Nördliche Pazifikküste und Cordillera Blanca

Peru zum Ersten (Bilder wie immer unten).

Willkommen in Peru! Der Grenzübertritt zwischen Ecuador und Peru verlief ohne Probleme, einzig das Abmelden des Fahrzeugs in Ecuador erfolgt einige Kilometer vor der Grenze an einem Ort, den wir wohl ohne die Tips anderer Reisender so schnell nicht gefunden hätten. Der große gemeinsame Grenzposten Huaquillas zwischen Ecuador und Peru ist recht ruhig und wir konnten alle Formalitäten einfach und schnell erledigen. Seit dem Chaos in Mittelamerika erscheinen uns die Grenzübertritte hier in Südamerika nicht schlimmer als eine Reise von Deutschland in die Schweiz. Keine „Grenzhelfer“, falsche Zollbeamte oder andere Spielchen, also fast schon langweilig.
Ein neues Land bedeutet natürlich auch, dass wieder eine neue Währung auf uns wartet. Nachdem wir in Ecuador mit dem guten alten Dollar (hässliche Scheine aber immerhin was wert) bezahlen konnten, brauchen wir in Peru den „Nuevo Sol“. In Tumbes, der ersten größeren Stadt nach der Grenze, finden wir keinen Automaten an der Hauptstrasse und beschliessen, nach Rücksprache mit einem Tankwart, bis Zorritos, unserem ersten Stop für die Nacht, weiter zu fahren. Direkt am Ortseingang von Zorritos liegt dann auch schon die erste Bank an der Strasse. Also sofort raus aus dem Auto und Mastercard rein in den Automaten. Ok, das Schild mit der Aufschrift „Karten anderer Banken werden nicht unterstützt“, kann sogar ich mit meinem rudimentären Spanisch lesen. Aber der Versuch ist es wert. Ich kann die PIN eingeben und sogar einen Betrag auswählen. Dann wird der Bildschirm schwarz und erstmal passiert nichts. Nach ca. 3 Minuten fährt sich der Automat wieder hoch (läuft wohl mit Windows 95) und verkündet dann in bestem Englisch „going to sleep“. Die Karte ist weg und der Bildschirm wieder schwarz. Also muss ich rein an den Schalter und die Dame dort höflich bitten, den Automat aufzumachen und die Karte wieder raus zu holen (das klingt jetzt reibungsloser als es in meiner Mischung aus nonsens-Spanisch und Gebärdensprache wirklich war). Man erklärt mir, dass dies nicht geht und ob ich nicht lesen kann. Die Bankmitarbeiter haben keinen Zugang zum Automaten und nur eine Fremdfirma aus Lima kann den Automaten öffnen, die Karte ist verloren und wird gesperrt. Was für ein Unfug soll denn das sein! Seit langer Zeit steigt mal wieder mein Blutdruck und ich bin nicht mehr „tranquilo“. Nachdem ich mal kurz laut schimpfend Druck abgebaut habe, hole ich Tanja zum dolmetschen dazu. Die Geschichte wird wiederholt und es sind fast ein paar Tränen in den Augen der Bankmitarbeiterin zu sehen. Immerhin ist Tanja nett. Nach einem weiteren hin und her sollen wir wieder kommen, wenn der Chef in 45 Minuten zurück kommt. Na dann…
Also fahren wir erstmal zu unserem geplanten Übernachtungsplatz. Dort teilt man uns mit, dass wir nicht bleiben können, da die gesamte Anlage wegen „geschlossener Gesellschaft“ ausgebucht ist. Das wird ja immer besser. Also wieder zurück zur Bank. Die Sicherheitsleute und der einstweilen eingetroffene Chef freuen sich schon, uns zu sehen. Nach 2 Minuten haben wir die Karte wieder und wir können weiter fahren – warum nicht gleich so? Geld haben wir noch immer nicht.
Weitere 80km entlang der Panamericana erreichen wir Mancora, einen sehr touristischen Ort am Pazifik. Wir bekommen endlich problemlos Geld und als wir dann in einer ziemlich runtergekommenen Hotelanlage zum Camping einchecken, merken wir, dass wir dieses wohl in Peru auch recht schnell wieder los werden. Es ist teuer hier. Wir beschliessen essen zu gehen und suchen das im Reiseführer empfohlene „Chan Chan“ auf. Der frühere Besitzer aus Italien ist leider nicht mehr da, sondern hat den Laden an einen Australier verkauft, der uns freudig begrüsst aber voll wie ein Eimer ist. Er erzählt uns vom Tod Nelson Mandelas und dass er selbst Anfang der 80er die beste Zeit seines Lebens in Südafrika hatte (Surfen und Weiber). Die Apartheit fand er schon irgendwie klasse und wir sollen nur nicht glauben, dass da alles schlecht war zu der Zeit…danke fürs Gespräch. Nach einem abschließenden Absacker in einer sehr netten, peruanisch geführten Bar geht es dann ins Bett. Willkommen in Peru.
