AfrikaBotswanaReisenWorldtrip 2019 - 2021

Botswana – Abenteuer in der Cental Kalahari und den Makgadikgadi Pans

Botswana Kubu Island

Für jeden Safari-Liebhaber steht Botswana ganz oben auf der Liste der zu besuchenden Länder. Spätestens nachdem wir das Buch „Cry of the Kalahari“ gelesen hatten, war für uns klar, dass wir die Central Kalahari und die dazugehörigen Makgadikgadi Pans besuchen müssen. Einsamkeit und wilde Natur kann man hier wie nirgendwo sonst erleben und man hat Gelegenheit zu spüren, wie verloren wir „Zivilisationsmenschen“ in dieser Wildnis doch sind. Diese Regionen Botswanas versprechen Abenteuer pur, sind aber nichts für Safari-Anfänger, denn sie stellen doch einige Anforderungen an die Vorbereitung, das Fahrzeug, den Fahrer und die Navigation.

Route – Teil 1

Von der Grenze Buitepos (Namibia) / Mamuno (Botswana) geht es für uns nach Ghanzi und danach über das Tsau-Gate in die Central Kalahari. Wir drehen eine ausgiebige Runde bis hinab zu den Piper Pans und verlassen am dritten Tag das Game Reserve durch das Matswere Gate im Nordosten. Die Makgadikgadi Pans durchqueren wir vom Boteti River Camp kommend nach Norden und erkunden den Nxai Pan Sektor. Der Hauptstraße Maun – Nata folgend fahren wir nach Osten, um dann einen Abstecher an die Elephant Sands Lodge zu machen. Weiter geht es über Francistown ins Khama Rhino Sanctuary und von dort über Kubu Island quer durch die Pans nach Gweta, wo wir wieder auf die Straße nach Maun stoßen.

Insgesamt sind wir 2429 km gefahren.

Overlanding in Botswana

Botswana ist mit dem eigenen Fahrzeug auf den Hauptrouten einfach zu bereisen. Verlässt man aber den Asphalt, ist eigentlich überall Allradantrieb notwendig. Es ist heiß und viele Pisten sind tiefsandig. In der Regenzeit können darüber hinaus tiefe Wasserdurchfahrten nötig sein. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an das Material, den Fahrer und die Navigation. Es macht aber sehr viel Spaß, in Botswana unterwegs zu sein.

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten, Erlebnisse und Begegnungen

„I am sorry, but I cannot let you get on that plane to Windhoek!“. Das fängt ja schon mal wieder gut an hier am Schalter von Airlink am Flughafen in Kapstadt. Gerade haben uns unsere Freunde Colleen und Johan morgens um halb fünf zum Flughafen fahren müssen, da uns kein Uber-Fahrer abholen möchte, obwohl uns die Fahrt vorab in der App bestätigt wurde. Jetzt möchte man uns nicht ins Flugzeug lassen. Das schöne Südafrika hat wohl eine besondere Beziehung zu uns entwickelt und will uns einfach nicht gehen lassen. Und wenn, dann nur mit Gezeter. Diesmal ist wohl das Problem, dass wir zwar einen Flug nach Windhoek / Namibia haben, aber keinen weiteren Flug, der uns wieder außer Landes, zurück nach Südafrika oder bestenfalls nach Deutschland bringt. Wie bei uns zuhause freut man sich nämlich auch in Namibia wohl scheinbar nur auf Gäste, wenn sie beweisen können, dass sie bald wieder gehen. Denkt zumindest die Frau am Check-In-Schalter. Wir sehen das allerdings anders. Was auch in diesem Fall hilft: Einfach nicht wegschicken lassen und ein Gespräch mit dem „Supervisor“ verlangen. Nachdem dieses erfolgt ist und damit der Check-In auch wieder anderen Gästen zur Verfügung steht, wird uns „auf eigene Gefahr“ der Boardingpass ausgestellt. Als wir gut zwei Stunden später in Windhoek landen, ist auch gerade die große Lufthansa-Maschine aus Frankfurt gelandet. Wir reihen uns in die ewig lange Schlange ein, durchlaufen den „Thermo-Scan“, an dem unsere Temperatur mit Wärmebildkameras gemessen wird und kommen zum Immigration-Schalter. Der professionelle Herr fragt uns danach, wie lange wir in Namibia bleiben, bevor es nach Botswana weiter geht und gibt uns zunächst 10 Tage. Mehr als ausreichend, schließlich wollen wir mit dem gleichen Covid-PCR-Test, der uns nach Namibia gebracht hat, am nächsten Tag direkt weiter nach Botswana. Die Dinger sind ja immer eine Zeitbombe („bitte sei negativ…“) und auf die Dauer sauteuer.

