AfrikaÄgyptenReisenWorldtrip 2019 / 2020

Ägypten: Ausgrabungen und Unterwasserwelt

Ägypten Luxor

Alexandria nach Kairo

Nachdem wir überglücklich unseren unversehrten Camper am 20. November in Empfang nahmen, ging für uns die Fahrt gleich von Alexandria in den Süden von Kairo. Wie es uns in Kairo und Alexandria ergangen ist erfahrt ihr hier. Die 250 km fuhren sich am Anfang ganz gut, dann kamen wir allerdings in Kairo direkt in den Feierabendverkehr. Es fahren so viele Autos wie möglich nebeneinander, dazwischen finden sich Esel- und Pferdegespanne und es kommt nicht selten vor, dass der Fahrer auf der äußersten Spur plötzlich auf der komplett anderen Seite raus möchte. Vorfahrt beachten – Fehlanzeige! Der Fahrer, in dem Fall Armin, muss bis aufs äußerste konzentriert sein. Aber nach hartem Kampf und starkem Durchsetzungsvermögen kamen wir bei Dunkelheit auf der Al-Sorat Farm an.

Da wir am nächsten Tag bereits weiter fahren wollten, starteten wir gleich damit, unser Auto wieder ein- und umzuräumen. Ihr erinnert euch: Für die Verschiffung wurde alles von der Fahrerkabine in die Wohnkabine umgeräumt und alles Sichtbare in der Wohnkabine in Schränke und dunkle Ecken verschoben. Nach 2 Stunden war aber wieder alles am Platz und wir ließen uns Nudeln mit Pesto schmecken.

Kairo nach Luxor

Am nächsten Tag fuhren wir dann knappe 700 Kilometer südwärts bis nach Luxor. Wir wählten den Eastern Desert Highway, welcher recht gut ausgebaut ist und auch nur wenig kostet. Wir kamen an einigen Polizei-Checkpoints vorbei, wurden aber immer sehr höflich behandelt. Kurz vor Qena wollte man uns dann aber aus Sicherheitsgründen nicht auf dem Highway weiterfahren lassen. Wir mussten dann für 10 km der Polizei folgen, natürlich mit Blaulicht, bis wir dann auf der Straße entlang des Nils ankamen und von dort nach Luxor fahren konnten.

Wen genau man vor uns beschützen will oder ob wir beschützt werden sollten, ist uns nicht ganz klar.

On the Road
On the Road

Luxor

In Luxor quartierten wir uns im Rezeiki Camp ein. Schön war, dass wir gleich auf weitere Overlander gestoßen sind. Jutta & Markus, wir hatten eine tolle Zeit miteinander. Hoffentlich kreuzen sich unsere Wege bald wieder.

Ruhe fanden wir aber zunächst nicht, da sich in dem Camp ca. 60 Schüler im Alter von 10 – 16 Jahren aufhielten, auch nachts war der Teufel los.

Sehenswürdigkeiten in Luxor

Man kann in Luxor unglaublich viele spannende Tempel, Gräber, Museen etc. anschauen. Wir möchten euch gerne die in unseren Augen wirklich sehenswerten Stätten erläutern.

Tal der Könige

Die moderne Stadt Luxor erstreckt sich auf der Ostseite des Nils. Das ist wichtig zu wissen, wenn man ins Tal der Könige möchte, denn dieses liegt auf der westlichen Seite des Flusses, der sog. Westbank. Luftlinie sind es von Luxor-Stadt nur ein paar Kilometer aber da die nächste Nilbrücke etliche Kilometer weiter im Süden liegt, ist die Fahrstrecke insgesamt ca. 25 km pro Weg. Dies bitte berücksichtigen, wenn man einen Fahrer bucht oder ein Taxi engagieren möchte. Wir konnten vom Rezeiki Camp aus einen Fahrer für 600 EGP für einen halben Tag engagieren und da wir zu viert waren, war der Preis in Ordnung. Luxor ist generell etwas teurer.

Es empfiehlt sich, das Tal der Könige möglichst zeitig zu besuchen, bevor die Ausflugsbusse vom Roten Meer anrücken. Diese fahren ca. 3 – 4 h und kommen erst nach 9 Uhr an. Also früh aufstehen. Wenn man am Eingang ankommt, muss man zunächst zwingend durch einen kleinen Basar und geht am besten zielstrebig zum Ticketschalter. Wer kein Fotopermit kaufen möchte, bringt am besten nur sein Mobiltelefon zum Fotografieren mit (damit ist es erlaubt zu knipsen). Uns wollte man die Kamera abnehmen und „verwahren“, bis wir zurück sind. Wir haben dies kategorisch abgelehnt, allerdings versprochen, nicht zu fotografieren. Daran sollte man sich dann auch halten. Generell bieten viele der Wächter an, eigentlich geschlossene Bereiche zu öffnen oder Fotos zu machen. In diesen Fällen wird Bakschisch fällig und man sollte sich das vorher gut überlegen.

