AfrikaReisenSüdafrikaWorldtrip 2019 - 2021

Südafrika – Garden Route

Südafrika Garden Route Storm's River

Zwischen George im Westen und Jeffreys Bay im Osten erstreckt sich die Garden Route. Wir haben diesem Küstenabschnitt über eine Woche gewidmet, so herrlich wild-romantisch ist er. An der Küste wechseln sich Sandstrände und wilde Felsküsten ab, dahinter bietet schier undurchdringlicher Urwald tolle Wandermöglichkeiten. Die Städtchen entlang der Route wiederum haben Charme und offerieren alles, was man sich wünscht. Besonders in kulinarischer Hinsicht.

Route Südafrika – Teil 3

Insgesamt sind wir 443 km gefahren.

Sehenswertes & Sehenswürdigkeiten, Erlebnisse und Begegnungen

Seit 2009 existiert der Garden Route Nationalpark in seiner jetzigen Form. Er ist der Zusammenschluss unterschiedlicher regionaler Parks, die zum Schutz der Urwälder und der wilden Küste angelegt wurden. Tatsächlich hatte ich (Armin) bei dem Namen „Garden Route“ eine ganz andere Vorstellung von der Landschaft. Irgendwie klang die Gegend für mich immer recht „blumig“. Tatsächlich schützt der Parkt einen der letzten Urwälder Südafrikas und eine atemberaubende, bisweilen wilde Küstenlandschaft. Man kann herrliche (Mehr-) Tageswanderungen unternehmen und im dichten Grün ganz tief durchatmen.

Wilderness

Die Wilderness-Section des Nationalparks befindet sich gleich im Westen hinter George. Das Nationalpark Camp „Ebb and Flow“ ist schön entlang des Touws River gelegen. Man campt auf Rasen unter großen alten Bäumen. Von hier hatten wir uns entschieden, den „Half Collard Kingfisher Trail“ zu wandern, der entlang des Flusses zu einem imposanten Wasserfall führt. Zwischenzeitlich muss der Fluss mittels einer handbetriebenen Ponton-Fähre überquert werden. Was für ein Spass. Aus dem Flusstal hinauf in das Örtchen Hoekwil führt ein schmaler, zugewachsener Pfad, auf dem man alle 10 Meter durch ein Spinnennetz läuft. Zum Glück ist Tanja voran gegangen. Belohnt wird man im Hoekwil Country Café mit einem sehr leckeren Cheese Cake. Es gibt unterschiedliche Geschmacksrichtungen und wir können den sahnigen „Blueberry“ sehr empfehlen. Zurück ging es wieder durch den Wald und über einen Aussichtspunkt dann hinab zur Mündung des Touws River in den Indischen Ozean. Bis zurück zum Camp hatten wir dann doch gute 20 km in den Knochen.

Knysna

Zwischen Wilderness und Plettenberg Bay liegt der Ort Knysna an einer natürlichen Lagune. Der Ortsname spricht sich „Neiss-Na“ aus, das K ist stumm. Knysna ist sicher ein Ort mit hoher Lebensqualität, entsprechend viel ist hier auch los und die Bebauung dicht. An der Stelle, wo die dem Ort vorgelagerte Lagune ins Meer mündet, ragen auf beiden Seiten Hügel auf. Von diesen „Heads“ hat man eine schöne Aussicht auf das Städtchen, die Lagune und den Indischen Ozean.

Bekannt ist Knysna auch für seine Austern. Angeblich die leckersten an der ganzen Küste! Das hängt damit zusammen, dass der Ozean schön kühl ist und die Muscheln ein besonders festes Fleisch entwickeln. Wir entscheiden uns dazu, im Lokal „34 Degree South“ ein feudales Frühstück einzunehmen, schließlich ist es schon morgens um 11 Uhr: Jeweils ein Glas Weißwein, eine Karaffe Zitronenwasser, einen Calamaris-Burger, zwei frische große Austern und eine kleine Austern-Probierplatte. Letztere beinhaltet eine gratinierte Auster, eine Tempura-Auster, Austern-Ceviche, und eine Auster, die in einer starken Bloody Mary versenkt wurde. Puuh, lecker aber nichts für schwache Nerven. Rohe Austern sollen ja die Lust steigern und zumindest auf unsere Wanderlust trifft dies zu…

Plettenberg Bay und Robberg Nature Reserve

Einige Kilometer weiter der Küste entlang liegt Plettenberg Bay und etwas südlich des Ortes das Robberg National Reserve. Die Halbinsel ist Heimat für viele Seehunde und kann zu Fuss komplett erwandert werden. Der Pfad läuft zunächst oberhalb der Küste und bietet einen tollen Ausblick. Auch einige Seehunde können wir von oben beobachten. Später kommt man hinab ans Meer und erreicht auch wunderschöne Sandstrände. Bei uns war es recht windig, aber man kann sich vorstellen, dass man hier auch wunderbar baden kann.