Wir sind wieder zurück in Namibia, einem Land, in dem wir im Laufe unserer Reise bereits vier schöne Monate verbracht haben. Die Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt fühlt sich deshalb schon ein wenig wie „Nachhausekommen“ an.

Mietwagen in Windhoek / Namibia mieten

Wer in Namibia einen 4×4 Camper mit Dachzelt mieten möchte, hat die Qual der Wahl. Viele Jahre lief der Tourismus in Namibia auf Hochtouren und entsprechend gibt es viele Anbieter. Alleine auf den eingezäunten Arealen am Flughafen kann man hunderte dieser Fahrzeuge sehen, die in den vergangenen Monaten vergeblich auf Kundschaft warteten.

Für uns war klar, wo wir das Auto mieten. Für die notwendigen Reparaturen an unserem treuen Mitsubishi hatte man uns im vergangenen Jahr die Werkstatt von Stefan Klose empfohlen und zweimal waren wir mit unserem Auto bei ihm. Stefan ist ein super Typ und der Service in der Werkstatt war immer hervorragend. Zusammen mit seiner Frau Esme betreibt Stefan die 4×4 Camper-Vermietung „African Sun Car Hire“ mit einer Flotte von ca. 30 Toyota-Fahrzeugen, die in der eigenen Werkstatt gewartet werden. Nach dem herzlichen Empfang steht für uns ein Hilux mit Dachzelt bereit, der einfach aber komplett ausgestattet ist. Das Hartschalen-Zelt ist brandneu und erinnert uns an das gute „Columbus“ Dachzelt, mit dem wir 10 Monate lang auf der Panamericana unterwegs waren. Die Kühlbox ist bereits kalt und alles andere dabei, was man so braucht. Der Wagen wird für mindestens sechs Wochen unser Zuhause sein und wir freuen uns, dass er uns auf Anhieb so gut gefällt.

Wir verabschieden uns und fahren erst mal zum Einkaufen. Da wir mit dem Flieger angereist sind, konnten wir leider nur ein paar Köstlichkeiten aus unserem Camper mitnehmen und müssen uns komplett neu eindecken. Danach geht es los Richtung Gobabis und der Grenze zu Botswana. Wir sind aufgeregt, wie wir wohl die erste Nacht im Dachzelt schlafen werden und vielleicht wird der eine oder andere fragen: „Vermisst ihr euren eigenen Camper denn nicht?“. Die ehrliche Antwort: Es gibt in Afrika nichts schöneres, als im luftigen Dachzelt zu schlafen und es ist ein gutes Gefühl, ein zuverlässiges und relativ leichtes Fahrzeug abseits der befestigten Straßen zu bewegen. Der Trennungsschmerz hält sich tatsächlich in Grenzen und die Vorfreude auf die kommenden Wochen überwiegt bei weitem!

Unterwegs im Hilux-Camper von African Sun Car Hire

An der Grenze entlang des Trans-Kalahari-Highways

Gegen kurz nach 9 Uhr kommen wir an der Grenze Buitepos / Mamuno zu Botswana an. Wir lassen unsere Pässe auf der namibischen Seite ausstempeln, zeigen unsere noch immer gültigen Covid-Tests vor und können das Land verlassen. Auf der botswanischen Seite müssen wir zunächst zum Health-Checkpoint. Unsere Covid-Tests und Pässe werden kontrolliert und wir bekommen ein „Unbedenklichkeits-Zertifikat“ in Form eines kleinen gestempelten Zettelchens. Zum Glück müssen wir keinen weiteren Schnelltest mehr bei Einreise machen, dies wird wohl von Grenzposten zu Grenzposten unterschiedlich gehandhabt. An der Immigration berichten wir, dass wir ca. 5 Wochen in Botswana bleiben möchten und bekommen direkt die Aufenthaltsgenehmigung für 60 Tage. Als EU-Bürger darf man pro Jahr 90 Tage in Botswana bleiben. Wenn man weniger in den Pass gestempelt bekommt, kann man dies in den lokalen Immigrations-Büros in den Städten einfach verlängern lassen.