Die Ausgrabung ist sicherlich mit das Bemerkenswerteste, was es weltweit über antike Kulturen zu sehen gibt. Die Zugänge zu den Grabkammern sind reich verziert, die Steinmetzarbeiten sind fein und detailliert, vielfach sind auch noch die Farben erhalten mit denen die Wände bemalt wurden. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Gräber aus der Zeit von 1479 – 1111 v. Chr. stammen und somit deutlich älter als 3000 Jahre sind. Die Präzision, mit der im alten Ägypten gearbeitet wurde, würde man sich im modernen Ägypten manchmal wünschen :-). Welche Gräber man sich mit dem Ticket anschauen möchte, darf man frei wählen (max. drei). Wir haben uns Für folgende entschieden:

Grab von Merenptah (Grab Nr. 8) – sehr tiefes Grab, deshalb besonders eindrücklich
Grab von Ramses IX (Grab Nr. 6) – sehr gut erhalten und deshalb sehr sehenswert
Grab von Sethos II (Grab Nr. 15)

Wenn man nicht zu den absoluten Stoßzeiten hier ist, hat man genügend Zeit, sich die Gräber und die Details ausgiebig anzuschauen.

Es bietet sich an, sich im Vorfeld einer Ägyptenreise mit der Welt der Pharaonen zu beschäftigen, denn dann wird die Reise nach Luxor noch einmal intensiver und man versteht die Mystik dieser Orte.

Der Eintrittspreis beträgt 240 EGP (ca. 13,60 €) pro Person. Man darf dann 3 Gräber besuchen. Einige Gräber z. B. Sethos I oder Tutanchamum kosten nochmals viele Pfund extra, ebenso das Foto-Permit, welches 300 EGP kostet.

 

Al-Deir Al-Bahari Tempel – Totentempel der Hatchepsut

Hatchepsut war die mächtigste Frau auf dem Pharaonenthron. Sie ließ den Totentempel ab 1479 v. Chr. erbauen. Neben dem Tal der Könige ist der Totentempel die Top-Sehenswürdigkeit in Theben-West, bzw. auf der Westseite des Nils bei Luxor. Die Anlage ist terrassenförmig unterhalb des Bergs gebaut und uns hat am besten die Gesamtwirkung des Bauwerks mit den großen Osiriden-Statuen und der Falkenstatue gefallen.

Der Eintrittspreis beträgt 140 EGP (ca. 8 €) pro Person, ein Foto-Permit wird hier nicht benötigt.

Karnak Tempel

Die Anfänge des Tempels gehen auf das Jahr 2100 v. Chr. zurück und über fast zwei Jahrtausende war er das zentrale Heiligtum vieler Pharaonen, geweiht dem Amun-Re. Er liegt auf der Ostseite des Nils und damit dicht bei der modernen Stadt Luxor. Am besten gefallen hat uns der Säulensaal mit den Papyrus-Bündel-Säulen und den spannenden Steinmetzarbeiten an der Wand. Ein weiteres schönes Detail ist der Riesen-Skarabäus am heiligen See. Seine Umrundung soll Glück bringen und damit das auch wirklich funktioniert, sind wir gleich dreimal um ihn herum gegangen :-).

Insider-Tip: Der Chons-Tempel, westlich der Nord-Süd-Achse des Tempelbezirks gelegen, ist mit seinen farbenprächtigen Reliefs und detaillierten Bildern wirklich sehenswert. Außerdem hat man den Tempel oft für sich alleine. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an unsere Guides Jutta und Markus, wir hatten eine schöne gemeinsame Zeit in Luxor.

Der Eintrittspreis beträgt 200 EGP (ca. 11,50 €) pro Person. Ein Foto-Permit wird nicht benötigt.

Luxor Tempel

Den Luxor Tempel, im Zentrum der Stadt, haben wir uns nur von außen angesehen. Wer möchte, kann die Abu el Haggag-Moschee besuchen, die in die Tempelanlage hinein gebaut wurde. Der Luxor-Tempel ist bei weitem nicht so imposant, wie die Karnak-Tempelanlage.

Tauchen am Roten Meer

Nach 2 sehr intensiven Tagen in Luxor, führte uns der Weg ans Rote Meer. Die direkte Verbindung ist aber aus Sicherheitsgründen gesperrt und somit fuhren wir erst Mal wieder 40 km nordwärts am Nil entlang nach Qena und dann über Safaga Richtung Marsa Alam.