Etwas nördlich von Plettenberg Bay liegt Keurboomstrand. Direkt am Strand, besonders bei Ebbe gut zu erreichen, liegt ein „Rock Arch“. Diese Felsbrücke ist eindrucksvoll und einen Spaziergang wert, wenn man ohnehin am Strand badet oder die Sonne genießt. Wir übernachten auf dem netten gleichnamigen Campingplatz und gehen abends noch bei „Enrico“ Abendessen. Das Restaurant hat eine große Terrasse und ist eine absolute Empfehlung! Wir gönnen uns eine Flasche Rosé, Essen gegrillte Calamari, den Fang des Tages und Pasta mit Meeresfrüchten. Danach einen Kaffee und Tiramisu – was will man mehr?

Nature’s Valley

Ein paar Kilometer weiter entlang der Küste liegt der Nature’s Valley Teil des Garden Route Nationalparks. Wir entscheiden uns zunächst dafür, etwas nördlich im Wald beim „Wild Spirits Backpacker“ zu übernachten. Die alternativ geführte Anlage hat im Wald ein großes Campingareal und bietet jeden Abend ein einfaches aber leckeres Gericht an, wobei vegetarisch hierbei die Regel und das Fleischgericht die seltenere Option ist. Bei uns springt einfach nicht richtig der „Hippie-Funke“ über und so reisen wir nach einer Nacht bereits weiter. Nicht aber, ohne zuvor eine gute Stunde Yoga mit Rainbow, dem lokalen Yogalehrer, gemacht zu haben. Diese Yoga-Runde war wirklich klasse!

Unten an der Küste kann man im einfachen Sanparks-Camp des Nationalparks übernachten und zu einer schönen Wanderung aufbrechen. Der „Saltriver-Hiking-Trail“ führt von oben an die Mündung des Salt-Rivers und man muss bei Flut auf ein paar Passagen die Stiefel ausziehen und durch das Wasser waten. Die Küste ist wild und wenn die Wellen hoch sind, kann man schon ein wenig Ehrfurcht bekommen.

Storm’s River Mouth

Unser letzter Stopp entlang der Garden Route ist Storms River Mouth. Einige Einheimische hatten uns im Vorfeld gesagt, dass dies der eindrucksvollste Stopp entlang der Garden Route ist und auch der letzte, bevor der Küstenabschnitt bei Jeffreys Bay endet. Wir checken in der Sanpark Campsite ein und entscheiden uns für einen Platz direkt am Meer, auf der westlichen Seite des Campingplatzes. Es ist recht windig und die Brandung ist wild. Da das Wetter am kommenden Tag nicht gut angesagt ist, nutzen wir die „Speed Queens“ des Platzes, um mal wieder eine Maschinenwäsche zu waschen. Diese amerikanischen Maschinen sind von der Waschleistung her unglaublich schlecht, zumal der Strom auch nur für eine Kaltwäsche ausreicht. Immerhin passt unsere gesamte Schmutzwäsche in eine Trommel und wir haben mal wieder nur „saubere“ Kleidung in unserem Gepäck.

Exkurs „Load Shedding“

Apropos Strom: Hier in Südafrika herrscht seit einiger Zeit eine Energiekrise. Das bedeutet, dass es immer wieder zum sogenannten „Load Shedding“ kommt. Hierbei handelt es um einen geplanten Lastabwurf im Stromnetz, bei dem gewisse Teilbereich des Netzes gezielt und zeitlich geplant abgeschaltet werden. Hierzu gibt es vorab Informationen, so dass man sich mehr oder weniger darauf einstellen kann. Hintergrund ist, dass die Generatorkapazität in Südafrika nicht ausreicht, um den Elektrizitätsbedarf zu decken. Außerdem ist das Netz nicht in der Lage, die erzeugte Leistung bedarfsbezogen umzuverteilen. Für den Endkunden bedeutet dies einfach, dass recht häufig der Strom ausfällt. Ob er zum angesagten Zeitpunkt wieder kommt, hängt davon ab, ob der Lastabwurf Schaden an den Netzkomponenten verursacht, oder nicht. Zum Glück erzeugen wir die von uns benötigte Elektrizität selber.