Der Mann am Schalter ist sehr nett und gibt uns noch ein paar Tourismusbroschüren und kostenlose Landkarten mit.

Da wir mit einem namibischen Mietwagen reisen, müssen wir nicht zum Zoll. Allerdings muss ein Road-Permit gekauft werden, welches ca. 150 Pula kostet. Danach sind wir „ready to go!“. Welcome to Botswana.

Central Kalahari Game Reserve

Wir fahren nach Ghanzi, um uns mit den notwendigen Dingen des Alltags auszurüsten: Geld, SIM-Karte und Diesel. Dazu wollen wir hier im lokalen DWNP-Büro zwei Nächte in der Central Kalahari buchen. An der FNB-Bank erhalten wir ohne Gebühr Bargeld und im Choppies Supermarkt können wir unsere Orange-SIM-Karte aktivieren lassen, die wir im benachbarten „China-Laden“ gekauft haben. Diese Läden gibt es häufig in Afrika: Chinesen verkaufen hier billige „Gadgets“ wie Bluetooth Lautsprecher, LED-Leuchten, etc. und man kann dort die erstaunlichsten Dinge finden. Außerhalb dieser Läden geht es langsam und beschaulich zu im botswanischen Einzelhandel. Die Bewegungen sind ultra-langsam und man hat kontinuierlich das Gefühl, als Kunde die wohlverdiente Ruhe der Angestellten zu stören. Da müssen wir uns erst einmal wieder dran gewöhnen.

Das Buchen von Nationalpark-Camps ist in Botswana ebenfalls eine zeitraubende Herausforderung. Die staatliche Nationalparkverwaltung DWNP betreibt in der Central Kalahari einige recht günstige Camps, hat aber für viele andere die Konzession an private Tourismusfirmen verpachtet. Man muss somit sehr genau schauen, welche Camps man wo buchen kann. Ein zentrales Buchungssystem gibt es beim DWNP nur in Form von großen handgeschriebenen Büchern in Gabarone, so dass auch in diesen speziellen Zeiten die Antwort auf die meisten Anfragen lautet: „fully booked“. Die Folge davon sind halb leere Camps in den Parks und genervte Gäste. Da dies aber zwischenzeitlich auch den Mitarbeitern bekannt ist, können wir Camps für zwei Nächte auf „gut Glück“ im Bereich des „Deception Valley“ buchen.

Wir machen uns morgens auf zum westlichen Tsau-Gate, welches nach ca. 40 km Sandpiste erreicht ist. Nachdem wir uns dort registriert haben, fahren wir nicht zu unseren eigentlich gebuchten Camps irgendwo im Deception Valley sondern halten uns südwestlich. Die Einsamkeit in der Zentralkalahari ist legendär und seit wir das Buch „Cry of the Kalahari“ von Mark und Delia Owens gelesen haben, möchten wir diesen Ort besuchen. Über die Motopi Pan und die Passarge Pan führt der schmale Pfad zu unserem ersten Übernachtungsstop in der San Pan. Landschaftlich wechseln sich immer wieder die weiten ebenen Pfannen und Sandpassagen ab. Die Pfannen haben einen harten, von verdorrtem Gras bewachsenen Boden und man kann viele Antilopen in den Ebenen sehen. Die verbindenden Sandpassagen sind oft von dichtem Gestrüpp bewachsen und man kommt nur langsam voran.