Unsere Unterkunft war das Marsa Shagra Village (Red Sea Diving Safari). Leider konnten wir dort nicht campen und mussten ein Beduinen-Zelt mieten. Kostenseitig war das natürlich nicht so gut, von der Ausstattung und der Lage her allerdings ein Traum. Und somit zogen wir wieder für 7 Tage in ein normales Bett. Der Plan war, einige Tage zu Tauchen. Da ich (Tanja) mir aber wohl noch in Alexandria eine starke Erkältung geholt hatte, war erstmals nur Schnorcheln drin, was uns aber auch schon begeisterte. Tja und als ich dann nach 2 Tagen wieder einigermaßen fit war, ging es Armin gar nicht mehr gut. Er hat sich wohl am letzten Abend in Luxor den Magen ordentlich verdorben. Leider war für ihn dann für den Rest der Zeit ausruhen angesagt. Was die Genesung anging wurden wir intensiv von Silvia und Peter betreut – lieben Dank euch. Ich hatte dann das Glück, dass ich mit zwei sehr netten Mädels aus Bayern tauchen gehen konnte. Nadine und Elisabeth, herzlichen Dank dafür!

Ägypten Rotes Meer
Ägypten Rotes Meer

Beim Tauchen am Hausriff hat man das Gefühl, in einem Aquarium zu Schwimmen. Leider kann ich die Fische immer nur schwer benennen, deshalb lasse ich es wohl lieber, aber ganz besonders fasziniert haben mich die Schildkröten. Ich konnte sie beim Fressen, beim Auf- und Abtauchen und beim chilligen Sitzen auf den Felsen oder im Sand bewundern. Teilweise haben uns die Schildkröten dann richtig beobachtet. Das war fantastisch :).

Das Marsa Shagra Village können wir wärmstens empfehlen. Man kann Zelte in verschiedenen Größen und Comfortklassen mieten, oder auch kleine Häuschen, welche allerdings etwas weiter weg vom Strand sind. Diese Unterkunft hat genau den Flair den wir uns wünschen, ruhig, direkt am Meer und genug Platz für alle. Außerdem ein tolles Riff zum Tauschen und Schnorcheln und super nettes Personal.

Assuan

Assuan Kato Dool Nubian House
Assuan Kato Dool Nubian House

Nach 1 Woche am Roten Meer, fuhren wir wieder 300 km durch die Wüste, bis wir Assuan erreicht hatten. Wir haben in einer wunderschönen Unterkunft, dem Kato Dool Nubian Guesthouse, welches direkt am Nil liegt übernachtet. Die Zimmer zeigen sich gemäß dem nubischen Stil mit runder Decke und bunten Türen und Wänden. Wir haben den Abend und auch den nächsten Morgen in diesem tollen Gästehaus sehr genossen und jeder, der Ägypten mal individuell bereisen mag, sollte es nicht verpassen, hier zu übernachten.

Abu Simbel

Von Assuan ging es auf der Western Desert Road bis nach Abu Simbel. Hier wurde das Auto nochmals vollgetankt und Wasser und einige Snacks eingekauft, für den Grenzübertritt am nächsten Tag.

Aber zuerst betraten wir morgens um 5 Uhr die Tempelanlage von Abu Simbel.

Die beiden Tempel befinden sich ganz in Ägyptens Süden und damit in Nubien. Sie wurden im 13. Jahrhundert v. Chr. unter Ramses II erbaut. Der große Tempel mit den vier Kolossalstatuen wurde zum Ruhm von Ramses II errichtet, der kleinere Hathor-Tempel zur Erinnerung an Nefertari, seiner königlichen Gemalin.

Es lohnt sich, diese herrliche Tempelanlage zum Sonnenaufgang zu besuchen. Zunächst sieht man die mit Kunstlicht angestrahlten Tempel-Portale und erlebt eine schöne Lichtszene. Wenn die Sonne dann aufgeht, wechselt das Licht und die aufgehende Sonne strahlt die beiden Tempeleingänge an. Sehr schön!

Auch für Freunde der Ingenieurkunst ist der Tempel interessant, da er zwischen 1964 und 1968 zersägt und zur Rettung vor den steigenden Fluten des des Nasser-Stausees einige hundert Meter höher wieder aufgebaut wurde.

Der Eintrittspreis beträgt 255 EGP (ca. 14,30 €) pro Person. Ein Foto-Permit für 300 EGP wird benötigt, wenn man mit einer richtigen Kamera fotografieren will. Smartphone-Fotos sind ohne Permit erlaubt.

Von Abu Simbel ging es dann mit der Fähre über den Nasser-Stausee und 35 km weiter südlich zur Grenze zwischen Ägypten und dem Sudan.

