La Paz, Uyuni, Lagunenroute und Fazit

(Bilder wie immer unten)
Unser erstes Ziel in La Paz ist die Werkstatt von Ernesto Hug, Volks Motor, von der wir schon viel gehört haben. Es ist nicht viel zu machen an unserem Montero aber wir wollen noch ein paar Dinge checken lassen, bevor wir auf die Vierrad-Passagen der kommenden Tage gehen. Die Werkstatt ist sehr sauber und wir werden von dem Schweiz-Bolivianer freundliche empfangen. Nach einem gemeinsamen Check stellen wir fest, dass die Bremsen (Beläge) erneuert und ein paar Dinge am Auspuff geschweisst werden sollten. Das geben wir gerne in Auftrag und verabschieden uns in die Stadt. La Paz ist eine der höchstgelegenen Großstädte der Welt und liegt spektakulär eingezwängt in einem Talkessel, der an den oberen Rändern hemmungslos überquillt. Dieser Teil, El Alto, ist mittlerweile eine eigene Stadt und liegt auf ca. 4000 m. Wir besuchen das Zentrum von La Paz und sind nicht sehr angetan. Es geht eng zu und einen wirklich schönen Innenstadtbereich gibt es nicht. Wir schlendern von Café zu Café und schauen uns gegen späteren Nachmittag noch die Märkte hinter dem Plaza de San Francisco und das Coca Museum an. Letzteres ist recht interessant und behandelt die Geschichte und die Verwendung der Coca-Pflanze in Südamerika und thematisiert auch die illegale Nutzung zur Gewinnung von Kokain. Wir trinken seit Equador auch fleißig Coca-Tee. Ein Aufguss aus Coca-Blättern, der gegen die Höhenkrankheit helfen soll und gesüsst gut schmeckt. Die Märkte sind nicht der Hit und auch der „Hexenmarkt“, auf dem Pülverchen gegen allerlei Zipperlein und den „Bösen Blick“ verkauft werden, macht nicht viel her.
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Die Nacht dürfen wir in der Werkstatt verbringen und bekommen sogar einen eigenen Schlüssel. Am nächsten Tag soll das Auto gegen Abend fertig sein und wir gehen nochmal in die Stadt, um ein paar Souvenirs zu erstehen und den Nachmittag im Kino zu verbringen. Es ist die Nachmittagsvorstellung von „El Hobbit – La Desolación de smaug“, die wir uns auf Spanisch und in 3D anschauen. Für mich kommt leider keine „Herr der Ringe“ Stimmung auf aber ich will hier ja auch keine Filmkritik schreiben.
Nachmittags ist der Wagen wieder fertig und fit für die Weiterreise. Die Werkstatt in La Paz ist sicher zu empfehlen, man sollte aber ein Fahrzeug haben, das auf dem Bolivianischen Markt vertreten ist (Toyota, Nissan, Mitsubishi oder als Ernestos Spezialität einen alten Volkswagen). Es kann vieles improvisiert werden, die Beschaffung von Teilen ist aber oft schwierig, langwierig oder fast unmöglich.
Den Abend verbringen wir wieder bei gutem Essen im Hotel Oberland und brechen am nächsten Morgen früh auf. Unser nächstes Ziel ist Uyuni, welches wir in 2 Tagen erreichen wollen. Zunächst geht es aus La Paz raus Richtung Oruro, einer hässlichen Stadt, die wir schnell wieder Richtung Potosi verlassen. Etwas ausserhalb der Stadt schlafen wir an der heissen Laguna Tarapaya, wo auch noch einige andere Camper ihre Zelte aufgeschlagen haben.
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Danach geht es durch die wunderschöne und menschenleere Hochland-Idylle nach Uyuni. Die 20.000 Einwohner-Stadt liegt am Rande des Salar de Uyuni, des größten Salzsees der Welt. Die Stadt ist heute eine Relais-Station für Touristen, die eine Tour auf den Salar und zu den südlich gelegenen Lagunen machen wollen. Auch wir campieren im Hinterhof eines Hostels, den wir uns mit allerlei Tourfahrzeugen teilen müssen und entschließen uns, mit einer Gruppe im Geländewagen auf den Salar de Uyuni zu fahren. Da es zuvor drei Tage am Stück geregnet hatte, stand die Salzwüste zum Teil unter Wasser und aus Korrosionsschutz-Gründen war nicht daran zu denken, mit dem eigenen Auto einen Ausflug zu wagen.
Wie man auf den Fotos sieht, ist die Atmosphäre in der Salzpfanne ganz besonders. Nur Weiss bis zum Horizont läd zu allerlei (fotografischen) Spielchen ein und man muss höllisch aufpassen, dass man sich in 3700 m Höhe keinen kräftigen Sonnenbrand holt.
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Uyuni ist auch der Ausgangspunkt für die Fahrt über die „Lagunenroute“ nach San Pedro de Atacama in Chile. Noch vor Beginn unserer Reise hatte ich mich schon auf diese (je nach Strecke) ca. 450 km lange Fahrt über zum Teil wilde Pisten und vorbei an den unterschiedlich farbigen Seen gefreut. Mit knapp 100 Litern Treibstoff an Bord (wir hatten in letzter Zeit keine Versorgungsprobleme mehr) ging es dann los Richtung Süden. Zunächst nach San Cristobal, wo wir bereits nach 90km noch ein letztes Mal tanken konnten, dann weiter nach Villa Alota und Villa Mar. Von dort führte uns die Piste zu der farbenfrohen und rötlich schimmernden Laguna Colorada. Da der Wind so stark war, dass wir unser Zelt nicht aufstellen konnten, mussten wir uns einen windgeschützen Schlafplatz in einem nahegelegenen trockenen Canyon suchen.
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Der zweite Tag auf der „Lagunenroute“ führte uns direkt zum Geysir-Feld „Sol de Manana“. Morgens um sieben blasen hier einige Geysire Wasserdampf mit hohem Druck in die Luft und erzeugen schöne Dampfsäulen. Gestärkt von leckeren Pfannkuchen (wer hatte schon mal das Vergnügen, diese in der warmen Morgensonne auf 4900 m zu verspeisen?) machen wir uns dann auf zum Bolivianischen Zoll an einem noch aktiven Bergwerk auf über 5.000 m. Dies ist eine der höchst gelegenen Zollstationen der Welt und der freundliche Beamte gibt unserem Montero gleich den Ausreisestempel. Danach geht es weiter zur Laguna Verde.
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Dieser grün schimmernde See ist wirklich atemberaubend und in der benachbarten Laguna Blanca tummeln sich mal wieder Flamingos. Weiter über eine schlechte Piste geht es zur Bolivianisch-Chilenischen Grenze und weiter hinab nach San Pedro de Atacama. Auch hier gehen die Grenzformalitäten gut von der Hand und nach ca. 30 Minuten sind wir mal wieder in Chile.
Die Lagunenroute ist ein ganz besonderes Abenteuer. Man braucht ein geländegängiges Fahrzeug und Allradantrieb ist von größtem Vorteil. Hat man dies nicht, sollte man trotzdem eine der geführten Touren buchen, die Landschaft ist einfach einmalig!
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Fazit Bolivien