Das Camp in der San Pan ist natürlich trotz gegenteiliger Auskunft frei (es war wahrscheinlich seit Wochen niemand hier) und wir bauen unser kleines Camp auf. Etwas besorgt halte ich Ausschau nach Spuren der größten Bedrohung für uns in dieser Gegend: Mäuse. Durch die sehr ergiebige Regenzeit und den nun folgenden kühlen Winter haben sich die Nager rasant vermehrt in der Kalahari und sind eine wirklich Plage. Wir konnten leider kein „Marderspray“ auftreiben und ich versuche mit stinkenden Hausmitteln und offener Haube das Auto auf eine mögliche Mäuse-Invasion vorzubereiten. Wir machen uns ein gemütliches Abendessen zum Sonnenuntergang und da es hier ja auch die berühmten Kalahari-Löwen gibt, geht es um sieben bereits ins Zelt. Es ist ja auch schon stockdunkel. Ich leuchte aus dem Zelt und da sehe ich sie: Mäuse überall. Einige stehen am Eingang ihrer Bauten und starren mich aus ihren dunklen Augen an, andere huschen frech über die Ebene. Zwei ortsansässige Schleiereulen fliegen Dauereinsätze, sind aber nach 15 Minuten wohl auch schon wieder satt. Wir kapitulieren, bevor die Tiere ins Auto gelangen und packen zusammen. Das Camp liegt auf einem kleinen Hügel und wir fahren einfach runter auf die harte Pfanne, wo die Mäuse keine Löcher graben können. Hier sind wir sicher und schlafen in absoluter Einsamkeit. Man kann das eigene Blut durch die Adern rauschen hören.

Nach einem herrlichen Sonnenaufgang fahren wir südlich in Richtung der Piper Pans. Diese größeren Pfannen bieten Lebensraum für viele Wildtiere und als wir dort eintreffen, ist die Ebene voll von Gnus, Kudus und Springböcken. Wir gesellen uns dazu und machen eine ausgedehnte Mittagspause. Als sich die Sonne schon wieder ein wenig senkt, umrunden wir die Pfanne und fahren wieder etwas nordöstlich in die Letiahau Pan. Hier bleiben wir einfach mitten auf dem Hauptweg stehen und schlagen unser Camp auf. Es ist ohnehin niemand unterwegs und wir sind eine Tagesfahrt vom nächsten Nationalpark-Gate entfernt. Nach einer weiteren ruhigen Nacht in wilder Natur fahren wir in Richtung Deception Valley und umrunden die gleichnamige Pfanne auf der Suche nach Löwen. Wir folgen frischen Fährten, bekommen die Tiere aber leider nicht zu Gesicht.

Hier in dieser Region der Central Kalahari treffen wir zum ersten Mal wieder auf andere Fahrzeuge: Eine Gruppe Südafrikaner kommt uns entgegen. Am frühen Nachmittag verlassen wir den Park über das nordöstliche Matswere Gate und fahren über das Städtchen Rakops, wo wir auftanken, an den Boteti River. Die Einsamkeit in der Central Kalahari war eine beeindruckende Erfahrung. Man sollte Wasser für mindestens eine Woche mitnehmen, da man im Falle einer Fahrzeugpanne nicht weiß, wann das nächste Auto vorbei kommt. Es gibt heute wenig Orte auf dieser Welt, die einem ein solches Gefühl der Abgeschiedenheit vermitteln können.

Makgadikgadi Pans und Nxai Pan Nationalpark

Nach unserem Abenteuer in der Central Kalahari verbringen wir eine Nacht im Boteti River Camp. Eigentlich wollten wir hier zwei Nächte bleiben, aber da die Preise wieder auf ein unverschämtes „Vor-Corona-Niveau“ angehoben wurden, entscheiden wir uns für einen früheren Abschied. Seit der Boteti River wieder Wasser führt, bringt eine handbetriebene Pontonfähre Autos an das Nordufer und somit in den Makgadikgadi Nationalpark. Die Ranger am Parkeingang haben keine Lust, uns abzukassieren und so fahren wir die sandige Transitroute bis zur Hauptstraße Maun – Nata. Als wir bei der Parkausfahrt bezahlen wollen, schicken uns die Ranger weiter. Es ist einfach zu anstrengend, von uns Geld zu nehmen. Soll uns recht sein, schließlich ist unser eigentliches Ziel der Nxai-Pan Sektor des Nationalparks, der nördlich der Hauptstraße liegt. Hier freuen wir uns über eine nette und engagierte Mitarbeiterin am Parkeingang. Ja, sie hat einen Platz auf dem im nördlichen Teil gelegenen „South Camp“ für uns (da soll mal einer durchblicken, wenn das South Camp im Norden liegt). Wir fahren auf sandiger Wellblechpiste Richtung Norden und zweigen dann nach Osten zu den „Baines Baobabs“ ab. Diese uralten Baobab-Bäume wurden vor 150 Jahren vom englischen Abenteurer Thomas Baines auf einem Ölgemälde verewigt und sie sehen heute fast noch genauso aus, wie damals. Die Bäume stehen auf einer Insel inmitten der weißen Salzpfannen und wir nutzen die Chance, in ihrem mächtigen Schatten eine schöne Mittagspause zu machen.

