AfrikaReisenRuandaWorldtrip 2019 / 2020

Ruanda – auf und ab im bergigen Land

Ruanda

Ruanda ist ein sehr grünes und bergiges Land, welches größtenteils auf einem zentralen Hochplateau auf 1.500 Höhenmeter liegt. Überall wird die zur Verfügung stehende Fläche für Ackerbau genutzt. Dass das Land grün ist, wundert uns nicht, regnet es in Ruanda doch häufig und wir hatten das eine oder andere Mal Angst, davon zu schwimmen. Fairerweise müssen wir sagen, dass wir auch zu Beginn der „Großen Regenzeit“ unterwegs sind (März 2020). Was noch auffällt: In Ruanda liegt nirgends Müll am Straßenrand, alles sieht aus wie geleckt. Wie kommt das? Seit 2007 gibt es den „Umuganda Day“! Alle Ruander zwischen 18 und 65 Jahren müssen am letzten Samstag im Monat mindestens 3 Stunden wohltätiger Gemeinschaftsarbeit nachgehen. Ein lokal gewähltes Komitee entscheidet darüber, was in der jeweiligen Gemeinde getan wird. Es wird also Müll gesammelt, Gras geschnitten, Bäume gepflanzt oder kostenlose soziale Dienstleistungen angeboten. Das Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt und offen über Missstände gesprochen. Allerdings wird dieser „Pflichtbeitrag“ nicht von allen allen positiv gesehen. Wir fühlten uns in Ruanda sehr wohl und sicher.

Route

Nach dem Grenzübergang in Cyanika fahren wir nach einem lohnenswerten Stop in Musanze (Ruhengeri) direkt weiter nach Gisenyi. Die Fahrt führt über herrliche Bergstraßen direkt an den nördlichen Teils des Lake Kivu. Nach unserem Abstecher in den Kongo (ohne Auto) ging es wieder durch bergige und grüne Landschaften in den kleinen Ort Kibuye, wo wir direkt am Lake Kivu herrliche Ruhe fanden. Über die quirlige Hauptstadt Kigali führte uns der Weg dann an die Grenze zu Tansania, welche in Rusumo erreicht war.

Insgesamt sind wir 461 km gefahren.

 

Overlanding in Ruanda

Ruanda ist kein wirkliches Overlander-Paradies, da es kaum richtige Campingplätze gibt. Allerdings findet man recht schöne Stellplätze bei Hostels oder Hotels.

Ruanda Radfahrer
Ruanda Radfahrer

Man kommt in Ruanda langsam aber stetig voran und wir sind sehr froh, nicht alle paar Kilometer mörderische Speedbumps (in unserem Sprachchargon „Topes“ genannt – die Autokiller aus Mexiko) überwinden zu müssen. Allerdings muss man immer aufmerksam sein, da überall Fussgänger umherwandern und vor allem Fahrradfahrer die häufigsten Verkehrsteilnehmer sind. Die Fahrräder sind teilweise monströs beladen und man hat immer Angst, dass diese mit Mensch und kompletter Last jeden Moment umfallen. Also immer schön Abstand halten.

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten

Das kleine Land hat doch einiges zu bieten und der Besuch der Hauptstadt Kigali ist ein Muss, auch wenn hier die Geschichte des Landes das Herz sehr schwer werden lässt.

Dian Fossey Research Center in Musanze (Ruhengeri)

Hier wird in einfacher Art und Weise das Leben von Dian Fossey erzählt und man bekommt übersichtlich Informationen über die in Afrika lebenden Gorillas und deren Lebensweise. Der Eintritt ist frei, es kann gerne gespendet werden.

Gisenyi am Lake Kivu

Gisenyi ist die zweitgrößte Stadt in Ruanda mit 120.000 Einwohnern und liegt direkt am Lake Kivu. Vom Ufer aus erkennt man eine Förderplattform für Methan, denn der Lake Kivu weist in seinen Tiefen einen hohen Gehalt von gelösten Gasen auf. Man pumpt nun gashaltiges Wasser ab und betreibt ein Kraftwerk zur Energiegewinnung. Gleichzeitig wird so einem Gasausbruch entgegengewirkt. Etwas unheimlich ist das Ganze aber schon.