Route in Ägypten

Insgesamt sind wir 2095 km gefahren. Hier seht ihr die von uns zurückgelegte Route.


 

Ausreise Richtung Sudan

Wir hatten uns entschieden, mit dem Fixer Kamal und seinem Helfer Mohammed zusammen zu arbeiten. Kamal verlangt einen Fix-Preis, der recht hoch ist: 50 USD für seine Dienste und 900 EGP für alle Gebühren an der Grenze und die Fähre von Abu Simbel auf die andere Seite des Nasser-Sees. Mohammed besuchte uns am Abend vor der Ausreise auf dem Parkplatz von Abu Simbel, um das Geld einzusammeln. Gemeinsam ging es dann morgens auf die Fähre und uns wurden alle Arbeiten auf der ägyptischen Seite der Grenze abgenommen. Man gibt hier übrigens auch die ägyptischen Nummernschilder zurück, als Souvenir darf man sie nicht behalten!

Ein Vorteil bei der Arbeit mit dem Fixer: Man braucht sich nicht um das “no-fines” Zertifikat zu kümmern, da dies von Kamal in Assuan erledigt wird. Insgesamt war der Prozess an der Grenze nach knapp 2 Stunden abgeschlossen. Mohammed ruft dann Mazar auf der Sudanesischen Seite ab, ohne den dort nichts funktioniert. Alle Kontaktdetails gibt es in iOverlander.

Reiseführer

Wir legten uns den Ägyptenreiseführer von Reiseknow „Das Niltal von Kairo bis Abu Simbel“ LINK zu und waren sehr zufrieden. Der Autor schreibt viel über die Menschen und die Kultur und macht große Lust dieses Land zu bereisen. Die genannten Eintrittspreise zu den Sehenswürdigkeiten passen nicht mehr, da zum 1. November 2019 die Preise generell um ca. 25 % erhöht wurden.


 

Fahren in Ägypten

Die Ägypter sind wirklich sehr rasante und rabiate Autofahrer. Kairo ist der absolute Alptraum zum Fahren. Es wird dauergehupt, Lichthupe gegeben wie wahnsinnig und keinerlei Rücksicht auf Eselskarren, Pferdegespanne oder sonstige Fahrzeuge zwischendrin genommen. Hier ist Präsenz zeigen angesagt, wenn man jemals am Ziel ankommen möchte.

Es gibt in Ägypten immer noch Verbindungsstraßen, die komplett gesperrt sind für den normalen Autofahrer und bei manchen Straßen gibt es eine Polizei-Eskorte gratis dazu. Die ständigen Polizei-Checkpoints können allerdings manchmal etwas nervig sein, aber wir wurden immer sehr höflich behandelt und ein kurzes zeigen der deutschen Ausweise war immer ausreichend.

Wie haben wir Ägypten erlebt?

Ägypten ist sicherlich ein etwas anstrengendes Land, aber entgegen der Aussagen manch anderer Reisenden hatten wir ausschließlich nette Begegnungen. Wir können gar nicht zählen, wie oft wir mit „WELCOME“ begrüßt wurden. Klar, die Ägypter möchten einem immer was verkaufen und gerade bei den Touristenattraktionen wird man häufig angesprochen. Boat ride? Guide? Can I make a picture of you? Um nur ein paar wenige Sprüche zu nennen. Mit einem freundlichen aber klaren Nein, wurde meist schnell Ruhe gegeben. Ausnahme waren die Pyramiden von Gizeh, hier wurden wir noch im Taxi sehr aggressiv angegangen. Ich (Tanja) hatte immer lange Hosen getragen und auch immer längere Shirts oder Blusen und wurde nie belästigt, sondern immer höflich angesprochen. Armin meint allerdings, dass dies an meinem doch nicht mehr ganz jungen Alter liegt :).

Wir möchten gerade deshalb auch den Overlandern Ägypten ans Herz legen. Man wird dem Land nicht gerecht, wenn man nach dem Verschiffungsstreß innerhalb einer Woche dieses vielseitige Land durchfährt. Die Pyramiden und die Tempelanlage sind einzigartig, ein Abendendessen mit Blick auf den Nil ist Romantik pur und das Rote Meer, in der Gegend von Marsa Alam, macht jeden Taucher und Schnorchler glücklich.

ÄGYPTEN, dich zu bereisen war anstrengend. Du hast uns aber einzigartige Landschaften, eine bunte Unterwasserwelt und jahrtausendealte Kultur präsentiert.

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2 comments

  1. Ist immer wieder toll und beeindruckend zu lesen, was Ihr alles erlebt. Weiter so!!

    Gruß
    Jan

    1. Herzlichen Dank! Es freut uns immer Feedback zu bekommen.
      Grüße Tanja & Armin

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