Über den Storm’s River führt eine schöne Hängebrücke, zu der ein Wanderpfad führt. Auch ist die Gegend bekannt fürs Kajakfahren und Canyoning. Uns hat es Spaß gemacht, den Paddlern zuzuschauen, wie sie aus dem Fluss in den wilden Indischen Ozean einfahren.

Leider ist aktuell keine Wal-Saison. Dennoch können wir bei windigem Wetter und zum Teil über drei Meter hohen Wellen immer wieder Delfine beobachten, die in der Brandung surfen und Jagd auf Sardinen machen. Aktuell (Ende März) ist „Sardine-Run“ und große Schwärme der schmackhaften Fische nähern sich der Kapküste, wo sie natürlich auch die Delfine und andere Räuber anlocken.

Wir wandern den „Waterfall-Trail“ entlang der Küste nach Süden. Dieser ist Teil des weltbekannten „Otter-Trails“ durch den Garden Route Nationalpark, einer Mehrtageswanderung entlang der Küstenlandschaft.

Port Elisabeth

Die Stadt wurde aktuell umbenannt in Gqeberha, was durchaus kontrovers diskutiert wird. Tatsächlich ist diese zweitälteste Stadt Südafrikas das wirtschaftliche Zentrum (aber nicht die Hauptstadt) der Eastern Cape Province. Die Stadt hat einen geschäftigen (Übersee-) Hafen und, für uns relevant, Autowerkstätten :-(.

Nachdem wir seit Sambia immer wieder Vibrationen im Antriebsstrang haben, verdächtige ich das Getriebe unseres Mitsubishi, Auslöser für dieses Problem zu sein. Diese gehen bisweilen soweit, dass wir einen ziemlichen Leistungsverlust haben. Leider kommt es immer wieder zur „Spontanheilung“ und das Problem war nie wirklich greifbar (…und da ich ja leider kein Theologe oder Mediziner bin, sondern Ingenieur, habe ich dem Frieden nie getraut). Jetzt manifestiert es sich langsam (es wird quasi chronisch) und ein Getriebespezialist in Port Elizabeth bestätigt meine Vermutung: Wir haben wohl einen Lagerschaden im Getriebe. Also heißt es erstmal Abschied nehmen von unserem rollenden Zuhause, denn es ist Ostern und wir wollen nicht in Port Elizabeth rumsitzen.

Bei „Affordable Car Hike“ ist der Name Programm: Für günstiges Geld kann man hier Autos mieten. Und zwar nicht nur irgendwelche billigen Korea-Kisten. Nein, hier gibt es den Citi-Golf. Dies ist die Golf 1 Version, die von 1984 bis 2009 in Südafrika gebaut wurde. Knapp 900 kg, 84 PS, keine Servolenkung, keine Klimaanlage. Dafür Fahrspass pur mit richtig viel Platz und großen Fenstern. Jeder, der in den 90er Jahren (oder davor) seinen Führerschein gemacht hat, wird sich wieder fühlen wie mit 18. Schade, dass es sowas nicht mehr lange gibt.

Unsere schönsten Übernachtungsplätze

Ebb and Flow Restcamp North – Wilderness

Schön am Fluss gelegenes Nationalpark-Camp mit Schatten unter alten Bäumen. Man kann hier direkt zu den tollen Wanderungen starten. Ob man sich für den Nord- oder Südteil des Camps entscheidet, ist Geschmacksache. Wir waren im Norden und es hat uns gut gefallen. Die Sanitäranlagen sind alt aber sauber, solange das Putzteam gegen die Gäste ankommt. Da bei unserem Aufenthalt aber ein langes Wochenende (Human Rights Day) war, hat das nicht immer geklappt.

Arch Rock Lodge – Keuerboomstrand

Private Ferienanlage mit Campingplatz, die einen direkten Zugang zum Strand hat. Der Platz ist sympathisch und nur ein paar Meter zu Fuss liegt „Enrico“, einem tollen italienischen Restaurant.