Das Städtchen hat eine kleine Uferpromenade mit netten Bars und Restaurants und in der Oberstadt herrscht quirlige Betriebsamkeit. Man fühlt sich hier stets sicher und abends wird man Zuschauer eines tollen Flugspektakels: Tausende Fledermäuse fliegen zum Jagen aus den Bäumen an der Uferpromenade.

Kibuye am Lake Kivu

Mittlerweile erreicht man Kibuye auf bester kurviger Asphaltstraße. Der Weg ist schon wunderschön, aber kommt man auf der Landzuge an, springt das Auge auf und ab vor Freude. Der grüne Lake Kivu glänzt und man ist umgeben von grünen Hügeln. Die kleinen Inseln machen das eh schon tolle Panorama noch schöner. Wir beginnen den Tag mit Schwimmen im See und entspannen bestens, auch wenn wir immer wieder vor dem Regen flüchten müssen.

Allerdings ist auch dieser Ort durch eine furchtbare Vergangenheit geprägt. Zwischen April und Juni 1994 wurden hier während des Genozids 60.000 Menschen ermordet – unvorstellbar.

Kigali

Vorweg: Wenn man in Kigali mobil sein will, nutzt man am besten die überall umherflitzenden Motorrad-Taxis. Wir kennen diese schon aus anderen Ländern („Boda-Bodas“), hier sind sie aber sehr gepflegt und jeder Taxifahrer hat einen Helm für den Passagier dabei. Für die längere Fahrt vom ViaVia Kigali in die Innenstadt (ca. 12 km, 25 min) werden ca. 1500 Franc, 1,50 € fällig.

Für Technikfreunde: Das indische TVS Motorrad (150 ccm) meines Fahrers hatte bereits 90.000 km runter und das zumeist im Soziusbetrieb. Die Qualität ist wohl nicht so schlecht.

Kigali Genocide Memorial

Das Schrecklichste gleich zum Anfang. Dieser Ort ist, wie viele Gedenkstätten in Ruanda, dem Genozid an den Tutsi gewidmet. Vom 6. April 1994 an wurden innerhalb von ca. 100 Tagen etwa eine Million Menschen umgebracht. Ich möchte hier nicht darüber schreiben, wie es zum Genozid kam und weshalb die internationale Gemeinschaft versagt hat, diesen zu verhindern. Dazu gibt an unterschiedlichen Stellen mehr als genug zu lesen. Man muss aber sagen, dass die Aufbereitung der Geschehnisse im Genocide Museum sehr bewegend ist und nichts beschönigt. Der Ort ist gleichzeitig ein Massengrab für 200.000 Menschen, deren Namen an einer Mauer verewigt sind.

In der Ausstellung ist uns eine Tafel aufgefallen, die beschreibt, wie der Samen der Spaltung schon in den 30er Jahren gesät wurde und wie absurd es ist, daraus Kategorien wie „Rasse“ oder „Ethnische Abstammung“ abzuleiten:

Kigali "10 Kühe"
Kigali “10 Kühe”

Generell wird in Ruanda der Völkermord nicht unter den Teppich gekehrt und auch wenn wir nicht wissen, was die Menschen auf der Straße darüber denken, haben wir den Eindruck, dass es eine gute Erinnerungskultur gibt, in deren Zentrum auch die Aufarbeitung und die Versöhnung stehen. Darüber hinaus ist auch in Ruanda die Bevölkerung sehr jung, der Großteil ist unter 30 Jahre alt. Diese Generation war nicht aktiv an den Gräueltaten beteiligt und hat die Chance, eine neue Gesellschaft zu formen, die nicht auf Teilung und Vorurteilen aufbaut.

Eintritt kostenlos, Spende erwünscht.

Kigali Center for Photography

Ein kleines Ausstellungshaus, in dem ein paar ambitionierte Kunstfreunde Raum für die Foto-Serien lokaler Fotografen zur Verfügung stellen. Da es sich lediglich um zwei kleinere Ausstellungsräume handelt, sollte man nicht zu viel erwarten. Dennoch ist es sympathisch zu sehen, dass sich die Verantwortlichen viel Mühe geben.

Die Ausstellung ist kostenlos, man freut sich aber über eine kleine Spende.

Nyamirambos Women‘s Center

Hier kann man lokal hergestellte Souvenirs und Kleidungsstücke erwerben. Neben dem Verkaufsraum befindet sich die Nähstube, in die man jederzeit schauen kann. Leider waren die Damen zeitlich nicht besonders flexibel, sonst hätte Tanja sich einen schönen langen Rock aus lokalen bunten Stoffen schneidern lassen.