Über die Pfanne geht es weiter auf tiefsandigen Pisten Richtung Norden, bis wir an der Rezeption des Camps ankommen. Der Nxai-Pan-Sektor ist definitiv 4×4-Gebiet.

Das Camp ist in einem Wald gelegen und hat zehn großzügige Camps mit Feuerstelle. Dafür, dass das Camp so abgelegen liegt, ist das Waschhaus erstaunlich gepflegt. Umfangreiche „Panzersperren“ und Elektrozäune umgeben das Gebäude und das nicht ohne Grund: Das Camp liegt im Elefantengebiet, nur drei Kilometer vom einzigen ganzjährigen Wasserloch entfernt. Wir bekommen öfter Elefantenbesuch und es ist faszinierend und beängstigend zugleich, wie leise sich die riesigen Tiere bewegen. Oftmals nimmt man das Magengrummeln und Brechen der Zweige erst wahr, wenn die Tiere nur noch ein paar Meter entfernt sind.

Den Nachmittag verbringen wir mit Pirschfahrten um das Wasserloch und wir haben Glück: Zwei Löwen gehen zum Sonnenuntergang über die Pfanne! Die fotogenen Junggesellen wollen wohl auch zum Wasserloch. Jetzt im August ist es sehr trocken und karg hier. Dennoch ist Leben überall und man fragt sich, wie es hier wohl in den feuchten Monaten aussehen mag.

Am nächsten Morgen ist es dann passiert: Wir haben eine Maus im Auto. Die Milchtüte ist angefressen und ausgelaufen, der Inhalt einer Packung Nudelsuppe ist im Auto verteilt. Alarm!

Zum Glück ist im Motorraum nichts angefressen. Wir räumen unser Gepäck aus dem Laderaum des Campers und ich schraube alle Abdeckungen ab, an die ich ran kommen kann. Wir schieben die beiden großen Schubladen auf und zu und da sehen wir sie: Vollgefressen huscht sie über den Ladeboden in das nächste Versteck. Ich mache mich mit der Grillzange bereit, habe aber nicht die Reflexe, die benötigt werden, ein so schnelles Tier zu greifen. Am Ende ist der Hammer das Werkzeug der Wahl und für die Maus schließt sich nach einer Nacht im Schlaraffenland der Kreis des Lebens.

Auf Mäusejagd

Entlang der Route Maun – Nata

Nach den faszinierenden Tagen in der Kalahari verbringen wir zwei Nächte auf der Campsite des „Planet Baobab“. Die Lodge ist gepflegt und die Campsites großzügig mit eigener kleiner Lapa. Wir nutzen die Zeit für den Plausch mit anderen Reisenden und zur Vorbereitung auf die Abenteuer, die in Botswana noch auf uns warten. Eigentlich wollen wir hier eine Tour zu den Erdmännchen machen, die ca. eineinhalb Stunden entfernt einen Bau haben. Die Tiere leben wild, sind aber wohl an den Menschen gewöhnt und deshalb nicht so scheu, wie ihre Artgenossen in der Wildnis. Der Preis für eine Halbtagestour beträgt 100 US-Dollar pro Person und das ist zu viel. Verhandeln ist zwecklos und zudem tun wir uns seit jeher schwer mit Tierprojekten, die rein dem „Touristen-Spass“ dienen. Wir sehen deshalb von einem Besuch ab.