Wild Spirit Backpackers

Oberhalb von Nature’s Valley und nur einige hundert Meter von der N2 entfernt liegt in einem Wald das Wild Spirit Backpackers. Das Hostel mit großem Wald-Campingplatz verbreitet einen alternativen „Hippie-Flair“, wenn man das so ausdrücken möchte. Es gibt einen Pool und das Deck ist Aufenthaltsraum und Speisesaal gleichermaßen. Es wird jeden Tag ein einfaches aber leckeres Dinner angeboten, in der Regel vegetarisch und manchmal mit einer Fleisch-Alternative. Die kleinen Wanderpfade im Urwald sind liebevoll gemacht und das Personal ist ausnahmslos nett und hilfsbereit. Außergewöhnlich schön war die morgendliche Yogastunde mit Rainbow, dem jungen lokalen Yoga-Lehrer.

Bei mir (Armin) ist irgendwie trotzdem nicht der Funke übergesprungen. Vielleicht liegt es daran, dass wir normalerweise ganz anders reisen und diese Art der Hostel-Kultur gar nicht mehr gewohnt sind. Außerdem sind momentan ja kaum internationale Touristen unterwegs und die Leute, die aktuell im Hostel wohnen, scheinen schon lange dort zu sein. Ich habe mich jedenfalls ein wenig wie ein Außenseiter gefühlt.

Storms River Mouth Restcamp im Tsitsikamma National Park

An der Mündung des Storm’s River liegt wieder ein Nationalpark-Camp. Vermutlich ist dies das Größte entlang der Garden Route. Wir entscheiden uns für einen Platz direkt am Meer, auf der westlichen Seite des Campingplatzes. Die Sanitäranlagen sind einfach und sauber. Das wilde Meer rauscht die ganze Nacht und man fühlt sich wirklich der Natur sehr nah. Hier hat es uns außergewöhnlich gut gefallen.

Restaurantempfehlungen

34 Degree South in Knysna

Dieses Restaurant liegt am Hafen von Knysna und bietet leckeres Essen, Frühstück und die obligatorischen Knysna-Austern fangfrisch an. Uns hat es hier sehr gut geschmeckt und wie so oft war der Service sehr gut und die Preise nach europäischem Maßstab sehr human.

Enrico am Keurboomstrand

Enrico scheint eine Institution hier in Keurboomstrand und der Region um Plettenberg Bay zu sein. Das Restaurant sieht von außen recht unscheinbar aus, hat aber eine wirklich große Außenterrasse, die an einen Biergarten erinnert. Viele Leute, Einheimische wie andere Reisende, hatten uns empfohlen hier zu essen. Wir entschieden uns für allerlei Meeresgetier: Gegrillte Calamaria und ein Salat als Vorspeise, dann Pasta mit Meeresfrüchten und den Fang des Tages und hinterher Tiramisu. Pizza gibt es auch auf der Karte, die soll aber gegenüber der Qualität des sonstigen Angebots etwas abfallen, weshalb wir keine bestellt haben.

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In diesem Bericht könnt ihr alles zu unserer Einreise nach Südafrika und was wir im Westen dieses vielseitigen Landes erlebt haben. Dieser Artikel enthält auch alle wertvollen Tipps zum Geldabheben, Tanken und Mobilfunk in Südafrika.

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Hier könnt ihr über unsere Abenteuer in Kapstadt lesen und wie wir das Weinland um Stellenbosch und Franschoek, das Cape Agulhas, den De Hoop Nationalpark und die kleine Karoo erlebt haben.

Reiseführer & Papierkarte

Papierkarte von Tracks4Africa

Die Karten von Tracks4Africa für das südliche Afrika sind richtig gut. Ab Namibia ist das Kartenmaterial sehr detailliert, für Südafrika noch detaillierter. Es gibt die Karten auch für Garmin Navigationssysteme und man hat damit eine zusätzliche Kartenbasis, da viele Kartenprogramm für iOS oder Android auf OSM aufbauen.

Reiseführer

Der Iwanowski Reiseführer deckt ganz Südafrika ab. Wir haben uns manchmal ein wenig verloren gefühlt in den touristisch etwas weniger erschlossenen Regionen, wie zum Beispiel den Cederbergen.

Der spezielle Reiseführer zu Kapstadt, der Garden-Route und dem “Wineland” des Reise-Know-How Verlags schließt diese Lücke und ist auch etwas handlicher.

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One comment

  1. Habe soeben mit großem Interesse den Bericht gelesen.
    Sehr eindrucksvoll – was Ihr wieder alles erlebt habt.
    Weiterhin viel Freude und ein funktionierendes Getriebe.

    Wolfgang

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