German Butchery

Eine „Muster-Schlachterei“ mitten in Kigali. Im angeschlossenen Schlachthaus werden die Tiere nach deutschem Schema zerteilt und an der Metzgerstheke angeboten. Wir haben uns mit leckeren Wurstwaren eingedeckt und im angeschlossenen Restaurant ein Schnitzel „Wiener Art“ mit Bratkartoffeln gegessen. Wirklich erstaunlich: Es schmeckte wie zuhause. Das haben wir bisher auf Reisen so noch nicht erlebt. Der Ort ist auch bei den Locals sehr beliebt, was vielleicht an der netten Biergartenatmosphäre liegt.

Essen & Trinken

Curry Gerichte

Es werden in fast allen Restaurants verschiede Curry-Gerichte angeboten. Diese sind in allerlei Variationen zu haben und meist sehr lecker und günstig.

Restaurantempfehlungen

La Pailotte in Musanze (Ruhengeri)

Hier gibt es super leckeren Kaffee (einen kleinen Muffin gratis dazu) und auch die Pizza hat uns sehr gut geschmeckt. Wer durch Musanze fährt, sollte hier unbedingt einen Stopp einlegen und genießen.

In Kigali

German Butchery

Wie oben beschrieben, eine super Metzgerei mit angeschlossenem Biergarten. Hier haben wir ein tolles Schnitzel gegessen.

Pad Thai Restaurant

Ganz einfaches und günstiges Restaurant etwas außerhalb des Stadtzentrums. Interessant für alle, die im ViaVia Kigali wohnen und abends zu Fuss noch schnell etwas essen wollen. Als wir ankamen, hatten sich gerade die lokalen Moto-Taxifahrer vor dem Regen hierher gerettet. Das Pad Thai und der Papaya-Salat waren gut!

Ruanda Motorradfahrer Kigali
Ruanda Motorradfahrer Kigali

L&G Rooftop Peace Plaza

Im Peace Plaza Gebäude den rechten Aufzug in den 13. Stock wählen. Man kommt ganz oben auf der Dachterrasse raus und kann mit einem schönen Blick über die Stadt was trinken oder essen. Wir haben hier nur ein günstiges Bier getrunken und die Aussicht genossen. Wegen dem Essen kommt man hier wohl eher nicht her.

Leckere Biersorten

Das Bier war zwar günstig, hat uns aber nicht vom Hocker gerissen.

Primus

Müzig

Skol

Unsere schönsten Übernachtungsplätze

Discover Rwanda in Gisenyi

Hostel / Guesthouse, in dessen Garten man mit dem Fahrzeug campen kann. Es wird ein Bungalow geöffnet, dessen Toiletten und Dusche benutzt werden darf. Im Restaurant gibt es leckere Quesadillas.

Dieser Platz ist sicher kein wirkliches Highlight, wir empfehlen ihn trotzdem, weil man hier das Auto stehen lassen kann, um zu einer Tour in die Demokratische Republik Kongo (DRC) aufzubrechen.

Preis für 2 Personen sind 18.000 RWF (ca. 18 €) mit einfachem Frühstück.

Bethanie B. in Kibuye

Es handelt sich hierbei um ein Hotel, man kann aber wunderbar direkt am See parken und das saubere Bad eines Hotelzimmers nutzen. Das Schwimmen im See ist super schön und gilt als billharziosefrei.

Preis für Overlander sind 15.000 RWF (ca. 15 €) für 1 Auto inkl. 2 Personen.

Via Via Kigali

Ein Guesthouse / Hostel, welches zur sympathischen belgischen Kette gehört. Wir durften für 10 USD pro Person auf dem Rasen vor dem Hostel campen und die sauberen Duschen und WCs des Dorm-Rooms benutzen. Man kann hier auch lecker essen und es sich auf den Sofas und Sesseln auf der Veranda gemütlich machen.

Das Hostel ist etwas außerhalb in Nähe des Flughafens. Die Gegend ist gepflegt und sicher und man kann mit dem Motorrad-Taxi das Zentrum in ca. 20 Minuten erreichen (1,50 €).