In der Stadt Nata, wo wir einkaufen und uns in Fouries Metzgerei ein paar schöne Stücke Fleisch besorgen, geht es 40 Kilometer nördlich in die Elephant Sands Lodge. Diese Unterkunft mit Camping hat ein eigenes großes Wasserloch und ab den Nachmittagsstunden kann man ohne Zaun den Dickhäutern bei der Erfrischung zusehen. Die Tiere kommen und gehen wie sie wollen und sorgen für ein ganz besonderes Schauspiel.

Khama Rhino Sanctuary

Von Nata geht es über Francistown, wo man gut einkaufen kann, weiter Richtung Palapye, wo die A14 Richtung Serowe nach Westen abzweigt. Ein paar Kilometer später kommen wir am Khama Rhino Sanctuary an. Dieses kleine Schutzgebiet wurde 1992 gegründet, nachdem man festgestellt hatte, dass nur noch neun Nashörner in Botswana existierten. Bis das Schutzgebiet eingerichtet wurde, waren von diesen wiederum vier gewildert worden, so dass zunächst nur fünf Rhinos geschützt werden konnten. Aktuell hat sich der Bestand stabilisiert und es leben ungefähr 60 Nashörner in dem Park. Auf dem Gelände kann man im schönen Camp übernachten und hat ein tolles Wildnisgefühl, auch wenn die Hauptstraße gar nicht weit entfernt verläuft. Die Pirschfahrten sind kurz, aber die zwei weiten Pfannen sind stimmungsvolle Orte für die Tierbeobachtung. Am Nachmittag konnten wir insgesamt um die 20 Nashörner in unterschiedlichen Gruppen beobachten. Morgens haben wir dann hingegen gar keine gesehen. Für uns war der Besuch im Park wirklich schön und entspannt. Man sollte unbedingt im Camp übernachten und damit das Projekt unterstützen.

Nach Kubu Island und quer durch die Makgadigadi Pans nach Gweta

Wir folgen der A14 weiter Richtung Nordwesten in Richtung der „verbotenen“ Stadt Orapa. Verboten deshalb, weil hier die größte Diamantmine des Landes beheimatet ist, welche den relativen Wohlstand Botswanas begründet. Wenn man keinen guten Grund hat, die Stadt zu besuchen, muss man draußen bleiben. Zu groß ist die Angst, dass man den einen oder anderen Klunker mitgehen lässt. Die Mine ist ein großer Tagebau und man sieht sie auch von weitem, wenn man in Lathakane nach Norden Richtung Mmatshumo abzweigt. Hier kaufen wir die Eintrittskarte zu Kubu Island und die Erlaubnis, dort zu campen. Kubu Island ist eine Insel inmitten der flachen Salzpfannen, die mit imposanten Baobab-Bäumen bewachsen ist. Sie ist das Zeugnis einer Zeit, als hier ein großer See war. Weiße Spuren von fossilem Guano (Vogelkot) zeugen davon, dass hier einst Wasservögel von einem reichhaltigen Fischangebot lebten. Auf Kubu Island ist man wieder in der vollständigen Einöde. Wenn sich abends die Sonne senkt, ist kein Zeichen der Zivilisation zu sehen und wären nicht die etwas zu lauten Nachbarn, könnte man wieder einmal denken, man sei alleine auf diesem Planeten.

Da wir bald nach Maun möchten, führt uns die weitere Route direkt durch die Pfannen nach Nordwesten zum Örtchen Gweta. Es geht gute 100 km auf interessanter Piste voran: Mal kann man schnell fahren auf den topfebenen Salzpfannen, dann wieder ist die Piste tiefsandig oder man muss durch dorniges Gestrüpp hindurch navigieren. Überhaupt die Navigation: Ständig muss man das GPS und die Richtung im Blick behalten, denn insbesondere im Norden teilt sich die Piste auf unzählige Fahrspuren auf. Dazu staubt es wie verrückt! Nach knapp vier Stunden kommen wir fix und fertig im „Planet Baobab“ bei Gweta an. Jetzt erstmal den Staub von der Haut waschen, bevor es nach Maun und damit zu weiteren Abenteuern geht.

Unsere schönsten Übernachtungsplätze (siehe Karte)

Palm Afrique

Große Lodge mit Campingplatz außerhalb von Ghanzi. Dies ist ein idealer Ort, um vor oder nach dem Grenzübertritt zwischen Botswana und Namibia zu übernachten.