Bolivien ist ein Land mit Ecken und Kanten. Für Individualreisende mit eigenem Fahrzeug ist es nicht so leicht zu bereisen, wie viele seiner Nachbarländer. Das liegt zum einen an der Spritpreis-Politik: Ausländer müssen den 2,5-fachen Preis für den Treibstoff bezahlen. Die Einhaltung dieser Regel wird immer stärker kontrolliert und zwingt die Tankwarte, aufwändige Belege auszustellen. Wir konnten nur selten einen günstigeren Preis (vor allem auf den Hauptrouten) aushandeln oder gar zum Preis für Einheimische tanken. Problematisch kann es auch am Monatsanfang werden (wir waren zum Jahreswechsel hier), wenn der offizielle Preis für Ausländer noch nicht bekannt gemacht wurde. Hier wurden wir an zwei von drei Tankstellen weg geschickt. Eine zweite Herausforderung ist die Strassenqualität. Auf den Hauptrouten ist sie gut und es wird viel gearbeitet. Die Nebenstrecken sind aber häufig in schlechtem Zustand. Es ist also ratsam, mit einem geländegängigen Fahrzeug unterwegs zu sein, möchte man die ausgetretenen Pfade verlassen. Das macht aber auf der anderen Seite auch den Reiz aus. Wir sind noch nie eine so schöne Strecke wie die Lagunenroute von Uyuni nach San Pedro de Atacama gefahren.
Mit den Freunden von der Polizei hatten wir gemischte Erfahrungen. Anfangs sind wir auf dem Weg von La Paz in die Yungas in eine Polizeischikane geraten, die wir aber mit etwas Aufwand ohne Zahlung passieren konnten. Danach wurde es kontinuierlich besser und wir wurden freundlich und respektvoll behandelt.
Die Menschen in Bolivien sind äußerst freundlich und neugierig und das Land ist reich an Kultur und wunderschönen Landschaften. Man merkt, dass der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckt. Dies alles macht Bolivien zu einem spannenden Reiseland in dem wir (mit unserem Abstecher zum Lauca NP in Chile) ca. 2400 km zurückgelegt haben.

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