der Route, zur Zeit wären wir froh überhaupt los ziehen zu können. Notfalls werden wir eine Zeitlang jobben gehen, aber dann brauchen wir eine Wohnung usw. Mal sehen.
        Habt ihr schon Pläne für euren temporären Deutschlandaufenthalt?
        Liebe Grüsse
        Katja

        1. Hallo Katja,
          ich habe vorher mal auf eurer Homepage gestöbert und eure geplante Route angeschaut. Das hört sich sehr spannend an!
          Hmm also wir werden Deutschland erkunden, sobald dies möglich ist. Dann unseren Trip auf Europa ausweiten, wenn die Grenzen aufgehen. Dafür müssen wir allerdings noch ein Auto und ein Zelt kaufen. Und klar, zurück nach Tansania zu unserem Auto as soon as possible :).
          Haltet durch! Liebe Grüße
          Tanja

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