Camps in der Central Kalahari

Es geht gar nicht um die jeweiligen Camps als solche, diese haben ohnehin keine besondere Infrastruktur. In der Central Kalahari geht es vor allem um die Abgeschiedenheit. Ein unbeschreibliches Erlebnis der Einsamkeit.

South Camp im Nxai-Pan Sektor des Makgadikgadi Pans Nationalpark

Die Naturnähe ohne Zäune ist des Hauptargument für den Besuch von botswanischen Nationalparks. Dieses Camp ist dafür ein gutes Beispiel. Die Camps liegen in einem Wäldchen und Elefantenbesuch ist quasi garantiert. Aber auch die anderen Tiere der Savanne haben außer ihrer natürlichen Scheu keine Barriere zum Camp. Betrieben werden die Camps von der Xomae Group, deren Website Aufschluss über die aktuellen Preise gibt.

Planet Baobab

Die 3 Campingplätze liegen liegen schön zwischen Baobabs. In der Dämmerung werden die Eulen aktiv und fliegen lautstark von Baum zu Baum. Auch der Pool ist schön angelegt und bietet eine willkommene Abkühlung.

Elephant Sands

Hier steht man auf einer Sand/Grasfläche mit direktem Blick auf ein Wasserloch. Und wie der Name schon sagt, sind hier fast rund um die Uhr Elefanten aus nächster Nähe zu beobachten.

Khama Rhino Sanctuary Camp

Die Campsites im Schutzgebiet sind liebevoll gemacht und unter großen Bäumen angelegt. Das Waschhaus ist ordentlich und warmes Wasser ist bereit. Ein wirklich schöner Stopp mit schönem Wildnisgefühl, obwohl die Hauptstraße gar nicht weit entfernt ist.

Kubu Island

Für Selbstfahrer ist es ein absolutes Muss, die Salzpfannen der Magkadigadi-Region zu durchqueren und einen Übernachtungsstop auf Kubu Island zu machen. Die Campsites sind recht weit verstreut und man hat ein tolles Gefühl, in absoluter Abgeschiedenheit zu sein. Wasser muss man selber mitbringen und den Müll auch wieder mitnehmen. Es gibt Plumpsklos, die auf dem Gebiet verteilt sind und ordentlich gewartet werden.

Grenzübertritt

Visum

Mit einem Deutschen Pass muss kein Visum gekauft werden. Man bekommt an der Grenze einen Einreisestempel für maximal 90 Tage. Ist der Einreisestempel für einen kürzeren Zeitraum gültig, kann dieser einfach bei den Immigrations-Büros verlängert werden.

Einreise von Namibia kommend (Buitepos / Mamuno)

Namibia:

  • Ausreiseformular ausfüllen bei der Immigration.
  • Pass stempeln lassen.
  • Ggf. Zoll aufsuchen, um das Fahrzeugdokument stempeln zu lassen. Entfiel bei uns erstmals, da wir mit einem Mietauto unterwegs waren.

Botswana:

  • Health-Checkpoint: Hier Pass und PCR-Test (Stand August 2021 maximal 72h alt) vorzeigen. Man erhält eine gestempelte „Unbedenklichkeitserklärung“.
  • Immigration: Pass abgeben und stempeln lassen. 30 Tage sind Standard, wenn man mehr möchte, gleich darauf hinweisen. Wir haben 60 Tage bekommen.
  • Ggf. Zoll aufsuchen, um Fahrzeugdokumente stempeln zu lassen. Entfällt bei Fahrzeugen, die in der SADC zugelassen sind.
  • Road-Permit kaufen, dies kostet für ein Privatfahrzeug (Pickup-Camper) ca. 150 Pula.

SIM Karte – Datenvolumen

Wir haben uns für eine SIM-Karte von Orange entschieden. Diese konnten wir in Ghanzi im Supermarkt kaufen. Für gut 200 Pula bekommt man 12,5 GB Datenvolumen, gültig für einen Monat. Das Land ist sehr dünn besiedelt und an vielen Orten, insbesondere den Nationalparks, gibt es keinen Mobilfunkempfang.