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Nach einer stürmischen Nacht (meteorologisch gesehen) brechen wir früh auf. Wir wollen an der Küste entlang bis Trujillo fahren, um möglichst schnell ein paar Kilometer Richtung Süden zu machen. Die gut ausgebaute Panamericana führt entlang und durch die Küstenwüste und wir haben beide noch nie eine solche Einöde gesehen. Die Kilometer vergehen nur im Schneckentempo und wir sind froh, als wir dann endlich gegen späten Nachmittag unser Ziel für die Nacht, Huanchaco, erreichen. Der nette Campingplatz tut uns gut und wir haben das Gefühl endlich angekommen zu sein. Auf dem Platz haben wir auch viel Gesellschaft: Eine Schildkröte, eine Katze und 2 Fasane (die machen sehr unsanständige Geräusche). Hier schlagen wir für zwei Nächte unser Lager auf. Am nächsten Tag besuchten wir die im Jahre 600 – 700 von den Chimú erbaute Lehmziegelstadt Chan Chan (Sonne Sonne). Sie galt mit ihren ca. 20. qkm als größte Stadt Südamerikas, wenn nicht gar der ganzen Welt. Bis zu 60.000 Menschen lebten hier. Der spannende Teil ist der Palacio Tschudi welcher noch recht gut erhalten ist.
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Danach stürzten wir uns in eine Shopping-Mall in Huanchaco. Wir liessen uns mal wieder vom Konsum und von Fast-Food Ketten berieseln und stockten unsere Lebensmittelvorräte auf.
Wir hatten lange überlegt, ob wir direkt an der Küste Richtung Süden fahren, oder doch noch einen Abstecker in die Cordillera Blanca machen sollen. Da wir beide keine Lust mehr auf Wüste hatten, brachen wir am nächsten Morgen auf und schraubten uns von Meereshöhe auf 3.800 m Höhe. Wir fuhren wunderschöne Bergstrecken und ein Highlight war der Canon del Pato. Hier fährt man auf den Spuren einer stillgelgten Eisenbahn durch 35 Tunnels, die in das rohe Gestein gesprengt wurden. Die senkrechten Felswände ragen auf der einen Seite himmelhoch auf und fallen auf der anderen in tiefe Abgründe – was für ein Erlebnis.
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Unser erstes Ziel sollte ein Hostel in Caraz sein. Leider nehmen die momentan keine Camper auf. Deshalb beschlossen wir direkt in den National Park Huascarán zu fahren. Von der Hauptstrasse abgebogen sind wir wieder einmal froh, ein kleines, geländegängiges Fahrzeug zu haben. Der Eintritt in den Nationalpark kostet 5 Soles pro Person. Man sagte uns aber, dass wir zum Schlafen direkt ans Gate zurück fahren müssen, da sonst 65 Soles pro Person anfallen, was wirklich in keinen Verhältnis steht. Da wir schon gelesen hatten, dass im Rausfahren nicht kontrolliert wird, kauften wir uns einfach das Tagesticket und dachten, im Notfall könnten wir morgen dann ein weiteres Tagesticket kaufen. Also fuhren wir bis an die wunderschöne Laguna Oroncocha und campten hier mit Blick aufs Wasser. Auf knappen 4.000 m war es ziemlich feucht-kalt, allerdings war die Landschaft einmalig! Wir schliefen gut und erkundeten am nächsten Tag, welcher leider ziemlich bewölkt war, die zwei Lagunen Llanganuco.
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Auf Grund der Wolken konnten wir leider keinen Blick auf den höchsten Berg Perus, den Huacarán mit 6.768 m, erhaschen. Beim rausfahren aus dem Park kam dann das große Gezetere. Der Mann wollte die Schranke nicht aufmachen, wir müssen nachzahlen etc. Ja wir zahlen gerne nach, aber keine 20 Euro pro Person. Am Schluss „einigten“ wir uns auf 20 Euro für uns beide. Aber irgendwie fühlten wir uns ziemlich abgezockt. Der Preis steht einfach in keinem Verhältnis.
Naja wir fuhren dann weiter nach Huaraz. Dort wies man uns bei der ersten Unterkunft wieder ab und es fing an zu regnen. So landeten wir mal wieder für eine Nacht im Hostel. Am nächsten Tag führte uns unser Weg schon wieder nach unten und wir konnten bei tollem Wetter die Berglandschaft genießen.
Unser nächstes Übernachtungsziel war Reserva National Lomas de Lachay. Hier herrscht ein besonderes Mikroklima was zu einer grünen (im Dezember schon etwas braunen) Oase führt. Wir genossen die Sonne, wanderten etwas und hatten einen wunderschönen Platz für die Nacht.

Ein Kommentar zu “Nördliche Pazifikküste und Cordillera Blanca

  1. Nicole

    Mal wieder ein Hallo;)
    Vergesset nie „Neues“ begegnet einem immer wieder und…. Es gibt nichts was es nicht gibt.
    Auf jeden Fall habt ihr mal wieder ein ganzes Paket an Erfahrung. Schön:)

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