Grenzübertritt

Visum

Wir hatten bereits in Kenia das East Africa Visa (EAV) für 100 USD mit einer Gültigkeit von 90 Tagen gekauft. Mit diesem Visum kann man sich 3 Monate in Kenia, Uganda und Ruanda Aufhalten und innerhalb dieser 3 Länder ein- und ausreisen ohne, dass es seine Gültigkeit verliert.

Als wir aus vom Kongo nach Ruanda eingereist sind, mussten wir uns dann ein Single Entry Visa für 50 USD pro Person direkt bei Einreise kaufen.

Einreise von Uganda kommend

Auf der Ruanda-Seite des Grenzpostens Cyanika geht es zunächst zum Fiebermessen (Ebola) und nach der Handdesinfektion zur Immigration. Mit dem East Africa Tourist Visum ist die Einreise kein Problem, der Stempel wird sofort erteilt. Beim Zoll wird dann noch das Carnet gestempelt und nach einer kurzen, nicht besonders intensiven, Fahrzeugkontrolle heißt es: Willkommen in Ruanda! Es fallen keine Kosten an. Dies war der bisher schnellste und einfachste Grenzübertritt in Afrika. Hinweis: In Ruanda sind auch Einweg-Plastiktüten verboten. Wir hatten diese vor der Grenze versteckt, allerdings wollte niemand unser Auto sehen.

Ausreise nach Tansania

Die Ausreise am Grenzübergang Rusumo erfolgte problemlos. Da es sich um einen „One-Stop-Border-Post“ handelt, fährt man direkt an den Gebäuden auf Ruandischer Seite vorbei und über den Fluss. Hier lohnt sich übrigens ein Blick, da es sich um imposante Stromschnellen handelt. Auf Tansanischer Seite geht man in das Abfertigungsgebäude, nachdem man einen Gesundheits-Check mit Fiebermessen absolviert hat. Dann einfach bei der Immigration Ruandas ausstempeln, ein Visum für Tansania kaufen (50 USD pro Person) und weiter zum Zoll. Hier wird das Carnet für Ruanda ausgestempelt und für Tansania neu gestempelt. Es wird für Tansania noch Road-Tax fällig. Diese beträgt für einen Monat 25 USD und für jeden weiteren Monat 20 USD. Insgesamt haben wir zwei Stunden für den Grenzübertritt benötigt, da die Arbeitsgeschwindigkeit sehr langsam war :-). Geldwechsler auf der Straße geben einen etwas besseren Kurs als die Bank im Gebäude.

SIM Karte – Datenvolumen

In Musanze haben wir uns eine SIM Karte des Mobilfunkanbieter MTN gekauft. Für die SIM-Karte haben wir 1.500 RWF bezahlt und für 7 GB 5.000 RWF. Zusammen sind das ca. € 6,50. Das nennen wir mal günstig.

Bargeld / Kreditkartennutzung

Geldautomaten sind in den Städten überall zu finden.

Tanken in Ruanda

Tankstellen sind überall zu finden, es handelt sich um lokale, international nicht bekannte Marken. Kartenzahlung ist teilweise möglich. Der Dieselpreis lag bei ca. 1 € pro Liter (März 2020).

Reiseführer & Papierkarte

Papierkarte

Die Straßenkarte aus dem Reiseknowhow-Verlag umfasst Ruanda und Tansania und diente uns als Back-up und für die grobe Routenplanung.

Reiseführer

Wir hatten den brandaktuellen Reiseführer für Uganda, Ruanda & Ost-Kongo aus dem Reise-Know-How Verlag. Das Buch ist logisch aufgebaut und die angegebenen Informationen stimmen. Dieser Reiseführer empfehlen wir ausnahmslos.


 

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4 comments

  1. Wieder ein schöner Bericht der für andere Reisende auch eine gute Planungsergänzung ist.
    Weiterhin gute Fahrt

    1. Herzlichen Dank!
      Liebe Grüße aus Arusha, Tanja

  2. Wirklich interessant das auch hier alles auf einer solchen Höhe liegt. Ich kenn das selbst aus Namibia. Windhoek liegt ja auch auf 1650m.

    Die Geschichte mit dem Aufräumen finde ich eine super Idee!

    Liebe Grüße Andreas

    1. Hallo Andy! Ja die Idee ist wirklich gut. Wir sind jetzt allerdings froh, dass wir in Tansania sind, falls wir länger ausharren müssen…
      Liebe Grüße, Tanja

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