Bargeld / Kreditkartennutzung

Mit der DKB-Visa-Karte konnten wir an der FNB kostenlos Bargeld abheben, 2500 Pula ist der maximale Betrag pro Vorgang. Generell ist auch die direkte Kreditkartenzahlung weit verbreitet, vor allem im Supermarkt und an den Tankstellen. Dennoch sollte man immer genug Bargeld dabei haben, da die Eintritte in die Nationalparks nicht günstig sind und „im Busch“ häufig keine Kreditkarten akzeptiert werden.

Tanken in Botswana

Das Tankstellennetz im dünn besiedelten Land ist ordentlich ausgebaut, allerdings sollte man genau rechnen, welche Distanzen man ohne Tankstopp zurücklegen möchte. Für eine umfangreiche Fahrt durch die Zentralkalahari oder im Norden des Landes (Maun – Kasane durch die Parks) ist mit dem doppelten des „normalen“ Treibstoffverbrauchs zu rechnen und entsprechend viel Treibstoff muss an Bord sein.

Reiseführer & Papierkarte

Reiseführer

Der Reiseführer „Reisen in Botswana“ aus dem Hupe-Verlag ist hervorragend geeignet, um eine Selbstfahrerreise durch Botswana zu planen. Uns gefallen besonders die Detailkarten zu den jeweiligen Nationalparks sehr gut.

Buchtipp

Mark und Delia Owens – Cry of the Kalahari. Die beiden Amerikaner lebten für sieben Jahre in der Zentralkalahari und beobachteten dort Schakale, Braune Hyänen und Löwen im Auftrag der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft. Ein spannendes Buch über die Herausforderungen dieser Gegend und den aussichtslosen Kampf gegen die Zerstörung der Natur durch den Menschen.

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2 comments

  1. Hallo Ihr Zwei, wieder mal ein schöner Reisebericht der unser Fernweh weckt! Wir kennen Botswana sehr gut, eines unserer Lieblingsziele! Wißt Ihr denn auch schon, wie es mit der Rückreise nach Namibia klappt? Also Corona-Test mäßig? Meine Schwester und mein Schwager sind demnächst in Botswana und es ist schwierig etwas herauszufinden!
    Wie lange bleibt Ihr noch in Botswana, was ist dann geplant?
    Was ich aber gar nicht in Ordnung finde, ist Eure Empfehlung in dem CKGR wild zu Campen! Jetzt mag es leer sein, wegen Corona, aber das ist nicht immer so! Heutzutage gibt es einfach zu viele Reisende und wenn alle wild campen….. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr diese Empfehlung wieder raus nehmt! Ist in meinen Augen ein ziemliches no go!

    Liebe Grüße aus Volkach und noch ganz viel Spaß!
    Marcella & Thomas

    1. Hallo Marcella,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Botswana ist wirklich traumhaft und wir genießen jeden Moment in diesem ganz besonderen Land.
      Um wieder nach Namibia einzureisen, wird ein PCR Test benötigt, der nicht älter als 72h ist (Antigen-Tests werden nicht mehr akzeptiert). Diese Regel gilt bei Einreise per Flugzeug und auch an den Landgrenzen. Wir werden den Test in Kasane oder Kazungula machen, dort gibt es entsprechende Labore, die das Ergebnis per E-Mail zusenden. Hilfreich, um an aktuelle Infos zu kommen, ist auch die “DriveBots” Gruppe bei Facebook.
      Was das Wild-Camping im CKGR angeht: Ich möchte es tatsächlich nicht so verstanden wissen, dass wir generell zum wilden Camping in Nationalparks aufrufen. Den Text werde ich bei Gelegenheit entsprechend anpassen, danke für den Hinweis. Aktuell ist es aber so, dass die Campsites in der Central Kalahari nicht benutzbar sind aufgrund des Mäuse-Problems und man nur dort schlafen sollte, wo der Boden hart ist. Wir selber haben dies im nordwestlichen Teil erfahren (San-Pans bis hinunter zu den Piper Pans), andere Reisende sind mit ihrem Fahrzeug im Deception Valley stehen geblieben, da Kabel und Schläuche angenagt wurden. Viele Grüße, Armin und Tanja

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